Wird neues EU-Gesetz ab 2014 ruinöse kostenfreie Retouren für Online-Händler beenden?

Wird das neue EU-Gesetz ab 2014 ruinöse kostenfreie Retouren für Online-Händler beenden?

Wird das neue EU-Gesetz ab 2014 ruinöse kostenfreie Retouren für Online-Händler beenden?

Jeder dritte Verbraucher ordert im Internet Waren, obwohl er schon während des Kaufs weiß, dass die Artikel höchstwahrscheinlich wieder zurückgesandt werden. Dieses Resultat ergab eine Erhebung, die unter 1.000 Teilnehmern von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) durchgeführt worden ist. Das kostenlose Rückgaberecht macht den Online-Einkauf für viele Kunden besonders interessant, ist für die Händler allerdings mit hohen Kosten verbunden.

Gegenüber pressetext erklärte André Morys, E-Commerce-Experte und Senior Consultant von Web Arts: „Die Kunden wurden in den letzten Jahren quasi zu diesem Verhalten erzogen, da jeder Online-Shop mit dem Konzept der kostenlosen Retoure wirbt.“

Ab Juni 2014 soll dem Ganzen jedoch ein Ende gesetzt werden. Dann tritt ein EU-Gesetz in Kraft, das es Händlern gestattet, ab einem Warenwert von 40 Euro eine pauschale Rücksendegebühr einzufordern. Das würde vermutlich aber Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Händler haben und Multi-Channel-Händler wie Amazon stärken, da Kunden sehr empfindsam auf dieses Thema reagieren.

50% der Befragten will in Zukunft weniger bestellen und wieder mehr im stationären Handel einkaufen, sollten Web-Shops von dem neuen EU-Recht Gebrauch machen. Gefragt sind hier also einfallsreiche Systeme wie ein Bonussystem, das es Stammkunden weiterhin gestattet, Artikel gratis zurückzuschicken. Vorstellbar wäre auch ein „return2store“-Konzept, wodurch Kunden online erstandene Ware im Geschäft abholen und bei Nichtgefallen dort auch wieder zurückgeben können.

Der Internet-Handel gilt nach wie vor als dynamisch und jung und ist auch wegen seines kostenlosen Rückgabesystems international ein viel genutztes Einkaufs-Konzept. Für die Händler ist zurückgesendete Ware wegen der anfallenden Portogebühren und des logistischen Aufwands jedoch ein äußerst kostenintensives Problem.

Die Händler könnten diesem Trend eigentlich selbst entgegenwirken, indem sie Wert auf eine bessere Produktdarstellung legten, so Morys. Die meisten Fehlkäufe und die daraus resultierenden Rücksendungen entstünden durch Unsicherheit der Kunden.

Die Kosten der Retouren aufseiten der Händler sind enorm: Eine auf Umfragen basierte Schätzung der Universität Bamberg von 2012 hat ergeben, dass zirka 250 Millionen Pakete wieder zurückgeschickt wurden. Jede einzelne Rücksendung kann den kleinen Händler bis zu 17 Euro kosten, Marktriesen wie Zalando und Amazon dagegen nur zwischen zwei und drei Euro.

Die Höhe der Anzahl der Rückgaben liegt in Deutschland je nach Warengruppe ungefähr zwischen acht und 30%. Möbel und Geschenkartikel werden eher selten retourniert. Bei Bekleidung und Schuhen liegt die Quote angeblich bei einem Drittel. Auch von sogenannten „Zalando-Partys“ bei denen die bestellten Artikel nach der Modenschau im eigenen Wohnzimmer wieder zurückgesandt werden, ist die Rede.



Kategorien: Onlinehandel allgemein, Recht & Sicherheit

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