Rakuten hat noch viel vor

Rakuten, der japanische Internet-Konzern will in Österreich noch Vieles bewegen. Vor einem Jahr startete der drittgrößte Internethändler der Welt mit seinem Marktplatz in Österreich. 2015 sollen weitere Geschäftsfelder hinzukommen, verrät Rakuten-Österreich-Chef Dieter Kindl dem KURIER. Geplant sei sowohl der Start von „TV-on Demand“ als auch der Einstieg ins Bankgeschäft. Die Japaner sind die größte Internet-Bank in ihrem Land und haben in Luxemburg und Deutschland schon eine Banklizenz gelöst. Welche Services in Österreich angeboten werden sollen, will Kindl noch nicht preisgeben. Auch die Expansion des Kommunikations-Dienstes Viber soll in Europa verstärkt werden.

Rakuten übernimmt Tradoria in Deutschland

Etwa 700 Klein- und Mittelbetriebe (KMU) sind bereits bei Rakuten aktiv, bis Jahresende sollen weitere 100 dazukommen. Das Potential sei noch riesengroß. Man suche vor allem kleinere Nischenanbieter, die ihre Produkte weltweit verkaufen wollen, so Kindl. Er nennt den Bereich „Do-it-Yourself“ in Haus und Garten sowie Nahrungs- und Genussmittel. In Deutschland beispielsweise gebe es eine große Nachfrage nach österreichischem Wein. Insgesamt würden 80% aller Verkäufe von österreichischen Shops ins Ausland gehen.

Als bewusstes Gegenkonzept zu Amazon verkauft Rakuten selbst nichts, sondern vermietet fertige Web-Shops im globalen Shoppingcenter. Die monatliche Gebühr beträgt 39 Euro, die Verkaufsprovisionen liegen zwischen 5 und 9%. Rakuten übernimmt das Abrechnungs- und Transaktionsmanagement sowie das Zahlungsausfallsrisiko. Den Versand müssen die Händler selbst in die Hand nehmen.

Erklärtes Ziel von Rakuten: Marktführer Amazon von seiner Spitzenposition zu stoßen.  „In fünf Jahren sind wir größer als Amazon“, erklärte Rakuten-Chef Hiroshi Mikitani schon vor zwei Jahren an. Seither treibt er die globale Expansion voran. Das KMU-Geschäft sei ein mühsames, so Kindl: „Ich merke hier eine gewisse Trägheit, wenn es um Umsetzung neuer Ideen geht.“ Die Enttäuschung vieler Händler über die strengen Geschäftsbedingungen bei Amazon sei jedoch hilfreich. Rakuten selbst trete auch nicht mit den Händlern in Konkurrenz. Anders als Amazon hat Rakuten in Österreich eine eigene Gesellschaft gegründet und beschäftigt derzeit 18 Mitarbeiter.

Verärgert ist Kindl über das von der österreichischen Post geplante eCommerce-Portal für KMU. Der Business-Plan lese sich wie von Rakuten abgeschrieben. Es seien einzelne Begriffe fast wortwörtlich übernommen worden. Zuvor habe die Post Kooperationsgespräche mit Rakuten überraschend eingestellt. In jedem Fall sei er gespannt, welchen Mehrwert die Post den Händlern bieten werde. Einem lokalen Österreich-Portal ohne weltweite Anbindung gebe er wenig Aussichten.

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