Online-Ratenkäufe: Payment-Dienste machen Kreditbanken Marktanteile streitig

Bezahldienste machen den Banken zunehmend das Leben schwer, indem sie Konsumenten Ratenkäufe ermöglichen. Anders als bei einem Online-Kredit sind dafür nur wenige Klicks nötig. Genau das bemängeln die großen Finanzinstitute, die befürchten, aufgrund gesetzlicher Hürden ihre Marktanteile an PayPal, Klarna oder Billpay zu verlieren. Während aber die Banken protestieren, träumen die Payment-Anbieter von Expansion und größerem Transaktionsvolumen.

Immer mehr Online-Händler bieten ihren Kunden Ratenkäufe an und arbeiten dabei mit Payment-Anbietern wie Billpay, Klarna oder PayPal zusammen. „Der Handelspartner verkauft an uns seine Forderung mit einem Abschlag, was rechtlich ein Factoring-Geschäft darstellt“, erklärt Nelson Holzner, der Gründer und Vorstandschef des Berliner Dienstleisters Billpay. Was aber bei den Konsumenten sehr gut ankommt, sorgt im Bankensektor für Unruhe. Die Kreditinstitute fühlen sich im Wettbewerb benachteiligt, weil der Gesetzgeber ihrer Ansicht nach PayPal & Co viel weniger Steine in den Weg lege als ihnen, obwohl Ratenzahlungen ebenfalls eine Form der Kreditfinanzierung seien. Um im Internet ein Konsumenten-Darlehen aufzunehmen, müssten sich Kunden durch etliche Formulare klicken. Das sei oftmals der Grund, warum sie auf dem Weg zum Vertragsabschluss das Interesse für diese Finanzierungsform vorzeitig verlören und eher von Ratenzahlungen Gebrauch machten, bei denen der bürokratische Aufwand deutlich niedriger ausfalle.

Online-Ratenkäufe: Payment-Dienste machen Kreditbanken Marktanteile streitig

Online-Ratenkäufe: Payment-Dienste machen Kreditbanken Marktanteile streitig

Banken verlieren Marktanteile im Online-Kreditgeschäft

Bislang verlief das Online-Kreditgeschäft für die Banken sehr erfreulich. Das beweisen die Zahlen aus dem letzten Jahr, in dem sie mit Konsumentenfinanzierungen im Internet insgesamt 5,8 Milliarden Euro umsetzten. Im Vergleich zu 2014 ergibt diese Summe ein Wachstumsplus von 20 Prozent. Dabei gehen Experten davon aus, dass die Einnahmen in diesem Segment künftig weiter steigen werden. In Deutschland nimmt schon heute einer von fünf Konsumenten seinen Verbraucher-Kredit im Internet auf. Weil sich die Kauffinanazierung aber allmählich in das World Wide Web verlagert, sehen sich die Banken in Gefahr und befürchten, dass sie aufgrund der gesetzlichen Hürden ihre Marktanteile an die Bezahldienste verlieren. Der Geschäftsführer des Bankenverbands Peter Wacket beklagt diese Situation und übt lautstark Kritik an der jüngsten EU-Richtlinie über elektronische Identifiezierung und Signaturen, obwohl diese den Finanzinstituten das Online-Kreditgeschäft erleichtern sollte. Ihr zufolge sei es Kunden ab dem 1. Juli möglich, sich zum Beispiel bei Darlehensaufnahmen im Internet per Smartphone, Tablet oder Computer im Video-Chat mit ihrem Ausweis zu identifizieren und Formulare mithilfe einer Transaktionsnummer zu signieren. Laut Wacket profitierten die Banken von dieser Richtlinie minimal, weil die Kreditaufnahme im Vergleich zu einem Ratenkauf weiterhin mehr Aufwand mit sich bringe. Hierbei seien weder eine Signatur noch eine Geldwäscheprüfung notwendig.

Billpay steigert das Transaktionsvolumen

Während Wacket die gleichen Regeln für alle Teilnehmer im Bereich der Konsumentenfinanzierung fordert, freut sich Billpays Chef Nelson Holzner über das steigende Transaktionsvolumen, zu dem nicht nur Lastschriften und Rechnungs-, sondern eben auch Ratenkäufe beigetragen haben. Betrug es 2015 noch 650 Millionen Euro, so erwartet das Unternehmen dieses Jahr eine Summe von einer Milliarde Euro. Bei der Ratenfinanzierung arbeitet Billpay mit mehreren Partnern zusammen, unter denen sich zum Beispiel die Eintrittskartenbörse Eventim, der Baumarkt Obi und die Modekette Esprit befinden. Um ihre Forderungen erwerben zu können, ist der Berliner Internet-Zahldienst jedoch auf Banken angewiesen, die die nötigen Finanzierungsmittel zur Verfügung stellen. Dafür konnte Billpay die Net-M Privatbank gewinnen. Dass diese Kooperation das Transaktionsvolumen weiter in die Höhe treibt, dessen ist sich Holzner schon heute sehr sicher. Dementsprechnd groß sind die Ambitionen: „Aufgrund unseres Wachstums wollen wir unser Angebot ausweiten und erwägen, in Zukunft noch mehr Ratengeschäfte direkt über Billpay abzuwickeln.“

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Eugen Zentner ist als Redakteur für onlinemarktplatz.de und als freier Redakteur für die dpa-infocom GmbH tätig.

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