eBay-Betrüger ohne Bewährung verurteilt und dennoch frei

Die Anklageschrift umfasste 85 Seiten und es dauerte 2 Stunden bis diese am Amtsgericht in Dresden verlesen war. Es ging um 4.000 einzelne Betrugs-, Steuerhinterziehungs- und Markenrechtsverletzungsfälle mit einem Gesamtschaden von 146.436 Euro, zum Teil begangen im Internet auf dem Online-Marktplatz eBay.

Heimatort des Täters (47) ist Angel City auf den Philippinen. Der Mann aus Pirna wurde jetzt verurteilt und ist dennoch frei. Der gelernte Maurer wanderte 2005 auf die Philippinen aus und versuchte von dort mit Internet-Versteigerungen bei eBay sowie quoka, einem der größten privaten Anzeigen-Portale Deutschlands, sein Einkommen zu verdienen.

Angeboten hatte er Mobiltelefone, Digitalkameras oder Gameboy-Spiele, doch benutzte er nie seinen eigenen Namen. Über diverse Internet-Stellenanzeigen suchte er vor den Auktionen in ganz Deutschland Strohmänner, auf deren deutsche Bankkonten die von den Kunden bezahlten Gelder eingezahlt wurden. Nach Abzug einer 10%-igen Vermittlungsgebühr überwiesen die Gehilfen aus Deutschland den Rest auf die philippinischen Konten des Betrügers. Da der Gauner entweder Fälschungen verschickte oder die Ware erst gar nicht bei seinen Kunden ankam, beschwerten sich die Kunden, wodurch der ganze Schwindel aufflog.

Der Angeklagte gab vor dem Richter alles zu und nach 5 Stunden stand das Urteil fest: 3 Jahre und 9 Monate Freiheitsentzug. Vor seiner Überführung nach Deutschland saß der Maurer allerdings schon 16 Monate auf den Philippinen im Gefängnis, was ihm wegen der dort herrschenden harten Haftbedingungen doppelt angerechnet wurde. Zudem war er auch in den Niederlanden bereits für 4 Monate hinter Gitter, womit er rein rechnerisch bereits mehr als Dreiviertel seiner Strafe abgesessen hat, sodass er nach der Verhandlung das Gericht als freier Mann verlassen konnte.


Beitrag teilen: