Stellenabbau bei eBay vor dem Arbeitsgericht Erfurt

Im Jahr 2000 war eBay von Berlin in den „Europarc Dreilinden“  in der Nähe von Kleinmachnow, südlich von Berlin gezogen. Die meisten Mitarbeiter in Kleinmachnow betreuten Kunden in europäischen Ländern wie Polen, Frankreich oder Italien. eBay baute jedoch die Kundenbetreuung in Europa komplett um. Dublin soll für die Betreuung von Konsumenten im nicht-deutschsprachigen Raum das Zentrum werden, so eine Meldung im Oktober 2009.

Etwa 600 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bleiben in Dreilinden, wo sie für den deutschsprachigen Kundenservice, vor allem aber für eBay-Töchter PayPal oder mobile.de arbeiten werden. Das heißt wie auch schon berichtet, es sollen 400 Angestellte entlassen werden. Bis Juni 2010 will der Konzern seinen europäischen Zweig umstrukturiert haben.

Die betroffenen Mitarbeiter hoffen auf einen umfassenden Sozialplan, worüber nun am Freitag, dem 29. Januar 2010, am Bundesarbeitsgericht in Erfurt verhandelt wird. Bisher  konnte keine Einigung über Ausmaß und Art des Stellenabbaus erlangt werden. Auch ein bestellter Schlichter konnte keine Einigung erzielen und damit den Stellenabbau verhindern. Der Gewerkschafter Karl-Heinz Austermühle: „eBay schreibt schwarze Zahlen. Es gibt überhaupt nicht die klassische Situation, dass es dem Unternehmen schlecht geht und es rationalisieren muss.“ Damit liegt der Fall anders als meistens, wenn Austermühle im Auftrag von Ver.di als Sachverständiger und Berater von Betriebsräten tätig ist, wie jetzt auch bei eBay. Das Unternehmen möchte einfach nur umstrukturieren, die Kundenbetreuung verbessern und effizienter gestalten, so eine Mitteilung von eBay.

Vor dem Bundesarbeitsgericht erhofft sich Austermühle gute Chancen für seine Schützlinge, so die taz.de, denn der wirtschaftliche Erfolg eBays verschafft Austermühle eine gute Ausgangsposition. Sie können den Preis für den Stellenabbau steigern. Grund: Finden die beiden keinen Kompromiss, entscheidet ein neutraler Arbeitsrichter über die Ausgleichszahlungen für die Entlassenen,  unter anderem auf der Basis der Geschäftszahlen des Konzerns. Das Ziel Austermühles ist es, einen Nachteilsausgleich für den Verlust des Arbeitsplatzes zu erreichen, was sich auch schon ankündigt.

Das Land Brandenburg kann die Vorgehensweise eBays nicht nachvollziehen. Die Entscheidung Mitarbeiter zu entlassen, sei unverständlich, so Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Die Linke). Christoffers Sprecherin Claudia Lippert erklärt: „Es bestand keine Einflussmöglichkeit auf das Unternehmen. Dafür hätte der Arm der Landespolitik bis in die USA reichen müssen. Denn die Entscheidung für die Entlassungen ist in der Konzernzentrale im kalifornischen San Jose gefallen.“ Ver.di-Mann Austermühle kritisiert jedoch die Landespolitik, da für die Parteien der Stellenabbau im Land anscheinend kein Thema sei. Dabei hätte eBay Subventionen vom Land kassiert: Zehn Millionen Euro, bestätigt ein Sprecher der InvestitionsBank Brandenburg eine Anfrage der taz, sind seit dem Jahr 2001 als Lohn- und Sachkostenförderung geflossen. Die an die Subventionen gebundenen Fristen für den Erhalt der Stellen seien bis 2008 zum Großteil abgelaufen. Lediglich für 45 Angestellte dauerten sie noch an.

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