eBay-User sind europäisch, so eine Begründung für eBays Zentralisierung

Nachdem eBay Deutschland in Dreilinden hunderte von Stellen abbauen will, gerechntet wird den Kündigungen Anfang Februar, befürchtet der Betriebsrat von eBay nun, dass die Online-Plattform die Arbeitsplätze im eigenen Unternehmen reduziert, um dann Mitarbeiter über externe Dienstleistungsunternehmen zu beschäftigen, so der Tagespiegel.

Betriebsratsvorsitzende Sascha Korschofski erklärt gegenüber dem Tagesspiegel: „Es wird bereits in großem Umfang Arbeit an externe Dienstleister vergeben. Wir gehen davon aus, dass das weiter zunimmt.“ „In Berlin werden ganze Abteilungen zugemacht“, fährt  Betriebsratschef Sascha Korschofski fort. Wichtige Sachverständigkeiten gingen dem Unternehmen hierdurch verloren, Kompetenzen, die in den letzten Jahren von den eBay-Mitarbeitern aufgebaut worden sind. Im Schnitt, so Korschofski, arbeiten die eBay-Mitarbeiter in Dreilinden schon 6 Jahre bei dem Unternehmen. Und es gebe auch weiterhin genug zu tun.

Was den Betriebsrat am meisten stört, ist, dass in den externen Callcentern die Konditionen viel schlechter sind. So wie beispielsweise beim Dienstleister CCC (Competence Call Center), die sich schon intensiv um eBay-Mitarbeiter bemühen. Allerdings liegen bei CCC die Stundenlöhne bei 8,50 Euro, wohingegen bei eBay 13,00 Euro und mehr gezahlt wird.

eBay-Sprecher Nerses Chopurian gibt zu, dass CCC für eBay arbeitet und sagt: „CCC ist einer unserer Outsourcing-Partner und wird vor allem in Spitzenzeiten zur Beantwortung allgemeiner Anfragen eingesetzt. Wenn unser Bedarf steigt, wird das auch ausgebaut.“ Jedoch sei der Vorwurf seitens des Betriebsrates, man baue vollwertige Arbeitsplätze im Unternehmen ab, um Arbeitsleistungen von externen Firmen zuzukaufen und das zu schlechteren Arbeitsbedingungen, nicht gerechtfertigt. „Wir werden die höherwertigen Arbeitsplätze, die Betreuung unserer besten Kunden im Haus behalten“, sagte Chopurian.

eBay will am Standort Dreilinden bei Berlin von 630 Arbeitsplätzen 400 abbauen (Wegfall der Arbeitsplätze bei eBay Berlin ist nun endgültig). Die Gespräche über einen Interessenausgleich waren erfolglos. Am vergangenen Donnerstag wurde vor der Einigungsstelle zum ersten Mal über einen Sozialplan debattiert. Korschofski empfand das Gespräch als enttäuschend. „Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die Arbeitgeberseite das Ausmaß der uns entstehenden Nachteile durch die Massenentlassung nicht ausreichend einschätzt“, sagt er.

Interessanterweise  macht eBay nicht eine schlechte ökonomische Lage für den Stellenabbau verantwortlich, was auch in Deutschland nicht glaubhaft wäre, da der hiesige Online-Marktplatz zu einem der profitabelsten zählt. eBay begründet den Abbau damit, dass es um rein strategische Maßnahmen gehe, da die eBay-User mittlerweile „europäisch“ seien und es keinen Sinn mache jeder europäischen Nation seine eigene „eBay-Struktur“ zu geben, so die eBay-Sprecherin Chopurian.
So findet die Produktentwicklung demnächst in Richmond bei London statt, die Kundenbetreuung zieht nach Dublin um, wie wir bereits berichteten. Die nächsten Verhandlungen in der Einigungsstelle findet am 20. Januar statt.


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