Tiffany-Urteil pro eBay wirft viele Fragen auf

Neben den frohen Gesichtern bei den Verantwortlichen von eBay, das Tiffany-Urteil betreffend, meldet sich nun das Luxury Institut, eine unabhängige Einrichtung, die weltweit Umfragen und Forschungsergebnisse zu Luxusgütern erfasst, zu Wort.

Sie sehen in dem Urteil eine ungeheuerliche Ungerechtigkeit dem Verbraucher gegenüber, da durch die Entscheidung des amerikanischen Gerichts die Konsumenten nicht geschützt würden. Durch eBays Sieg vor Gericht würde die Verantwortlichkeit zu erkennen, ob der Kunde, gefälschte oder echte Artikel erstanden hat, auf den Käufer übertragen. Die Folgen dessen könne man auch an den Zahlen erkennen, die den Umfang an verkauften Plagiaten beschreiben: Weltweit werden für mehr als 15 Milliarden USD gefälschte Artikel gehandelt und durch das Urteil zugunsten eBay würde der Verkauf von Plagiaten im Internet nur noch vorangetrieben.

„Dieses Urteil bestätigt abermals, wie wichtig die momentan vorhandenen Internet-Einzelhändler, Wiederverkäufer oder auch spezielle Auktionsseiten sind, die noch Verantwortung für die Echtheit der Luxus-Marken übernehmen“, so Milton Pedraza, Chief Executive Officer des Luxury Instituts. Als Beispiel wird Portero.com angeführt, eine der führenden Luxuswaren-Plattformen, die auf eBay ihren Anfang hatte und dann im Jahr 2007 eine eigene, unabhängige Auktionsplattform aufgebaut hat, da für ihren Geschmack zu viele Plagiate auf eBay angeboten wurden.

„eBay ist ein wunderbarer und leistungsfähiger Marktplatz und das in vielen Kategorien, jedoch ist die Luxus-Industrie eine andere, da ihr Anreiz ihre Wurzeln in der Exklusivität hat und das kann eBay nicht bieten“, erklärt der Gründer und CEO von Portero, Michael Sheldon. „Außerdem sind Luxus-Artikel immer Zielscheibe von Fälschern und alles, was diese benötigen, ist ein Vertriebsweg ähnlich dem von eBay“, so Sheldon weiter.

Auch der US-Vertreter Brad Ellsworth aus Indiana, reagierte auf das „Tiffany-Urteil“. Er hat nach dem Rechtsspruch die Frage aufgeworfen, ob durch die Entscheidung organisierter Kriminalität auf den Marktplätzen wie eBay nicht Tür und Tor geöffnet würde, da wahrscheinlich jetzt mehr gestohlene und gefälschte Artikel gelistet würden.
Die National Retail Federation (NRF), der größte Zusammenschluss von Einzelhändlern, hat dazu auch schon eine Pressemtteilung herausgegeben und den Anstoß des Politikers Ellsworth, einen neuen Gesetzesentwurf zu entwerfen, begrüßt. Ellsworth ist der Ansicht, dass die derzeit gültige Rechtsprechung nicht ausreichend ist, die Online-Marktplätze genügend zu kontrollieren.

NRF Präsident Joseph LaRocca, zuständig für Schadensabwendung, erklärte: „… Online-Auktionen und andere Märkte im Internet bieten eine Wild-West-Umgebung, in der Diebe und Gauner gestohlenes Eigentum veräußern können und das auf nationaler und internationaler Ebene, in einem virtuellen Raum, wo keine Fragen gestellt werden.“

House Resolution Nummer 6491, eine Art Gesetzesentwurf, wurde der Justiz am 15. Juli vorgelegt. Der genaue Text wurde noch nicht veröffentlicht. eBay hat auf die House Resolution noch nicht direkt reagiert und kein offizielles Statement dazu abgegeben. Eine allgemeine Mitteilung auf der Homepage von NetChoice, einem Zusammenschluss von Handelsassoziationen und E-Commerce, bei der eBay Mitglied ist, findet man mit folgendem Wortlaut: „Online-Webseiten von Einzelhändlern werden verantwortlich gemacht für Offline-Diebstähle und Gesetzesvorlagen sehen nun vor, Online-Händler und Betreiber von Webseiten in die Pflicht zu nehmen und sicherzustellen, dass auf ihren Seiten keine gestohlenen Gegenstände verkauft werden. Keiner jedoch spricht davon, dass 50% aller Bestandsverluste darauf zurückzuführen sind, dass die Diebstähle durch Angestellte in den „realen“ Läden verursacht werden, und der Online-Handel daran nicht schuld ist. Gesetze, die nur das Internet ins Visier nehmen, werden alleine schon deshalb scheitern, weil der Ursprung des Sicherheitsproblems, die stationären Einzelhändler, außer Acht gelassen werden, und der elektronische Handel in unfairer Weise belastet wird.“

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