Konkurrenz auf dem indischen E-Commerce-Markt: Alibaba bietet Amazon zunehmend Paroli

Alibaba und Amazon rivalisieren weltweit auf den verschiedensten Märkten. Zu einem der größten Schlachtfelder ist mittlerweile Indien geworden. Hier konnte der US-amerikanische Riese aus Seattle in den letzten Jahren eine solide Infrastruktur aufbauen. Doch die Chinesen holen mittlerweile auf, indem sie in die Schlüsselbereiche investieren.

Indien ist zu einem Schlachtfeld der beiden Rivalen Amazon und Alibaba geworden. Vor allem der chinesische Gigant hat sein Engagement in den letzten Jahren stetig ausgebaut, um dem Konkurrenten aus Seattle Paroli zu bieten. Mittlerweile kuratiert Alibaba ein ganzes Portfolio von Investitionen, um sich einen Teil des E-Commerce-Marktes zu sichern. Das wird nicht einfach sein, denn Amazon ist auf dem Subkontinent gut aufgestellt. Seit Beginn seiner Aktivitäten im Jahr 2014 konnte der Online-Händler stetig expandieren. Zum heutigen Zeitpunkt betreibt er nicht nur eine Logistik- sowie eine Zahlungsabteilung, sondern verfügt auch über 41 Lagerhäuser. Zugleich gelingt es ihm, stetig potenzielle Kunden zu gewinnen.

Konkurrenz auf dem indischen E-Commerce-Markt: Alibaba bietet Amazon zunehmend Paroli

Auf eine Goldgrube gestoßen

Eine solche Infrastruktur fehlt Alibaba noch, obwohl das chinesische Unternehmen in Indien schon seit 2007 aktiv ist. Anfangs lief einiges schief. Der Riese verspekulierte sich vor allem, als er in den Online-Marktplatz Snapdeal investierte. Was den Umsatz betrifft, unterlag dieser dem heimischen Konkurrenten Flipkart genauso wie Amazon. Auf eine Goldgrube ist Alibaba jedoch mit dem Dienstleister Paytm gestoßen, der auf dem Payment-Markt Cyberwallet-Services anbietet. Eine Beteiligung an dem Unternehmen erwarb der chinesische Riese zunächst im Februar 2015. Diese kostete ihn 575 Millionen US-Dollar, wobei das Geld von seiner Tochtergesellschaft Ant Financial stammte. Zu diesem Zeitpunkt wurde Paytm auf rund zwei Milliarden US-Dollar geschätzt. Seitdem ist dessen Wert auf mehr als das Dreifache (7 Milliarden Dollar) angestiegen. Mit diesem Zukauf konnte Alibaba seinen Einfluss in Indiens Zahlungslandschaft deutlich ausbauen und spielt jetzt darin eine zentrale Rolle.

Einstieg in den Lebensmittel-Handel

Abgesehen von Paytm hat Alibaba im Juni 2017 eine Investition in die Online-Ticketing-Plattform TicketNew getätigt. Deshalb konzentriert sich auch Paytm stark auf dieses Segment. Darüber hinaus will Alibaba zusammen mit der Paytm Mall Anteile an dem Online-Lebensmittelhändler BigBasket kaufen. Die Summe soll sich auf 250 bis 300 Millionen Dollar belaufen. Mit der Investition erhält Paytm in Indien einen Zugang zum aufstrebenden Online-Lebensmittelgeschäft, in dem bislang weder Flipkart noch Amazon Erfolge zeitigen konnten. Dass Alibaba ein so großes Interesse an Indien zeigt, ist keine Überraschung. Denn der chinesische Markt hat seinen Höhepunkt erreicht. Experten sprachen bereits 2016 davon, dass das Wachstum des heimischen E-Commerce von damals 46,9 Prozent auf 25,4 Prozent zurückgehen würde.

Großes Potenzial auf dem indischen E-Commerce-Markt

Anders sieht es in Indien aus. Dort wächst das E-Commerce kontinuierlich, sodass Experten zwischen 2017 und 2026 mit jährlichen Raten von 30 Prozent rechnen. Bis zu diesem Zeitpunkt soll auch die Hälfte der indischen Internetnutzer online einkaufen. Um ein großes Stück von dem Kuchen abzubekommen, verfolgt Alibaba eine Strategie, die sich von derjenigen Amazons unterscheidet. Während der Internet-Riese aus Seattle fünf Milliarden für den Konkurrenzkampf mit dem örtlichen Platzhirsch Flipkart investierte, hält sich das chinesische Unternehmen mit solch exorbitanten Ausgaben noch zurück. Stattdessen setzt Alibaba auf langsame Schritte. Dennoch ist bereits jetzt klar geworden, was der Gigant beabsichtigt. Er will in allen wichtigen Bereichen des E-Commerce mitmischen – in der Logistik-Branche, auf dem Payment-Markt und im Lebensmittel-Handel.

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Eugen (Redakteur)

Eugen Zentner ist freier Redakteur, dpa-infocom.



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