Amazon testet Paketstationen an Shell-Tankstellen

Einen eigenständigen Paketdienst aufzubauen, ist derzeit eines der größten Ziele von Amazon. Um es zu erreichen, stellt der Online-Händler seit Herbst letzten Jahres mehrere Paketautomaten in den deutschen Großstädten auf. Momentan kooperiert er mit dem Ölkonzern Shell, an dessen Tankstellen er seine „Amazon Locker“ testet. In den nächsten Monaten soll sich deren Zahl deutlich erhöhen. Während aber der E-Commerce-Riese seine ambitionierten Pläne zielstrebig umsetzt, fürchten die traditionellen Zulieferer um ihre Existenz.

Amazon testet Paketstationen an Shell-Tankstellen

Amazon testet Paketstationen an Shell-Tankstellen

Amazon schmiedet im Paketgeschäft neue Allianzen. Als neuen Partner konnte der Gigant aus Seattle nun den britisch-niederländischen Ölkonzern Shell gewinnen. Dessen Geschäftsführung zufolge stünden bereits seit zwei Monaten an einigen seiner deutschen Tankstellen Paketautomaten, die Amazon-Kunden nutzen können, um ihre Bestellungen abzuholen: „Shell und Amazon testen seit Juli sogenannte Amazon Locker an zehn Shell-Stationen in München“, sagte kürzlich der Chef Istvan Kapitany. Mit dieser strategischen Partnerschaft will sich der Online-Händler gegenüber Logistik-Dienstleistern wie DHL oder Hermes mehr Unabhängigkeit verschaffen und die Zustellung für die eigenen Kunden selber übernehmen. Für eine Zusammenarbeit mit dem Ölkonzern entschied er sich vor allem deswegen, weil dieser mit 2000 Tankstellen eine hervorragende Infrastruktur zur Verfügung stellt, die Amazon benötigt, um sein Ziel zu erreichen. Shell hingegen erhofft sich von der Kooperation wertvolle Erfahrungen in dem Paketgeschäft, wie Kapitany durchblicken ließ: „Das Angebot passt gut in unser Konzept, Kunden mit attraktiven Dienstleistungen das Leben ein bisschen einfacher und bequemer zu machen.“

Zahl der Paketautomaten an Shell-Tankstellen steigt deutlich

Der US-amerikanische Online-Riese bemühte sich schon zu Anfang des Jahres, „Amazon Locker“ auf den Markt zu bringen. Allerdings gelang es ihm lange Zeit nicht, Kooperationspartner zu finden, obwohl erste Gespräche mit potentiellen Kandidaten bereits im Frühjahr stattfanden. Nach der Einigung mit Shell kommt das Projekt allmählich in Gang. Wie es derzeit aussieht, soll die Zahl der Tankstellen mit Amazons Paketautomaten in den nächsten Monaten weiter steigen und im dreistelligen Bereich liegen. Während der Online-Händler aber ambitionierte Pläne schmiedet, macht sich unter den traditionellen Zulieferern Angst breit. DHL, Hermes und UPS plagen Sorgen, sie könnten Amazon als lukrativen Auftraggeber verlieren. Diese Furcht ist nicht unbegründet, schließlich arbeitet Jeff Bezos schon seit geraumer Zeit an einem eigenständigen Paketdienst, der auf einem umfassenden Schließfachsystem beruht. Schon jetzt finden Lieferungen in den deutschen Großstädten statt, wobei Amazon zunächst in München begann. Dort stellt der Online-Händler seit Herbst 2015 zu, während er in Berlin seit diesem Jahr seine Kunden beliefert. Als nächstes soll Hamburg folgen, wobei die Unternehmensführung derzeit nach geeigneten Standorten für mehrere Verteilzentren sucht.

Amazon beschwichtigt: eigener Lieferservice soll die Paketdienste ergänzen

Auf die Sorgen der Paketdienste reagiert Amazon bislang mit beruhigenden Worten. Laut Logistik-Chef Bernd Schwenger gehe es dem Online-Händler nicht darum, die Paketdienste durch den eigenen Lieferservice zu ersetzen. Stattdessen ist dieser als Ergänzung gedacht, um den hohen Anforderungen zu Weihnachten und Ostern gerecht zu werden. In den Vormonaten herrschten oft chaotische Zustände, weil entweder nicht genügend Paketboten zur Verfügung stünden oder die Sortierzentren an ihre Grenzen gelangten. Weil aber die meisten Bestellungen auf Amazon zurückzuführen seien, müsse das Unternehmen die Zulieferer unterstützen, um diese Probleme zu lösen. Ähnlich argumentiert Michael Lierow von der Unternehmensberatung Oliver Wyman, der Amazon in diesem Geschäftsbereich zu Diensten steht: „Das Gesamtvolumen an Paketen, das Amazon jeden Tag zustellen muss, ist so gewaltig, dass das in absehbarer Zeit nicht ohne DHL, DPD und andere Dienste zu bewerkstelligen ist.“ Dabei verweist der Unternehmensberater auf die Verhältnisse in den USA, wo Amazon Paketstationen an öffentlichen Plätzen, in Discountern und in Einkaufszentren aufgestellt hat: „In den USA sind sie durchaus beliebt, aber sie sind nur eine zusätzliche Möglichkeit, Pakete abzuliefern und werden nie Möglichkeiten ersetzen wie die Hauszustellung.“

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Eugen Zentner ist als Redakteur für onlinemarktplatz.de und als freier Redakteur für die dpa-infocom GmbH tätig.

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