Der neue Online-Marktplatz Crowdfox will Amazon die Stirn bieten

Nicht wenige Online-Händler suchen nach einer Alternative zu Amazon. Seit Dezember letzten Jahres übernimmt diese Rolle der Kölner Marktplatz Crowdfox. Seinen Nutzern verspricht er Preise, die immer niedriger ausfallen als bei dem übermächtigen Konkurrenten. Mit der bisherigen Entwicklung zeigt sich das Start-up mehr als zufrieden, doch viele Händler sind noch immer skeptisch. Auch das Portal Wortfilter hat sich bereits kritisch mit Crowdfox beschäftigt.

Mit der Verlagerung des Handels auf das Internet haben sich auch die Machtverhältnisse geändert. An oberster Stelle steht nun Amazon, der allmählich alle Felder des E-Commerce besetzt und immer mehr Dominanz ausübt. Noch nehmen viele Händler diese Entwicklung gelassen hin, auch wenn sie ihnen überhaupt nicht schmeckt. Unternehmen wie Crowdfox möchten hingegen Widerstand leisten. Der Kölner Online-Marktplatz öffnete seine digitalen Pforten Ende Dezember 2015 und positioniert sich seitdem als Alternative zu dem übermächtigen Riesen aus den USA. „Die fairsten Preise im Netz. Immer günstiger als Amazon“, wirbt der Sparfuchs für sich und verspricht Händlern höhere Gewinnmargen. Mit dem Start ist der Gründer Wolfgang Lang nach eigener Aussage mehr als zufrieden. Nach nur einem halben Jahr habe sich das Team auf 50 Mitarbeiter vergrößert, während die Wachstumsraten anhaltend um 100 Prozent im Monat stiegen. Darüber hinaus darf sich der neue Online-Marktplatz über 5 Millionen Euro freuen, die ihm eine Investoren-Gruppe kürzlich zur Verfügung stellte.Der neue Online-Marktplatz Crowdfox will Amazon die Stirn bieten

Händler sparen Gebühren und Provisionen

Das Geschäftsmodell großer Online-Marktplätze wie Amazon oder eBay basiert darauf, dass diese Händlern zu einer größeren Reichweite verhelfen. Wer auf ihren Plattformen seine Produkte anbietet, hat bessere Chancen, von Kunden wahrgenommen zu werden. Für diesen Vorteil erhebt Amazon jedoch eine monatliche Gebühr, die momentan 39 Euro beträgt. Zusätzlich dazu müssen Händler eine Provision von 7 bis 20 Prozent für jeden Artikel zahlen, den sie mithilfe des Online-Marktplatzes verkaufen. Genau hier setzt Crowdfox an und wählt einen anderen Ansatz. Anstatt den Händler zu belasten, lässt der Crowdfox den Kunden die Servicegebühr bezahlen. Sie geht dann zusammen mit den Versandkosten in den Gesamtpreis ein. Allerdings fällt dieser immer noch kleiner aus als bei Amazon, weil die Händler bei dem jeweiligen Produktangebot noch keine Zusatzkosten zu berechnen brauchen. Mit diesem Konzept wollen die Kölner Jeff Bezos die Stirn bieten und hoffen, dass es nicht nur auf Händler eine größere Attraktivität ausübt, sondern auch auf Kunden. Künftig sollen diese zwischen einem Jahresabo für 49,99 Euro und einem Monatsabo für 4,99 Euro wählen dürfen, das sie automatisch zu Mitgliedern eines Shopping-Clubs macht.

Preise nur für registrierte Nutzer sichtbar

Neben diesen Abweichungen, enthält das Kölner Modell eine weitere Besonderheit. Damit die Preise niedrig, aber immer noch fair bleiben, macht sie der Anbieter nur für registrierte Nutzer sichtbar. Dadurch will er eine Preisspirale nach unten verhindern, die spezielle Programme verursachen können. Diese suchen im Netzt gezielt nach dem günstigsten Angebot und zeigen es automatisch auf den jeweiligen Vergleichsportalen an. Das bewegt viele Händler dazu, ihren Preis zu korrigieren und die Konkurrenz zu unterbieten. Allerdings kommt Crowdfox seinen Händlern in diesem Punkt entgegen, indem er ihnen auf dem eigenen Portal eine Vergleichssoftware zur Verfügung stellt. Wer sie nutzt, erfährt in Echtzeit, ob sein Angebot gegenüber der Konkurrenz besser oder schlechter abschneidet.

Noch sind viele Händler skeptisch

Im Vergleich zu Amazon oder eBay fällt die Produktpalette des Kölner Online-Marktplatzes recht schmal aus. Neben Elektronik, Küchengeräten und Parfüms finden sich darin Spirituosen und Waren für Kinder. Dass die Auswahl übersichtlich ist, liegt zum einen in Crowdfox‘ Neuling-Status begründet. Zum anderen sind noch viele Händler skeptisch und kritisieren das Geschäftsmodell dafür, sich ausschließlich am Preis auszurichten. Sie sähen es lieber, wenn auch die Qualität der Produkte einen größeren Stellenwert bekäme. Der „faire Preis“ als Werbeslogan macht nicht wenige vorsichtig, weil sie überwiegend nach Kunden suchen, die für gute Ware gutes Geld zu bezahlen bereit sind. Und diese, so glauben sie, kann ihnen nur Amazon vermitteln.

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Eugen (Redakteur)

Eugen Zentner ist freier Redakteur, dpa-infocom.



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