Alibaba kommt nach Deutschland, Italien und Frankreich

Alibaba-President Michael Evans kündigte zu Beginn der Woche an, dass Alibaba die Expansion in Europa starte. Dazu werde innerhalb der kommenden Monate Büros in Deutschland, Italien und Frankreich eröffnet.

Der riesige Online-Markt in China wird von gerade einmal drei Konzernen dominiert: Alibaba, Tencent und Baidu. Nach einer harten Phase massiver Revierkämpfe ist in China momentan Ruhe eingekehrt und es folgt eine Phase der Konsolidierung.

Ein laut OECD überraschend starkes Abflauen der Konjunktur in China, die Yuan-Abwertung und die massive chinesische Börsenschwäche seit Mitte Juni zwingt Alibaba wohl nun zum Handeln. Der chinesische Aktienmarkt hat in den vergangenen Monaten rund 30 % seines Wertes verloren und damit wurden mehrere Billionen Euro Kapital vernichtet.

Die Alibaba Group will nun die internationale Präsenz ausweiten, neben Europa auch in den USA und Asien.

Alibaba kommt nach Deutschland

Die Alibaba Group legte im September 2014 einen fulminanten Börsestart hin. Die Erstnotiz der Aktie lag mit 92,70 Dollar um 36% über dem offiziellen Ausgabekurs, wenig später kostete das Papier sogar knapp 100 Dollar. in den darauf folgenden Monaten folgte aber die Katerstimmung, die Alibaba-Aktie befand sich im freien Fall. Seit Januar 2015 verlor der Titel knapp ein Drittel und lag zwischenzeitlich sogar deutlich unterhalb des Ausgabekurses von 68 Dollar. Doch seit Anfang Oktober geht es dann wieder aufwärts die Aktie stieg um fast 18 Prozent.

Das Wall Street Journal beschäftigte sich bereits mit der Zukunft von Alibaba und einer möglichen Allianz zwischen eBay und Alibaba, um dem Konkurrenten Amazon standhalten zu können. Gerüchte um eine Übernahme von eBay durch Alibaba, gibt es schon seit geraumer Zeit. Es gibt viele Gründe, die für eine Übernahme sprechen würden, wir hatten im Januar bereits darüber geschrieben.

Könnten die beiden Unternehmen zusammen die Vorherrschaft auf dem E-Commerce-Markt erreichen? Wie sieht das Alibaba-Gründer Jack Ma? Amazon ist derzeit nicht zu toppen. Der Internetriese konnte bei der Bekanntgabe der letzten Quartalszahlen die Investoren mit positiven Zahlen überraschen. Doch auch die Mitstreiter arbeiten fleißig am Vorankommen und besonders Alibaba versucht Amazon das Wasser abzugraben. Die stetigen Investitionen von Amazon in das operative Geschäft werden aller Voraussicht nach früher oder später zudem gewinnbringend sein. Das Prime-Programm, der eigene Streaming-Service, vor allem aber jedoch das Cloudgeschäft tragen hierzu bei.

Alibaba hat das alles aktuell noch nicht zu bieten. Der Konzern investierte zwar im Sommer eine Milliarde US-Dollar in den Ausbau eines eigenen Cloud-Business und verfügt über ein enormes Wachstumspotential im chinesischen Internet-Markt. Ob das jedoch ausreichen wird, sich von Amazon abzusetzen wird allein die Zukunft zeigen.

eBay hat mit 3,2,1 …meins seine beste Zeit hinter sich und der Erfolg der Vergangenheit ist verblichen. Die Devise schien zu Beginn des Jahres zu lauten: Ausverkauf und Reduktion auf das Wesentliche! So veräußerte das Unternehmen die Sparte eBay Enterprise mit Magento – die Dienstleistungen besonders für Handelsunternehmen anbietet – unter Wert, für 925 Millionen Dollar an Finanzinvestoren. GSI Commerce, so der Name vor der Umfirmierung, kostete eBay im Jahr 2011 zirka 2,4 Milliarden Dollar.

Hier einige Angaben zu den Nutzerzahlen und den Warenhandelsumsätzen (GMV, Gross Merchandise Volume) von Alibaba

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Anhand des Vergleichs der Warenumsätze (GMV) von Alibaba, eBay und Amazon wird die massive Größe von Alibaba ersichtlich

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Die Warenumsätze von Amazon und eBay erscheinen zwergenhaft

Zum Vergleich, das GMV von eBay lag 2013 bei 76,5  und bei Amazon bei 95,2 Milliarden Euro. Das sind gerade einmal 17,99% (Amazon) und 14,46% (eBay) des Warenumsatzes von Alibaba. Amazon und eBay erreichen mit ihren Gesamt-Warenhandelsumsatz noch nicht einmal die mobilen Warenhandelsumsätze von Alibaba: Amazon macht 91,54% und eBay 73,56% des mobilen GMV von Alibaba.

Selbst bei diesen Zahlen ist noch Luft nach oben, denn bisher ist nur etwa die Hälfte der 1,4 Milliarden Chinesen online. Schaut man sich die Gesamtzahl der Alibaba-Kunden von 231 Millionen an, so kaufen bisher bereits fast ein Drittel aller (Online-) Chinesen bei Alibaba.

Aber nicht nur die Umsätze sind unglaublich hoch, auch die Erträge stimmen. In den letzten neun Monaten des Jahres 2013 konnte Alibaba einen Gewinn von 2,85 Milliarden Dollar verbuchen.

Alibaba ist mehr als „nur“ ein Onlinehändler wie beispielsweise Amazon. Außerhalb von Asien ist Alibaba allerdings noch weitgehend unbekannt. Der Konzern betreibt sein Kerngeschäft über mehrere Online-Marktplätze und einen Bezahldienst. Diese Geschäftzweige sind aber bei Weitem nicht alles: Eine Anzahl an Tochterfirmen und Beteiligungen spielen auf den wichtigen digitalen Märkten wie Cloud-Computing, Streaming, Online-Reisen, Chat-Dienste, Weiterbildung und Lernen um nur einige zu nennen.

Ein Überblick über das Kerngeschäft von Alibaba

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Im Jahr 2000 fand im Berliner Messezentrum die Internet World statt. Der Alibaba Gründer Jack Ma stellte dort vor drei Zuhörern sein jüngst gegründetes Unternehmen namens Alibaba vor. Jack Ma hält seine Rede und sagt danach zu seinen zwei begleitenden Mitarbeitern: „Macht euch keine Sorgen. Wenn ich hierher zurückkomme, wird die Bude voll sein.“ Das war die richtige Prognose.

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