Amazon Quartalszahlen: Jeff Bezos will Wachstum um jeden Preis

Amazon hat im zweiten Quartal 2014 den Umsatz um 23 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar erhöht. Der Gewinn bleibt allerdings dabei auf der Strecke: Amazon schreibt ein Minus von 126 Millionen Dollar.

Es ist inzwischen zur Gewohnheit geworden, dass Jeff Bezos wenig Rücksicht auf die Aktionäre und den Aktienkurs nimmt und die erwirtschaftetet Dollars, statt sie als Gewinne auszuweisen, lieber in das Geschäft investiert. Mit einem Ertragsminus in dieser Höhe hatten die Analysten allerdings nicht gerechnet. Dementsprechend rutschte die Aktie nach Bekanntwerden der Zahlen am Donnerstag nachbörslich um annähernd 10 Prozent ab.

Als Grund für die Zahlen nennt  Amazons Finanzchef Tom Szkutakdie massiven Investionen.

Hardware, Logistik, Software und Lizenzen

Erst vor einigen Wochen stellte Amazon-Gründer Bezos das hauseigene Fire Phone vor. Im April brachte Amazon das Fire TV auf den Markt. Alleine die Entwicklung dieser beiden Hardwarekomponenten hat natürlich hohe Investitionen erfordert.

Amazons perfekte Logistik ist allseits bekannt und erfordert natürlich auch entsprechende Investitionen: In 2014 wurden sechs neue Logistikzentren eröffnet und 15 neue Sortierzentren sind in der Planung. Durch die Sortierzentren möchte Amazon näher an die Kunden heranzukommen und die Ware noch schneller ausliefern, oft am selben Tag und auch sonntags – das ist in den USA enorm wichtig.

Auch die Kosten für Amazon Prime sind gewachsen, denn das Angebot wird stetig weiter ausgebaut. Nachdem Amazon Ende Februar mit Amazon Prime Instant Video seinen Video-Streaming Dienst als Inklusivleistung für Amazon Prime gestartet hat, berichtete Anfang März die Branchen-Webseite re/code über einen Musik Streaming-Dienst, ähnlich Spoitfy, Napster oder Musicload, als weitere mögliche Inklusiv- oder Zusatzleistung für Amazon Prime. Zusätzlich wurde das Angebot von Buchinhalten weiter ausgebaut. Mit „Kindle Unlimited“ gibt es – vorerst nur in den USA – eine „Lese-Flatrate“.

Eine große Rolle wird bei den Kosten auch das Cloud-Geschäft gespielt haben, das in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 90 Prozent gewachsen ist. Um im Preiskampf mit Konkurrenten, senkte Amazon massiv die Preise.

Nicht zuletzt dürfte auch der perfekte Amazon Kundendienst, wie zum Beispiel der gerade in Deutschland für den Kindle Fire HDX Tablet eingeführte 365 Tage Live-Support mit Namen Mayday, einiges an Investitionen und laufenden Kosten verursachen.

Ausblick

Verschiedene Aktienanalysten hatten in ihren Aktienanalyse erneut Kaufempfehlungen für die Aktien des weltgrößten Online-Händlers Amazon ausgesprochen und den Kurs bei 400 Dollar gesehen. Als einen wichtigen Wachstumstreiber für Amazon wird Amazon Prime gesehen, da etwa 50% aller über Amazon getätigten Umsätze über Prime generiert werden. Die Loyalität der Kunden würde durch Amazon Prime gestärkt und dadurch entsteht gegenüber den Konkurrenten ein Schutzwall.

Auch A.B. Mendez vom Finanzdienstleister KCG sieht Jeff Bezos trotz der aktuellen Zahlen weiterhin auf dem richtigen Weg:

„Bezos hat vor 15 Jahren mit dem Verkauf von Büchern übers Internet angefangen, seitdem hat er die Produktpalette massiv erweitert – und er navigiert sein Unternehmen durch den Übergang von physischen zu Online-Medien. In den USA läuft ein Drittel des gesamten E-Commerce-Umsatzes über Amazon. Bezos ist ein Visonär – und seine Firma hat im Markt eine einzigartige Stellung.“

Wachstum um jeden Preis – wer Amazon-Aktien hält, sollte sich mit dieser Vorgehensweise anfreunden, denn auch der Ausblick für das laufende Quartal ist, was die Gewinne angeht, eher ernüchternd. Das Management rechnet mit einem operativen Verlust von bis zu 810 Millionen Dollar.

Übrigens…

Jeff Bezos nahm an der Konferenzschaltung zu den Quartalszahlen im Gegensatz zu fast allen anderen Firmenchefs gar nicht erst Teil, lies aber über die Amazon-Webseite verlauten, dass man weiter hart daran arbeiten werde, Amazon noch kundenfreundlicher zu machen.


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