Wozu sind Gutscheinwährungen wie Amazon Coins sinnvoll?

Nachdem Amazon bereits in den USA das Bezahlen mit der Gutschein-Währung Coins durchführt, hat das Unternehmen im November 2013 auch in Deutschland die Bezahlung mit Coins eingeführt. Mit Coins soll das Bezahlen simpler gestaltet werden, doch sind die Vorzüge dieser Währung in Frage gestellt.

Das gebräuchlichste Online-Zahlungsmittel ist immer noch die Kreditkarte. Viele Händler bieten ihren Kunden mittlerweile auch die Bezahlung gegen Rechnung als Möglichkeit an oder eine Lastschrift vom Girokonto des Kunden. Auch Online-Bezahldienste wie PayPal sind weit verbreitet. PayPal steht in Konkurrenz zu Click&Buy, einem 100-prozentigen Tochterunternehmen der Deutschen Telekom AG. Für Kleinbeträge wie Apps oder Musikstücke können Nutzer auch Gutscheine wie in Apples iTunes Store oder bei Google Play erstehen.Amazon Coins sollen Kaufbereitschaft der Kunden erhöhen

Gutscheinwährungen wie Amazon Coins kauft man mit realem Geld über eine Kreditkarte, Überweisung, Lastschrift oder Barkauf. Ein Amazon Coin entspricht einem Euro-Cent. Der Internet-Händler bietet Gutschein-Pakete zu 500, 1.000, 2.500, 5.000 oder 10.000 Coins an. Um die künstliche Währung attraktiver zu machen, lockt Amazon beim Kauf mit Coins mit einem Preisnachlass von bis zu 10%. Mit den Coins können Apps für die Kindle-Fire-Geräte bezahlt werden. Amazon verspricht, dass nicht genutzte Coins nie ablaufen, sondern später genutzt werden können.

Amazon ist der Meinung, dass die nun auch in Deutschland bereitgestellte Währung Coins es für die Kunden einfacher macht, auch Kleinbeträge zu zahlen. Viele Kunden hätten es als störend und konfus empfunden, viele kleine Summen für Apps mit der Kreditkarte begleichen zu müssen, so Amazon Deutschland-Chef Ralf Kleber. Ferner soll die neue Währung die Kaufbereitschaft der Kunden anheizen und damit die App-Entwickler begünstigen.

Es gibt aber von Kundenseite auch negative Stimmen. Sie sehen den Umgang mit Kunstwährungen als umständlich an. Microsoft hatte beispielsweise für seine Online-Plattform Xbox Live die digitale Währung Points verbreitet. Auch Microsoft begründete die Gutscheinwährung mit der Bequemlichkeit im Zahlungsverkehr. Im August wurde sie jedoch wieder abgeschafft. Seitdem wird in der entsprechenden Landeswährung gezahlt. Viele Kunden hätten sich beklagt, dass die Einlösung in das virtuelle Zahlungsmittel und die Umrechnung nicht transparent und kompliziert seien. Microsoft verkaufte 100 Points zu 1,20 Euro, was die Umrechnung erschwerte. Amazon nutzt ein überschaubareres System und bietet 500 Coins für fünf Euro an.

Eine andere virtuelle Währung, Bitcoin, wird im Gegensatz zu Amazon Coins von keinem Unternehmen oder Staat kontrolliert. Zudem entsprechen Amazon Coins eher Gutscheinen. In Berlin sowie anderen Städten gibt es mittlerweile vereinzelt Cafés, PC-Läden oder Catering-Services, in denen Bitcoin als Zahlungsmittel anerkannt wird. eBay zieht in Betracht, Bitcoin eines Tages als Zahlungsmittel einzuführen. Kritiker wie der Commerzbank -Chefvolkswirts Jörg Krämer geben Bitcoin allerdings auf Dauer keine Chance. Aufgrund der starken Kursausschläge trage die Bitcoin-Währung die Demontage schon in sich, so Krämer gegenüber der „Wirtschaftswoche“. Niemand verwende eine Währung, die ständig Achterbahn fahre.