Neue EU-Strategie stärkt Sicherheit von Kindern im Internet

Die Kommission hat heute (Mittwoch) eine neue Strategie für ein besseres Internet für Kinder angenommen, um altersgerechte digitale Dienste zu verbessern und um dafür zu sorgen, dass jedes Kind im Internet geschützt, befähigt und geachtet wird. Margrethe Vestager, die für das Ressort „Ein Europa für das digitale Zeitalter“ zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin, sagte: „Jedes Kind in Europa verdient es, in einem sicheren und förderlichen digitalen Umfeld zu gedeihen. Mit der neuen Strategie wollen wir den Zugang zu digitalen Geräten und digitalen Kompetenzen für Kinder und insbesondere Kinder in prekären Situationen fördern, Cybermobbing bekämpfen und alle Kinder vor schädlichen und illegalen Online-Inhalten schützen. All dies steht im Einklang mit unseren Grundwerten und digitalen Grundsätzen.“

Dubravka Šuica. ©Europäische Kommission 2022

Dubravka Šuica, Vizepräsidentin für Demokratie und Demografie, erklärte: „Die neue Strategie für ein besseres Internet für Kinder wird dafür sorgen, dass Kinder online und offline dieselben Rechte genießen und kein Kind – ungeachtet seines geografischen, wirtschaftlichen und persönlichen Hintergrunds – zurückgelassen wird. Alle Kinder müssen geschützt, befähigt und geachtet werden.“

Der für den Binnenmarkt zuständige EU-Kommissar Thierry Breton ergänzte: „Kinder und Jugendliche sind Teil der digitalen Dekade Europas, sie sind unsere Zukunft. Wir müssen ihnen helfen, die Chancen zu ergreifen, die ihnen das digitale Zeitalter bietet, und gleichzeitig für ihre Sicherheit im Internet sorgen – auch mit altersgerechten und wirksamen Methoden zur Altersüberprüfung. Wir werden weiterhin mit den Mitgliedstaaten und der Branche zusammenarbeiten, um diese Ziele zu erreichen.“

In den letzten zehn Jahren hat sich die digitale Technik und die Art und Weise, wie Kinder sie nutzen, dramatisch verändert. Die meisten Kinder nutzen ihre Smartphones täglich und fast doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren. Zudem beginnt die Nutzung in einem viel jüngeren Alter. Moderne Geräte bieten viele Chancen und Vorteile, sie ermöglichen es Kindern, mit anderen zu interagieren, online zu lernen und sich unterhalten zu lassen. Aber diese Vorteile gehen auch mit Risiken einher, wie den Gefahren von Desinformation, Cybermobbing oder schädlichen und illegalen Inhalten, vor denen Kinder geschützt werden müssen.

Die neue europäische Strategie für ein besseres Internet für Kinder zielt auf barrierefrei zugängliche, erschwingliche, altersgerechte, informative und unterhaltsame Online-Inhalte und –Dienste ab, die dem Wohl der Kinder dienen und ihren Interessen entsprechen.

Die heutige Strategie wird zusammen mit einem Vorschlag für eine neue Verordnung zur Verhütung und Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung von Kindern innerhalb und außerhalb des Internets angenommen.

Grundsätze und Säulen der Strategie

Die neue europäische Strategie für ein besseres Internet für Kinder ist der digitale Arm der umfassenden EU-Kinderrechtsstrategie der Kommission und spiegelt den Digitalgrundsatz „Schutz und Befähigung von Kindern und Jugendlichen in der Online-Welt“ wider. In der Strategie wird die Zielvorstellung für eine digitale Dekade für Kinder und Jugendliche dargelegt, die sich auf drei Säulen stützt:

  1. Sichere digitale Erfahrungen zum Schutz der Kinder vor schädlichen und illegalen Online-Inhalten, Verhaltensweisen und Risiken und zur Verbesserung ihres Wohlergehens durch ein sicheres, altersgerechtes digitales Umfeld.

Um die digitale Welt zu einem sicheren Ort für Kinder und Jugendliche zu machen, wird die Kommission beispielsweise einen EU-Verhaltenskodex für altersgerechte Gestaltung fördern und bis 2024 eine europäische Norm für die Online-Altersüberprüfung einführen. Außerdem wird sie prüfen, wie die geplante Euid-Brieftasche für die Altersüberprüfung verwendet, das rasche Melden illegaler und schädlicher Inhalte unterstützt und bis 2023 Hilfe bei Cybermobbing über eine einheitliche Rufnummer aus dem „116“-Nummernbereich geleistet werden kann.

  1. Stärkung der digitalen Kompetenz, damit Kinder die Fähigkeiten und Kompetenzen erwerben, die sie brauchen, um sichere Entscheidungen zu treffen und sich im Online-Umfeld sicher und verantwortungsbewusst auszudrücken.

Um die Stärkung der Kinder im digitalen Umfeld zu weiter fördern, wird die Kommission mithilfe des Netzes der Safer-Internet-Zentren, die das Rückgrat ihrer Strategie bilden, Medienkompetenzkampagnen für Kinder, Lehrkräfte und Eltern organisieren. Überdies wird sie Lehrmodule für Lehrkräfte über das Portal betterinternetforkids.eu zur Verfügung stellen. Das Netz der Safer-Internet-Zentren in den Mitgliedstaaten wird die Unterstützung für Kinder in prekären Situationen verstärken und dazu beitragen, die digitale Kluft bei den Kompetenzen zu überwinden.

  1. Aktive Teilhabe und Achtung der Kinder, indem ihnen Äußerungsmöglichkeiten im digitalen Umfeld eingeräumt werden – mit mehr kindgeführten Aktivitäten zur Förderung innovativer und kreativer sicherer digitaler Erfahrungen.

Im Hinblick auf eine größere Teilhabe von Kindern im digitalen Umfeld wird die Kommission beispielsweise Schulungen von Kind zu Kind unterstützen, um so die Online-Möglichkeiten zu fördern. Außerdem wird sie mithilfe der Safer-Internet-Zentren Risiken auf nationaler und lokaler Ebene angehen und alle zwei Jahre eine kindgeführte Bewertung der Strategie organisieren.

Zur Umsetzung dieser wichtigen Säulen fordert die Kommission die Mitgliedstaaten und die Branche auf, sich den Bemühungen anzuschließen und die diesbezüglichen Maßnahmen zu unterstützen.

Hintergrund

Mit der vorgelegten Strategie wird die im Jahr 2012 aufgestellte Europäische Strategie für ein besseres Internet für Kinder fortgeschrieben und verstärkt. Die Strategie von 2012 hat EU-weit das nationale politische Vorgehen beeinflusst und findet auch international Beachtung. So wird beispielsweise jedes Jahr weltweit der „Tag des sichereren Internet“ begangen. Aktionen zur Bekämpfung von Falschmeldungen, Cybermobbing und schädlichen und illegalen Inhalten erreichen jedes Jahr Tausende von Schulen und Millionen von Kindern, Eltern und Lehrern.

Im März 2021 stellte die Kommission ihre erste umfassende EU-Kinderrechtsstrategie auf, in der sie auch eine Überarbeitung ihrer Strategie für ein besseres Internet für Kinder aus dem Jahr 2012 ankündigte.

Im Frühjahr 2021 wurden dazu mehr als 750 Kinder und Jugendliche in rund 70 Konsultationssitzungen, die von den Safer-Internet-Zentren in ganz Europa organisiert wurden, über ihre Gedanken und Ansichten zu Fragen der Online-Sicherheit, der Inhalte und der Kompetenzen befragt. Zudem wurden Umfragen und andere Konsultationen mit Eltern, Lehrkräften, Forschern, nationalen Experten für die Online-Sicherheit von Kindern und mit Partnern aus der Branche durchgeführt.

Die Ergebnisse sind in die neue europäische Strategie für ein besseres Internet für Kinder eingeflossen und zeigen, dass Kinder und Jugendliche ein ausgewogenes und kritisches Bild von den Risiken (wie schädliche Inhalte, Cybermobbing oder Desinformation) und den Chancen im digitalen Bereich haben und in Fragen, die sie betreffen, angehört werden wollen. Allerdings sind viele Kinder und Jugendliche in Europa, insbesondere solche, die sich in prekären Situationen befinden, noch nicht voll und ganz in die digitale Welt eingebunden, weil sich ihre Familien keinen Computer oder keinen Internetanschluss zu Hause leisten können.

EU Kommission
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