eBay in China auf verlorenem Posten?

Die Zeiten für amerikanische Web-Unternehmen in China sind derzeit sicherlich nicht einfach. Nachdem vor kurzem Google bereits damit drohte, sich aus China zurückzuziehen, muss auch eBay seine Präsens auf dem chinesischen Markt sicherlich noch einmal überdenken. Der Verdruss von eBay über den Verlauf seiner Handelstätigkeiten in China füllt zwar nicht die Seiten 1 der Tagezeitungen, so wie es bei Google der Fall gewesen ist, trotzdem könnte das Jahr 2010 für eBay zum Schicksalsjahr in China werden.

Was ist passiert in China, diese Frage stellt sich der Autor Patrice Nordey, Managing Director (Asia), asie.atelier.fr. Im Rahmen des Programmes DIGITAL CHINA, berät das L’Atelier BNP Paribas von Shanghai aus, E-Commerce-Unternehmen bei seinen Strategien im Handelsverkehr.

In der militärischen Strategie würde man, so Patrice Nordey, diese Veranstaltung als „Umkehrung der Allianzen“ bezeichnen. Mit anderen Worten, das Blatt hat sich gewendet und eBay wird seine Zukunft in China in einem sehr schlechten Spiel riskieren müssen. Mit China verbunden ist eBay unter anderem seit dem Jahr 2006 über die Hongkong-Gruppe TOM online. Zusammen haben sie versucht, die Webseite EachNet ans Laufen zu bringen und eBay hatte damals seine ganzen Hoffnungen in diese Kooperation gesetzt.

Die Mission EachNet sollte darin enden, den lokalen Giganten Taobao einzuholen, der mit mehr als 80% Marktanteil weit vor EachNet lag. Das Verhältnis zwischen der TOM-Gruppe und eBay verschlechterte sich jedoch in den letzten Jahren, aufgrund der enttäuschenden Vorstellung von EachNet, zusehends.

Die Millionen Dollar, die von der Allianz TOM/eBay in EachNet hineingesteckt wurden, reichten nicht aus, den Rückstand auf Tabao aufzuholen. Schlimmer sogar noch: EachNet als E-Commerce-Plattform fiel im Ranking vom 2. auf den 3. Platz, und das auch noch, weil das Unternehmen von einem Newcomer, der Plattform PaiPai aus der Internet-Gruppe Tencent, überholt worden ist.

In China, wo man niemals auch nur halbe Sachen macht, hat dann auch noch ein Staatsunternehmen, nämlich China Post, die Allianz eBay/TOM-Gruppe durcheinandergewirbelt. Denn im Jahr 2009 gaben der  Hongkonger Werbeflächenvermarkter und Internet-Portalbetreiber TOM Group und die China Post Group bekannt, eine Vereinbarung getroffen zu haben. Es handelt sich hierbei um eine Zusammenarbeit im E-Commerce Bereich auf dem chinesischen Festland mit dem Namen „Ule China“.

Die China Post bringt in diese Kooperation die Stärke seiner Logistik mit ein, die TOM-Group unter anderem seine Erfahrungen auf dem E-Commerce-Sektor durch EachNet. Nicht zu vergessen auch die monumentale Ausgangsposition der vielen registrierten Usern mit: 300 Millionen Nutzer der mobilen Services, 100 Millionen von seinem Info-Portal tom.com, 90 Millionen von Tom-Skype und schließlich 48 Millionen Kontakte, die von EachNet stammen.
Für eBay auch nicht gerade zuträglich: Ule China wird seine Strategien auf das dynamischste und profitabelste aller Segmente in China konzentrieren – den Business to Consumer Bereich (B2C).

EachNet hingegen wurde daraufhin eine neue Mission zugeteilt, nämlich seinen Fokus einzig und alleine auf das C2C-Segment, dem Geschäft zwischen Privatpersonen, zu richten, ein Modell, das langsam am Ende der Fahnenstange angekommen ist, und niemals eine solide Rentabilität vorweisen konnte.

Das Fazit sieht so aus, dass eBay sich in China alleine auf weiter Flur befindet, da sein ehemaliger strategischer Partner die Flucht ergriffen hat. Sofern es nicht eine radikale Änderung der Strategien zum Zeitpunkt des Abrechnens geben wird, könnte es durchaus sein, dass eBay im Jahr 2010 seine Koffer in China packen wird.

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