Tilenius Wechsel zu Google und die eventuellen Auswirkungen

Stephanie Tilenius, General Manager für alles rund um eBay in Nordamerika hat, wie bereits berichtet, eBay verlassen und sich neuen Aufgaben bei Google verschrieben. Seit ihrer Ankündigung im September 2009, eBay den Rücken zu kehren, war es still um sie geworden, doch jetzt tauchte sie plötzlich wieder aus der Versenkung auf und zwar als „Vice President of Commerce“ bei Google, einer extra für sie neu geschaffenen Position.

Einer, der Tilenius schon seit langem kennt, ist Scot Wingo von ChannelAdvisor und er beleuchtet den Weggang Tilenius‘ und deren eventuelle Auswirkung. Bei ChannelAdvisor hat man mit Tilenius seit ihrem Start bei PayPal zusammengearbeitet.

Als Stephanie Tilenius gefragt wurde, wie ihre Aufgabenbeschreibung bei Google denn nun aussehe, antwortete sie: „ … digitale Inhalte und Commerce überwachen, und zusätzlich bin ich für alle Commerce-bezogenen Dinge verantwortlich, einschließlich Produktsuche und Bezahlservice.“  Das heißt, dass sie den Online-Bezahldienst Google Checkout betreuen wird, der ein großer Rivale PayPals ist. Mit all den neuen Einrichtungen die auf den Markt kommen werden, so Tilenius, ist das eine riesengroße Gelegenheit für Innovationen im mobilen und lokalen Commerce.

Scot Wingo erklärt, das er auf der einen Seite erfreut ist über den neuen Posten Tilenius, auf der anderen Seite jedoch auch etwas beunruhigt. Er stellt sich die Frage, was der Weggang für eBay bedeutet, aber auch, was es der Neuzugang für Google bedeutet.

Für eBay, so Wingo, ist es nicht gut. Sie hatte hier zum einen das Drehbuch für den PayPal-Service außerhalb eBays in der Hand, zum anderen ebenso alles rund um die eBay-Marktplätze. Das Schlimmste, was jetzt noch passieren könnte, wäre, dass der PayPal-CEO zu Amazon-Payments wechselt und Lorrie Norrington sowie John Donahoe das Gleiche täten.

Warum hat man den Wechsel zu Google in dieser Position in einer Zeit der üblichen vertraglich festgelegten Wettbewerbsausschlussklausel überhaupt gestattet? Die Bemühungen Googles im E-Commerce Fuß zu fassen waren lange Zeit in den Hintergrund gerückt. Google Checkout startete zwar sehr stark, verlor aber dann immer mehr an Interesse von Seiten Googles, weil andere Bereiche des Unternehmens mehr Aufmerksamkeit verlangten.

Der neu geschaffene Posten für Tilenius ist ein Signal dafür, dass man bei Google schließlich begriffen hat, dass ein strategisches Loch in im elektronischen Handel oder in ihrer Retail-Vision klafft. Und jetzt hat man unter anderem in Tilenius jemanden gefunden, der diese Lücke schließen kann. Es wäre noch ein relativ gemäßigtes positives Signal gewesen, hätten sie jemanden von z.B. AdWords in die neue Position gesetzt. So aber haben sie ihre internen Unzulänglichkeiten hinsichtlich der Etablierung des E-Commerce erkannt und jemanden von außen genommen, der diese klaffenden Löcher schließen soll.

Stephanie Tilenius wird einen schweren Kampf ausfechten müssen, doch auf der anderen Seite kann sie enorme Vermögenswerte schaffen, denn Google steht gut da:

  • 65% Marktanteil in der Suche alleine in den USA;
  • dominante Position im mobilen Business: Android, Applikationen und Suche;
  • Google Produkt Search, mittlerweile schon eine der Top- benutzerdefinierten Suchmaschinen, was den Traffic anbelangt;
  • Google Checkout mit einer guten technischen Untermauerung, allerdings strategisch auf verlorenem Posten;

Google hat Milliarden von Dollar in seinem Asset, Millionen von Werbern und natürlich eine brillante Armee von Ingenieuren und Technikern. Warten wir‘s ab was passieren wird!


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