Deails zum Gerichtsprozess eBay gegen Craiglist

In der Gerichtsverhandlung eBay gegen Craiglist, die am Montag, dem 07.12.2009 vor einem Gericht in Delaware stattfand, ist neben Pierre Omidyar auch Meg Whtiman in den Zeugenstand berufen worden. Whitman äußerte sich in erster Linie über die Verweigerung Craiglists, eBay einen Sitz im Aufsichtsrat des Kleinanzeigen-Anbieters zu bewilligen. Whitman erklärte, dass eBay einen Teil der Craiglist Aktien im Jahr 2004 von dem verärgerten Aktieneigner Phillip Knowlton erworben hat, in der Hoffnung das Unternehmen gänzlich übernehmen zu können und die Konkurrenten in Schach zu halten, so die New York Times. „Wir waren sehr interessiert an der kompletten Akquisition von Craiglist und wir hätten sehr gerne das ganze Ding gekauft“, sagte Whitman vor Gericht aus. Sie fuhr fort: „eBay hat damals 32 Millionen US-Dollar für die Aktie bezahlt – 16 Millionen an Mr.Knowlton und jeweils 8 Millionen an den Craiglist–Gründer Craig Newmark und den CEO Jim Buckmaster. Dafür sollte eBay spezielle Rechte erhalten, die die Möglichkeit beinhalteten, die Ausgabe neuer Aktien zu blockieren.“ eBay dachte eine „gemeinschaftliche“ Beziehung mit Mr.Newmark und Mr. Buckmaster führen zu können – und ein guter Partner zu sein, so Whitman im Prozess. Doch es sah wohl anders aus, denn eBay beschuldigt Craiglist seine Aktien–Anteile verwässert zu haben, um diese auf unter 25% zu drücken und damit einen Platz im Aufsichtsrat verweigern zu können.

Whitman schien selbst im Kreuzverhör ruhig und überzeugt. Sie erklärte auch, dass eBay eine ehrgeizige Vision hatte für ein internationales Kleinanzeigen-Business hatte. Auch sagte sie, dass sie anfänglich über ihre Pläne, die niederländische Kleinanzeigenseite Marktplaats zu akquirieren, mit Craiglist nicht gesprochen hat, da der Deal zu diesem Zeitpunkt noch nicht unter Dach und Fach war. Pierre Omidyar, der ebenfalls auf dem heißen Stuhl im Gerichtssaal Platz nehmen musste, so Ina Steiner von AuctionBytes, saß 2004 nach dem Erwerb von 28% der Craiglist-Anteile im Ausschuss von Craiglist, gleichzeitig  aber auch im Aufsichtsrat von eBay und wurde vom Anwalt des Kleinanzeigenanbieters nach treuhänderischen Aufgaben befragt: „Wenn Sie von einer bedeutenden Wettbewerbsbedrohung gegen Craiglist erfahren hätten, hätten Sie dies gegenüber dem Ausschuss geäußert?“ Omidyar beantwortete diese Frage mit Ja.

Durch die Befragung der Zeugen Whitman und Omidyar kamen 2 bedeutsame Punkte auf den Plan:

  1. Hat eBay gegenüber Craiglist geäußert, dass man plane in den Kleinanzeigenmarkt einzusteigen und dadurch mit Craiglist konkurrieren würde?
  2. Hat eBay vertrauliche Informationen von Craiglist-Verantwortlichen dazu genutzt um sein eigenes Kleinanzeigengeschäft voranzutreiben?

Zum ersten Punkt sagte Omidyar, dass man gegenüber Craiglist sehr wohl deutlich gemacht hätte, dass eBay Interesse am Aufbau eines Kleinanzeigen-Business hätte, jedoch hätte man keine Details preisgegeben. Während der Verhandlung kam auch zu Tage, dass eBay und Craiglist über ein Joint-Venture in Europa sprachen. eBay wollte den Craiglist-Namen lizensieren, um ihn in Europa nutzen zu dürfen. Buckmaster machte einen Gegenvorschlag. Als die Richter nach dem Ausgang der Diskussionen fragte – wusste niemand Bescheid. Josh Silverman, der bei eBay seinen Posten im Jahr 2003 antrat, erzählte seine Sicht der Dinge aus dem Jahr 2004 vor Gericht: „Craig Newmark war der Meinung, dass er – und auch Craiglist – international bekannt und beliebt waren. Doch die Markenwahrnehmung war nicht besonders groß. Auch hatte ich das Gefühl, dass Newmark nicht besonders viel vom Kleinanzeigenmarkt verstand und er nicht die Erfahrung mitbrachte, die wir eigentlich gebraucht hätten. Zudem empfand ich den Namen Craiglist als unaussprechbar für Europäer, weshalb ich auch gegen den Namen Kijiji war. Die Verhandlung wird fortgesetzt und zirka in einer Woche zum Abschluss kommen.

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Kategorien: Onlinehandel allgemein

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