Machen wir’s doch ganz einfach Amazon nach!

Gut kopiert ist besser als schlecht erfunden: In der Schweiz sind gerade mit Swisscom, Coop, Tamedia und der Schweizer Post eine ganze Reihe von Unternehmen dabei, Online-Marktplätze zu etablieren, die verdächtig dem Marketplace von Amazon ähneln. Ob das tatsächlich gelingt, steht noch in den Sternen. Die neuen Handelsplattformen mit so klingenden Namen wie Siroop, Ricardoshops oder Kaloka sorgen aber schon mal für Aufmerksamkeit – womöglich sogar beim großen Vorbild aus den USA.Machen wir's doch ganz einfach Amazon nach!

Vom virtuellen Schweizer Marktplatz in die ganze Welt

Wahrscheinlich hat sich Amazon-Gründer Jeff Bezos bislang nicht sonderlich für die Schweizer Post interessiert. Seine Manager dürften mit ihr allenfalls zu tun gehabt haben, wenn es darum ging, die Pakete des Online-Giganten pünktlich auszuliefern. Jetzt aber könnte ausgerechnet die gute alte Post stärker in Bezos‘ Fokus geraten. In den nächsten Monaten will das Unternehmen nämlich in ausgewählten Gemeinden seine eigene Handelsplattform Kaloka testen. Damit macht man nicht nur dem größten Versandhändler der Welt Konkurrenz, man kopiert auch noch dessen Marketplace. Dieser Marketplace ist so etwas wie ein zusätzlicher virtueller Marktplatz auf der Homepage von Amazon. Praktisch jeder kann dort seine Waren verkaufen und die enorme Bekanntheit sowie die hohe Kundenfrequenz des Onlineriesen nutzen – gegen Gebühr, versteht sich. Bezos‘ Motto scheint zu lauten: Es ist egal, ob wir es verkaufen oder ein anderer, Hauptsache wir verdienen mit. Ob die Post mit Kaloka – der Begriff entstammt der Hauptsprache der Phillippinen und hat in etwa die Bedeutung von verrückt – tatsächlich einmal Geld verdient, muss sich erst noch zeigen. Eine definitive Entscheidung über die Zukunft der Plattform soll erst nach Abschluss der sechsmonatigen Testphase fallen. Vorerst sind es auch nur rund 40 Läden aus Bern, Köniz und Ostermundigen, die ihre Waren auf Kaloka anbieten und auf Kunden aus der ganzen Welt hoffen können. Der Ladengedanke spielt bei dieser Schweizer Variante des Marketplace eine ganz besondere Rolle. Offenbar will man ganz bewusst auf Individualität und Identität setzen – und zumindest das ist schon mal ein Unterschied zu Amazon. Der Versandhändler begreift sich ja nicht zuletzt auch als Logistikunternehmen. Im Großraum München beispielsweise führt das Unternehmen den Expressversand seiner Produkte bereits selbst durch. Vielleicht kommt man ja irgendwann auch auf die Idee, das auf die Schweiz zu übertragen.

Reichlich holprige Starts und Kopierfehler

Die Schweizer Post ist freilich nicht das einzige eidgenössische Unternehmen, dass den Online-Marktplatz für sich entdeckt hat. Schon im Jahr 2014 gingen die zu Tamedia gehörenden Ricardoshops an den Start. Und der Staatskonzern Swisscom betreibt zusammen mit Coop die Plattform Siroop. Richtig rund scheint es dabei offenbar noch nicht zu laufen. Nach allem, was man so hört, gibt es durchaus operative Probleme. So scheint etwa bei Siroop anfangs die Eingruppierung der Waren nicht wirklich gut funktioniert zu haben. Kritik gibt es darüber hinaus auch an der Übersichtlichkeit des Handelsplatzes und an den relativ hohen Versandkosten. Allem Anschein nach ist wohl auch das Kopieren einer Idee nicht ganz so einfach wie man denkt. Gut möglich übrigens, dass demnächst auch Amazon kopiert – die Post nämlich.

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Kategorien: Onlinehandel allgemein

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