Brexit entfaltet auch im E-Commerce disruptive Kraft: 94 % der britischen Online-Marken haben seit Dezember Kunden in der EU verloren

Der Brexit hat auch den britischen E-Commerce stark getroffen. 94 % der britischen Online-Brands geben an, Kunden in der EU verloren zu haben, seit am 31. Dezember 2020 die Brexit-Übergangsfrist endete. Gemeinsam mit dem Forschungsunternehmen CensusWide hat der Multichannel-Plattformanbieter  ChannelAdvisor 304 Marketingleiter britischer Marken zu ihren Verkaufszahlen im Onlinegeschäft befragt. ChannelAdvisor wollte wissen, ob die Marken im Zuge des Brexit Geschäftseinbußen hinnehmen mussten und inwieweit Verzögerungen an der Grenze, unerwartete Steuern und andere Faktoren dazu beigetragen haben. Die überwältigende Mehrheit bejahte diese beiden Fragen. Zwei Drittel (66 %) gaben an, dass diese Komplikationen einen erheblichen Rückgang der EU-Kundenzahlen zur Folge hatten.

Brexit entfaltet auch im E-Commerce disruptive Kraft. pixabay.com ©DasWortgewand (Creative Commons CC0)

Der britische E-Commerce-Boom nach COVID

Während die coronabedingten Lockdowns den stationären Handel stark in Mitleidenschaft gezogen haben, konnten Marken, die ihre Produkte online verkaufen, große Erfolge feiern. 92 % der befragten CMOs gaben an, seit dem Beginn der Krise eine signifikante Anzahl neuer Kunden hinzugewonnen zu haben. 82 % beobachten höhere Absatzzahlen als vor der Pandemie, und immerhin 27 % verkaufen sogar „deutlich mehr“. Lediglich für 16 % der befragten Marken sind die Zahlen etwa gleichgeblieben.

So geben auch 93 % der CMOs an, zuversichtlicher in die Zukunft ihrer Marke zu blicken als vor Beginn der Coronakrise im März 2020. Rund ein Drittel (34 %) der Befragten zeigte sich „sehr optimistisch“.

Die Folgen des Brexit könnten diese positiven Zukunftsaussichten für den britischen E-Commerce jedoch gefährden: Beim Thema internationaler Verkauf gaben mehr als zwei Drittel (68 %) der Marken-CMOs an, einen Brexit-bedingten Rückgang erlebt zu haben. Für 22 % war der Absatzeinbruch im internationalen Geschäft sogar „signifikant“. Nur bei 15 % der befragten Brands hatte der Brexit steigende internationale Verkaufszahlen zur Folge; 17 % geben an, keine Auswirkungen wahrgenommen zu haben. Eines der Hauptprobleme für die Mehrzahl der Marken sind Brexit-bedingte Verzögerungen beim grenzüberschreitenden Produktversand. So geben 73 % der CMOs an, dass ihre Marken seit dem Brexit weniger schnell an EU-Kunden liefern können. Bei einem Drittel (33 %) der Befragten haben sich die Lieferzeiten sogar „signifikant erhöht“. Trotz dieser Widrigkeiten zeigen sich die Unternehmen optimistisch, was das globale Umsatzwachstum im kommenden Jahr betrifft. 91 % der CMOs rechnen für die kommenden 12 Monate damit, dass das internationale Geschäft anziehen wird; 33 % erwarten einen „signifikanten Anstieg“.

„Britische Marken können sich derzeit über phänomenale Wachstumsraten freuen. Für die wirtschaftliche Erholung im Land nach der Coronakrise wird das eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig haben die letzten Monate gezeigt, wie stark die Disruption durch den Brexit teilweise war und ist. Die große Mehrheit der Unternehmen beklagt Verzögerungen und Zollprobleme im Geschäft mit EU-Kunden. Klar ist, dass Marken, die nicht auch international stark sind, selten zu echten E-Commerce-Giganten aufsteigen. Von einer zügigen Lösung der Grenzprobleme können alle nur profitieren. Externe Logistikdienstleister können hier ihre Expertise einbringen und helfen, Herausforderungen im Fulfillment zu meistern. Aber auch die Suche nach neuen Absatzmärkten hilft oft, Einbußen abzufedern. Zunächst einmal muss aber gesagt werden, dass die derzeitige Zuversicht und Begeisterung bei vielen Marken absolut inspirierend sind. Nach den enormen Umwälzungen, die unsere Branche zuletzt erlebt hat, hoffe ich, dass die Unternehmen schon bald die Früchte ihrer E-Commerce-Initiativen ernten werden“, sagt Vladi Shlesman, Managing Director bei ChannelAdvisor für die EMEA-Region.

ChannelAdvisor Corporation
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