Virtuelle Bekanntschaften prägen Jugendliche sehr stark

Bekanntschaften aus dem Netz prägen ganz entscheidend die Identität und Werte von Teenagern, das ist das Ergebnis einer Studie, das finnische Forscher im Journal of  Youth of Studies veröffentlichten.

„Social Networking, Online-Spiele und andere Aktivitäten im Web werden für junge Menschen immer wichtiger und es ist für sie selbstverständlich, in Foren ihre Meinung zu posten oder virtuelle Kontakte zu pflegen. Bisher sieht man diese Erfahrungen jedoch noch kaum als Kontexte für Identifikation und Sozialisierung“, sagt Studienautor Pekka Räsänen von der Universität Turku gegenüber pressetext.

Die Wissenschaftler interviewten 4.300 Jugendliche im Alter von durchschnittlich 17 Jahren und fragten, wie sehr sie sich als Teil vorgegebener Gruppen sahen. Familie wurde am häufigsten genannt, danach folgten jedoch die virtuellen Kontakte.

Studienautor Pekka Räsänen erklärte: „Alle anderen Gruppen wie Jugendliche der Wohnumgebung oder auch Bekanntschaften von der Ausübung eines Hobbys oder einer Sportart waren weit davon abgeschlagen.“

Die Community sieht der Wissenschaftler in einer sehr ähnlichen Rolle wie bisher die klassischen Peer Groups [Gruppe von Gleichaltrigen oder Gruppe von Gleichgestellten]. Dass Letztere immer mehr an Bedeutung verlieren, sei unter anderem eine Zeitfrage, da Jugendliche immer mehr Zeit im Internet verbrächten, was zu Lasten etwa von Hobbys und Sport ginge. Dazu sind Übersiedlungen von Familien in andere Städte im Zuge gestiegener Mobilität am Arbeitsplatz heute häufiger als früher. Das Ausweichen auf Internetkontakte scheint somit logisch.

Die Studie wurde unter Teenagern in Japan, England und Spanien durchgeführt. Dabei wurden auch kulturelle Unterschiede erkennbar. In Spanien, wo das Internet im Alltag noch ein relativ junges Phänomen ist, bestehen Internet-Gemeinschaften häufig aus Personen, die sich im realen Leben nicht kennen.

„In gereiften Informationsgesellschaften wie England, besonders aber in Japan, nutzen Jugendliche die Plattformen im Web vor allem für den Kontakt mit Familie und Freunden. Hier bestimmt das Internet die Ausprägung von Identität noch in größerem Maße mit“, so Räsänen.

Der Forscher merkt zum Schluss noch an, dass die Untersuchung nicht repräsentativ war, da sie nur Jugendliche untersuchte, die in der Online-Community „Habbo“ aktiv waren. Unterschätzen dürfe man die Resultate allerdings auch nicht. Denn virtuelle Gemeinschaften seien überall auf dem Vormarsch.


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