Unsicherheit im vernetzten Verbraucheralltag

Kontrollverlust über die eigenen Daten, Privatsphäre-Einbußen und Besorgnis bei den Verbrauchern: Die Verbraucherzentralen und der vzbv haben im Rahmen des Projekts Marktwächter Digitale Welt verschiedene vernetzte Geräte und Anwendungen im Hinblick auf ihren Umgang mit Nutzerdaten geprüft, Verbraucher zu ihrer Nutzung befragt und stellen fest: Verbraucher stören sich am Kontrollverlust und sorgen sich über den Umgang mit ihren persönlichen Daten im Netz. Nicht unberechtigt, denn einige der untersuchten, vernetzten Geräte sendeten teils zahlreiche Nutzerdaten an Anbieterserver und Anbieter informierten häufig vage über die Verwendung der Daten.

Unsicherheit im vernetzten Verbraucheralltag

Unsicherheit im vernetzten Verbraucheralltag – pixabay.com ©geralt (Creative Commons CC0)

Eine aktuelle, internet-repräsentative Befragung von forsa im Auftrag des Marktwächters Digitale Welt zeigt: Zwei von drei Befragten, die mindestens eins der abgefragten, vernetzten Geräte kennen, nutzen diese auch zumindest gelegentlich (67 Prozent). Hauptgrund für die Nutzer ist die Erleichterung des eigenen Alltags (63 Prozent). Allerdings halten Datenschutz-Bedenken auch von der Nutzung ab. Die Sorge darüber, dass ihre Daten nicht ausreichend vor unbefugtem Zugriff geschützt sind (57 Prozent) und kein Vertrauen in die Hersteller, wenn es um den sicheren Umgang mit ihren Daten geht (52 Prozent), sind die meistgenannten Gründe, warum die Befragten vernetzte Geräte wie zum Beispiel Wearables oder digitale Sprachassistenten nicht nutzen.

„Diese Zahlen bestätigen, was wir aus unserer Marktbeobachtung kennen. Der vernetzte Alltag kann Besorgnis und Skepsis bei den Verbrauchern hervorrufen. Das ist ein Problem. Die Auslegung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und die Ausgestaltung der ePrivacy-Verordnung auf europäischer und nationaler Ebene sind in den kommenden Jahren dafür entscheidend, ob Vertrauen der Verbraucher in die digitale Gegenwart und Zukunft wiederhergestellt werden kann“, sagt Klaus Müller, Vorstand Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Untersuchungen zu vier Themen im vernetzten Verbraucheralltag

Das Marktwächter Team der Verbrauchzentrale NRW hat in den vergangenen 17 Monaten insgesamt vier Themen aus Bereichen des vernetzten Verbraucheralltags näher untersucht. Dazu gehörten Wearables und Fitness-Apps, vernetztes Fahren, vernetztes Kinderspielzeug und digitale Sprachassistenten.

Mit dem aktuellsten Marktüberblick zum Thema vernetztes Kinderspielzeug legen die Experten dar, dass im schlimmsten Fall Sicherheitslücken in der Bluetooth-Verbindung dazu führen, dass Fremde Kontakt zum Kind aufnehmen können. Durch das vernetzte Spiel können Anbieter zudem immer früher Profile der noch jungen Konsumenten bilden und zielgerichtet Werbung schalten.

Eine technische Prüfung von Googles digitalem Sprachassistenten im vergangenen März zeigte beispielsweise, dass der smarte Helfer auch auf Begriffe, die dem Aktivierungswort ähnlich sind und auf starke Abwandlungen reagierte. Der Sprachassistent hörte nicht nur auf „Ok Google“, sondern zum Beispiel auch auf „Ok Kuchen“ und „Ok Du“. „Auch die technischen Prüfungen des Marktwächters zeigen: Verbraucher sollten sich bei der Nutzung von digitalen Sprachassistenten bewusst machen, dass auch unbeabsichtigt Daten an die Anbieter-Server übertragen werden könnten“, so Müller.

Vertrauen der Verbraucher in die Digitalisierung stärken

„Um die Chancen der Digitalisierung für Verbraucher in vollem Umfang zu realisieren und Vertrauen wieder zu stärken sind Anbieter und Politik gleichermaßen gefragt. Die DSGVO stellt einen Meilenstein dar, sie enthält aber auch höchst vage Bestimmungen. Diese müssen jetzt im Sinne eines hohen Verbraucher- und Datenschutzes ausgelegt werden“, so Müller.

Methodensteckbrief aktuelle Befragung:
Methode: Online-Panel. Grundgesamtheit: Internetnutzer ab 16 Jahren in Deutschland. Stichprobengröße: 1.050 Befragte (darunter 594 Nutzer und 281 Nicht-Nutzer von bestimmten vernetzten Geräten). Untersuchungszeitraum: 11. bis 17. September 2018. Statistische Fehlertoleranz: max. +/-3 Prozentpunkte in der Gesamtstichprobe. Institut: forsa.



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