Wettbewerbsverhältnis zwischen Amazon und eBay oder warum Amazon eBay den Rang abläuft

Der Analyst und Handelsexperte Paulo Santos beschäftigt sich aktuell intensiv mit dem Wettbewerbsverhältnis zwischen Amazon und eBay und zählt einige der Gründe auf, warum Amazon vor eBay  liegt, versucht jedoch auch darzulegen, was eBay tun könnte, um den Vorteil Amazons wettzumachen.

Wettbewerbsverhältnis zwischen Amazon und eBay oder warum Amazon eBay den Rang abläuft

Wettbewerbsverhältnis zwischen Amazon und eBay

Warum liegt Amazon vor eBay?

Santos hat eine ganze Reihe negativer Artikel über Amazon.com geschrieben, das heißt aber nicht, dass er nicht erkennt, wo das Unternehmen anderen Voraus oder profitabel sei (Drittanbieter-Marktplätze, zumindest die meisten). In Bezug auf den Drittanbieter-Markt ist Amazon der absolute Gewinner – und das konsequent. Seit langem schon ist es Amazon gelungen, in diesem Segment schneller zu wachsen als eBay. Dies ist wichtig, da der Drittanbieter-Markt das profitabelste der Amazon Segmente ist. Es ist auch kein Zufall, dass Alibaba so profitabel ist. Auch Alibaba ist im Grunde ein Drittanbieter Markt

Warum gewinnt Amazon immer gegen eBay in diesem besonders wichtigen Bereich? Es gibt verschiedene strukturelle Gründe, von denen eBay im Laufe der Zeit einige korrigieren könnte, sofern eBay sie überhaupt angeht.

Zu den Gründen:

  • Amazon listet seine Produkte vor allem über Produktseiten. Mit jeder Produktseite, die jeder Anbieter erstellen kann, hat man eine einzige Stelle für Produktinfos sowie die Angebote von vielen Anbietern. Man erhält ebenso Produkt-Rezensionen.
  • eBay, auf der anderen Seite, dessen Wurzeln bei den Auktionen liegt, listet Artikel je Angebot. Wenn es 1.000 Verkäufer für ein bestimmtes Produkt gibt, statt einer Produktseite mit 1.000 Anbietern, erhält man 1.000 verschiedene Offerten und auch Produkt-Rezensionen. Das bedeutet, dass Produktinformationen von Angebot zu Angebot widersprüchlich sein können. Das wiederum führt dazu, dass Zweifel beim Kunden aufkommen können. Hier verliert eBay ganz deutlich!
  • Da bei eBay die Anzahl der Angebote selbst für das gleiche Produkt enorm ist, hat man viel mehr Mühe nach Produkten zu suchen. Das ist sehr zeitaufwendig und es ist sehr viel schwieriger das Wunschobjekt zu finden. Das Kauferlebnis sei bei eBay daher minderwertiger als bei Amazon.
  • Und schließlich: Amazon subventionierte allein in den letzten zwölf Monaten (bis Q3 2014) den Versand in Höhe von 8 Milliarden US-Dollar. Das gilt für Erst- und Drittanbieter-Verkaufshits, die Fulfillment by Amazon (FBA) Das zieht immer noch Traffic auf die Webseite und es ist leichter auf Amazon für sperrige Artikel einen Gratisversand zu finden als bei eBay. Hierdurch sei eBay weniger wettbewerbsfähig was große Gegenstände anbelangt. Ein Artikel, der bei eBay vor dem Versand ein Schnäppchen sein mag, ist es nach dem Versand nicht mehr. Auf Amazon hingegen bleibt es durch die Subvention auch nach der Lieferung ein Schnäppchen. Natürlich beeinträchtigt das auch stark Amazons Ergebnis, aber es erklärt auch, warum Amazon für Käufer ein solch attraktiver Ort zum Shoppen ist und begründet den Wettbewerbsvorteil Amazons.

eBay verliert nicht überall. eBay hat einen wesentlichen Vorteil bei der Lieferung kleiner Artikel aus China, doch das ist natürlich nicht genug, um die oben aufgeführten Vorteile Amazons zu kompensieren (Deal aus 2011 zwischen USPS, eBay und der China-Post, der das ePacket beinhaltet).

Was also sollte eBay tun?

eBay könnte die meisten der genannten Nachteile wettmachen (außer vielleicht der massiven Subventionierung beim Versand). Es müsste eine signifikante Änderung auf seinem Marktplatz herbeiführen und Produktseiten basierte Offerten anbieten. Das würde die meisten der Suchprobleme beseitigen und den Kauf von Produkten und das Vergleichen der Anbieter Lieferanten sehr viel angenehmer gestalten. Doch wie Donahoe bereits erklärte, wird die Erstellung von Produktkatalogen nicht über Nacht geschehen.

Viele der Verkäufer sind bereits auf Amazon und eBay gleichzeitig tätig, es wäre also nicht so schwierig für sie sich anzupassen. Und die meisten Kunden würden die eBay-Änderung sofort willkommen heißen.

Es wäre eine radikale Veränderung für eBay, aber eine die möglich ist, ohne das bisherige  Geschäftsmodell außer Kraft zu setzen. Vielleicht aber hat eBay Angst vor einem solchen Umbruch. Allerdings, wenn eBay seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Amazon in seinem wichtigsten und profitablen Segment wieder erlangen möchte, gibt es keinen anderen Weg.

Fazit von Paulo Santos

Amazon macht bestimmt eine Menge falsch, aber es hat dieses Segment, in dem es eBay konsequent schlagen kann. Die Vorteile Amazons jedoch sind nicht unüberwindbar, aber sie erfordern Aktion von eBay, um sie zu beseitigen.

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Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen

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