Gesundheitsgefährdende Medikamente im Internet – letztendlich trägt der Käufer die Verantwortung

Neu ist das Thema des Verkaufs gesundheitsschädlicher Medikamente im Internet nicht. Neu aufgerollt wurde es jedoch jetzt von einem Reporter des Bayerischen Rundfunks, der im Netz wieder einmal Medikamente entdeckte, die der Gesundheit schaden und keinerlei nachweisbaren Nutzen haben.

MMS oder „Miracle Mineral Supplement“ ist eines der Mittel. Von Jim Humble wird es propagiert und angeblich sind mit MMS bereits „alle möglichen Krankheiten geheilt worden“. Schade eigentlich, dass so viele Menschen noch von selbst ernannten Heilern  in die Irre geführt werden. Denn wirklich kranke Menschen nutzen wahrscheinlich jede Möglichkeit, um wieder „gesund“ zu werden.

Das Mittel MMS besteht aus Zitronensäure und Natriumhypochlorit. Natriumhypochlorit muss man wissen, ist wesentlicher Wirkbestandteil von desinfizierenden und bleichenden Haushaltsreinigern sowie von diversen Schimmelentfernern oder Rohreinigern! Unter fachkundiger Nutzung, wie beispielsweise beim Zahnarzt, wird es zur Wurzelkanalbehandlung von bakteriell infizierten Zähnen verwendet. Für Apotheker beispielsweise gibt es Richtlinien zur Prüfung von Natriumhypochlorit-Lösungen.

In den einschlägigen Nachschlagewerken darauf hingewiesen, im Umgang mit Natriumhypochlorit besondere Vorsicht walten zu lassen, denn es kann bei der Reaktion von Natriumhypochlorit mit vielen anderen Stoffen zur Explosion kommen. Entstehende Dämpfe greifen ferner beim Einatmen die Schleimhäute stark an. Und wer es vielleicht selbst schon mal erlebt hat, weiß wie unangenehm das sein kann. Es werden auch sogenannte Sicherheitsdatenblätter zum Umgang mit Natriumhypochlorit herausgegeben, die jedoch für Laien oft kaum verständlich sind und sie oft auch nicht wissen, dass es so etwas überhaupt gibt. Vergangenes Jahr warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung vor der Einnahme von MMS.

Trotzdem wird im Internet MMS als Naturheilpräparat angeboten und kann im Internet bestellt werden, auch wenn die Anbieter versuchen sich bestmöglich abzusichern.

Der Verkauf von MMS als Arzneimittel ist in Deutschland (und anderen Nationen) verboten und trotzdem findet man es auf Plattformen wie eBay oder Amazon noch im Angebot, wenn auch als Desinfektionsmittel! Menschen, die sich eine Heilung oder Linderung einer Krankheit erhoffen, können es problemlos erwerben (als Desinfektionsmittel) und dann auch innerlich anwenden.

MMS sei kein Einzelfall. Viele andere gefährliche Produkte könne man im Netz erstehen, so der BR-Bericht weiter. Bekannt ist der Verkauf von gefährlichen Diätpillen, Potenzmitteln oder anderen Pseudoarzneimitteln, oft getarnt als Naturheilmittel. Die Anbieter sind zahlreich, die meisten operieren aus dem Ausland, so wie auch bei MMS, einige kämen jedoch auch aus Bayern und alle profitieren von den exzellenten (und oft intransparenten) Verkaufsbedingungen im Internet. Kürzlich erst hat der BITKOM vor dem Medikamentenkauf im Internet gewarnt, auch wenn es in diesem Artikel eher um gefälschte Arzneimittel ging.

Betreiber von Handelsplattformen wie eBay oder Amazon sind rechtlich nicht verpflichtet, jeden Artikel zu überprüfen, der von Verkäufern angeboten wird. Amazon erklärte dem BR-Reporter auf Anfrage, erst dann zu handeln, wenn man von Dritten auf unerlaubte Aktivitäten hingewiesen werde. Grundsätzlich sei Anbietern aber der Verkauf illegaler Waren untersagt. Bei eBay suchen Mitarbeiter nach unzulässigen Angeboten, ferner arbeitet man eigenen Angaben zufolge eng mit Behörden zusammen.

Laut BR haben Amazon und eBay nun jedenfalls reagiert: Viele der suspekten Offerten seien mittlerweile aus dem Netz entfernt worden oder sollen entfernt werden. Bei amazon werden eine Menge über das „Wundermittel“ MMS angeboten. Schaut man sich auf eBay Deutschland um, so findet man derzeit immer noch unzählige Verkaufsangebote von MMS, wenn auch als Wasserentkeimer beworben. Doch wer kontrolliert, ob der Kunde MMS wie von Humble empfohlen, trotz allem einnimmt?

Das bedeutet:

Der Käufer alleine ist selbst in der Pflicht, will er sich keinen gesundheitlichen Schaden zufügen. Bei den Artikelbeschreibungen sollte er darauf achten in welchem Deutsch die Mittel dargeboten werden, denn oft kommen die Produkte aus dem Ausland und werden über einen deutschen Anbieter verkauft. Häufig wird ebenfalls mit „Gütesiegeln“ gearbeitet, die jedoch kann man ganz leicht fälschen. Und zu guter Letzt: Ist die Werbung allzu schreiend, sollte man in gleich die Finger davon lassen.

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