Weniger als 20 % der Einzelhändler sind auf dem besten Weg, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen

Die Einzelhandelsbranche muss härter und schneller arbeiten, um die Verpflichtungen zum Klimawandel zu erfüllen. Dies geht aus einer neuen, umfassenden Studie der globalen Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) hervor, die als „Our Planet“-Partner mit dem World Retail Congress zusammenarbeitet.

Die gerade veröffentlichte Studie „Sustainability in Retail Is Possible-But There’s Work To Be Done“ kommt zu dem Ergebnis, dass Nachhaltigkeit zwar mittlerweile eine strategische Priorität für Einzelhandelsunternehmen darstellt, die große Mehrheit jedoch keine nennenswerten Fortschritte macht.

Weniger als 20 % der Einzelhändler sind auf dem besten Weg, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. pixabay.com ©geralt (Creative Commons CC0)

Im Rahmen der Studie wurden 37 große Einzelhandelsunternehmen aus der ganzen Welt befragt, darunter Lebensmittelhändler, Modefirmen und Unternehmen, die Haushaltswaren und Elektronikartikel verkaufen, mit einem Jahresumsatz zwischen 1 und 500 Mrd. USD.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Wettbewerbsvorteile, die sich aus der Nachhaltigkeit ergeben, weithin bekannt sind: Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten, billigere Kredite, niedrigere Kosten, Gewinnung neuer Kunden und Bindung von Mitarbeitern sowie das Potenzial, neue Einnahmequellen zu erschließen.

Die Umfrage ergab jedoch auch, dass die Unternehmen „fast einstimmig“ der Meinung waren, dass Nachhaltigkeitsinitiativen in den nächsten fünf bis zehn Jahren wertsteigernd sein würden, und die Hälfte der Befragten glaubte, dass ihre Unternehmen „alles Notwendige“ investieren würden, um ihre Ziele zu erreichen.

Die Ergebnisse zeigten, dass es eine klare Diskrepanz zwischen den kühnen Ambitionen der Einzelhändler und ihren Fortschritten auf dem Weg zur Nachhaltigkeit gibt.

Nur wenige der Unternehmen hatten das Stadium erreicht, in dem sie behaupten konnten, dass Nachhaltigkeit ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie, der Entscheidungsfindung und der Wertschöpfung ist, so die Studie.

Während 60 % der Firmen glaubten, dass die Ziele ihres Unternehmens mutig und differenziert seien, hatte mehr als die Hälfte immer noch keine Leistungsindikatoren (KPIs) für die Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen festgelegt, um den Fortschritt zu messen, und weniger als 20 % waren derzeit auf dem richtigen Weg, um die Scope-3-Emissionen, zu denen auch die Emissionen von Zulieferern gehören, so weit zu senken, dass die im Pariser Abkommen von 2015 festgelegten Ziele zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad erreicht werden.

Einige Unternehmen bleiben bei den „Nachhaltigkeitsgrundlagen“ stehen und tun einfach genug, um die Vorschriften einzuhalten und die Mindesterwartungen von Investoren und anderen Stakeholdern zu erfüllen.

Der Bericht unterstreicht die Notwendigkeit eines grundlegenden Wandels in den Einstellungen und Geschäftsprozessen, um Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt der Unternehmensstrategie, der Entscheidungsfindung und der Wertschöpfung zu stellen. Die Unternehmen müssen mehr tun, um ihre Maßnahmen zur Bewältigung von Problemen wie Plastikverpackungen, die 40 % des weltweiten Plastikverbrauchs ausmachen, zu verstärken und zu beschleunigen.

Um dieses Wertebewusstsein in Wertschöpfung umzusetzen, müssen die Einzelhändler an der Umsetzung der übrigen Grundsätze arbeiten. Als Lösung präsentiert BCG eine dreigleisige Strategie:

  • Prioritäten setzen: Nachhaltigkeitsziele sollten genauso viel Gewicht haben wie andere Parameter, wenn neue Geschäftsmöglichkeiten erschlossen werden und wenn es darum geht, die Unternehmensleistung zu bewerten, und Nachhaltigkeitsindikatoren müssen gleich gewichtet werden wie Kosten und Gewinne. Die Führungsebene muss den Weg nicht nur unterstützen, sondern auch involviert und rechenschaftspflichtig sein.
  • Einbinden: Einzelhändler sollten eine durchgängige Integration anstreben, bei der nachhaltigkeitsbezogene KPIs auf allen Unternehmensebenen verankert werden. Die Unternehmen sollten auch digitale Technologien in vollem Umfang nutzen und Technologien einsetzen, um die Entscheidungsfindung durch neu geschaffene Transparenz zu unterstützen.
  • Neu denken: Die Unternehmen müssen ihre Wertschöpfungsketten neu konzipieren. Dies kann durch die Lokalisierung ihrer Produktion oder die vertikale Integration geschehen. Eine engere Interaktion mit den Zulieferern wird ebenso wichtig sein wie die Zusammenarbeit mit Branchenkollegen.

„Da sich die Branche in Richtung einer größeren Nachhaltigkeit bewegt, wird es entscheidend sein, sich auf den Fortschritt und nicht auf die Perfektion zu konzentrieren“, sagte Ian McGarrigle, Vorsitzender des World Retail Congress.

„Es mag die Neigung geben, auf perfekte Daten über Nachhaltigkeitstreiber und -einschränkungen zu warten, bevor man zu handeln beginnt, aber das wäre ein Fehler“, sagte Shalini Unnikrishnan, Geschäftsführerin und Partnerin bei BCG und Mitautorin des Berichts.

Unternehmen, die noch ganz am Anfang ihrer Reise stehen, sollten sich auf kleine Schritte und schnelle Erfolge konzentrieren. Gemeinsam werden sie einen stetigen und sinnvollen Wandel herbeiführen, der sowohl für die einzelnen Akteure als auch für die Branche einen erheblichen Mehrwert schafft.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die branchenweite Zusammenarbeit entscheidend für den Fortschritt sein wird, wobei die Nachzügler der Branche von den Vorreitern lernen können und die Einzelhändler nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit suchen, um gemeinsame Probleme zu lösen.

Boston Consulting Group