Vorsicht beim Shop der KKG Technik GmbH – oder wie E-Commerce nicht funktioniert – Update 20.11.2017

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KKG Technik betreibt einen Onlineshop mit Waren, schwerpunktmäßig aus den Bereichen Technik, Möbel, Computer und Büro. Die Preise lesen sich sehr attraktiv und liegen meist unter denen der meisten anderen Onlineshops. Die erste Vermutung, dass es sich hier um einen Fakeshop handelt, hält zunächst einer schnellen Überprüfung stand.

Vorsicht beim Shop der KKG Technik GmbH - oder wie E-Commerce nicht funktioniert

Vorsicht beim Shop der KKG Technik GmbH – oder wie E-Commerce nicht funktioniert
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Als Zahlungsverfahren werden Überweisung, Kreditkarte, PayPal und Sofortüberweisung angeboten. Das Impressum ist existent, eine ladungsfähige Adresse in Deutschland ist angegeben, eine Telefonnummer passend zur Adresse ist vorhanden und auch eine Domainabfrage bei Denic wirft erst einmal keine Zweifel auf.

Die Zweifel kommen erst dann, wenn man Google nach KKG Technik (Bsp. Trustpilot) befragt – hier zeigt sich das offensichtliche Geschäftsgebaren des Inhabers Keith Gregor Knüppel. Die Waren werden sehr günstig angeboten, aber doch nicht so günstig, dass man gleich einen Fakeshop vermutet. Wenn Kunden bestellen, erfolgt nach einiger Zeit nicht die erwartete Lieferung, aber die Stornierung der Bestellung:

Mit dem Storno kommt dann die folgende E-Mail Nachricht:

„…vielen Dank für die Kontaktaufnahme.
Leider wurde uns vom Hersteller mitgeteilt, daß der Artikel nicht Lieferbar ist. Aus diesem Grund, wurde unsere Lagerverwaltung mit diesem Artikel auf „Nicht Verfügbar“ gesetzt. Das System hat sofort alle Bestellungen storniert und eine automatische eMail generiert. Die Erstattung erfolgte umgehend und wirs diese Woche auf Ihrem Konto eingehen. Wir entschuldigen uns für die entstandenen Unannehmlichkleiten und hoffen auf Ihr Verstændnis. …“

Nachdem man sich über schlampig verfasste E-Mail gewundert hat, kommt das große Warten. Je nach gewählter Zahlungsmodalität kommt dann auf Nachfrage, wo denn die Erstattung bleibt, eine weitere Antwort. Im Fall der Bezahlung über Sofortüberweisung lautet die Mail so:

„…vielen Dank für Ihre Email.
Leider wurde Ihre Bestellung, bzw. die Zahlung von Heidelpay.de abgebrochen und einbehalten. Ein Grund für diese Vorgehensweise wurde uns bis Dato nicht mitgeteilt.
Auch wir sind überrascht und verwirrt. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, daß die Erstattung schnellstmöglich erfolgt.
Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten. Wir bitten Sie um etwas Geduld und bedanken uns für Ihr Verständnis.
Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. …“

Im Vorfeld hatte ich bei den gelisteten Zahlungsdienstleistern angefragt, wie es sein kann, dass sie als Dienstleister bei einem solchen Shop gelistet sind:

PayPal hat geantwortet:

„… Ich werde Ihr Anliegen in Verbindung mit diesem Verkäufer prüfen. Aus Datenschutzgründen bin ich jedoch nicht befugt genaue Auskünfte zu geben. …“

Ok, PayPal ist noch immer als Dienstleister bei KKG gelistet, die Prüfung scheint nicht oder nur sehr schlampig durchgeführt worden zu sein.

Die Sofort GmbH hat wie folgt geantwortet:

„… Dieser Händler war nie direkter Kunde von der Sofort GmbH. Der Händler wollte unseren Dienst nutzen wurde jedoch nach Prüfung nicht freigeschaltet sondern gekündigt. … Auf die Prüfung von Händlern bei externen Anbietern hat Sofort keinen Einfluss. …“

Heidelpay als externer Anbieter von Sofortüberweisung hat leider auf diese erste Anfrage garnicht geantwortet, aber offenbar in der Zwischenzeit erkannt, dass die Kunden mit KKG Technik mehr als Probleme haben. Dazu wurde dann die folgende Stellungnahme von Heidelpay gepostet:

Stellungnahme zu unserem Kunden K. K. Gregor Technik GmbH

Heidelberg, 30. Oktober 2017 +++ Aufgrund der Tatsache, dass das Frankfurter Unternehmen K. K. Gregor Technik GmbH (nachfolgend als KKG Technik abgekürzt) nach Aussage mehrerer Endkunden nur einen Bruchteil der Bestellungen an Ihre Kunden ausgeliefert hat, wurden die Umsätze von uns zum Schutz der Kunden gesichert und nicht an die Firma KKG Technik ausgezahlt.

Wir waren als Dienstleister für den Zahlungsverkehr im Auftrag von KKG Technik tätig und haben im vorliegenden Fall die Zahlungsarten Kreditkarte und SOFORT-Überweisung abgewickelt. Nach einigen Tagen erhielten wir Kenntnis von zahlreichen ausstehenden Lieferungen. Wir haben unmittelbar daraufhin versucht, den Sachverhalt mit KKG Technik zu klären. Leider haben wir keine akzeptable Erklärung für die bestehenden Probleme erhalten.

Aufgrund des Handelns von KKG Technik haben wir deren Zahlungszugänge am 10. Oktober 2017 gesperrt.

In der Zwischenzeit haben sich immer mehr Endkunden bei KKG Technik gemeldet und wegen nicht erhaltener Ware die Bestellung storniert. Auf die Nachfrage von Endkunden hat die KKG Technik aktiv an uns verwiesen und erklärt, dass heidelpay für die Erstattung verantwortlich sei.

Seitdem melden sich immer mehr Endkunden bei uns direkt und fordern uns auf, die Beträge zu erstatten. Dies ist jedoch nicht möglich, weil KKG Technik zwar gegenüber den Kunden die Zusicherung zur Auszahlung gegeben hat – diesen Auftrag jedoch nicht an uns erteilt hat.

Ganz im Gegenteil: heidelpay wurde durch die Anwälte von KKG Technik aufgefordert, die ausstehenden Gelder an KKG Technik auszuzahlen. Wir haben jedoch die Gelder zum Schutz der Endkunden gesichert und nicht wie gefordert an KKG Technik ausgezahlt.

Als ein von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zugelassenes Zahlungsinstitut handeln wir zum Schutz der Endkunden.

Aus rechtlichen Gründen können wir zu der aktuellen Auseinandersetzung mit KKG Technik keine weiteren Informationen mitteilen. Für besorgte und betroffene Endkunden von KKG Technik haben wir eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet:

kkg-kunden@heidelpay.de.

An die angegebene E-Mail Adresse muss man allerdings nicht schreiben, da kommt – teilweise verständlich – nur ein Standard zurück. Ich hätte allerdings im Vorfeld eine valide Prüfung des Kunden erwartet.

Wenn Sie also bei ihrem Einkauf nicht auf die Nase fallen möchten, sollten Sie den Onlineshop von KKG Technik meiden!

Update vom 06.11.2017

Zu diesem Fall gibt es nun ein aktuelles Update (03.11.2017):

Liebe KKG-Kundinnen und -Kunden,

wir freuen uns, Ihnen Folgendes mitteilen zu können: Die Heidelberger Payment GmbH konnte bewirken, dass die gesicherten Gelder direkt an die betroffenen Endkunden zurückgezahlt werden können.

Laut Urteil des zivilrechtlichen Eilverfahrens muss uns die KKG bis Montag, den 06. November 2017, die von uns geforderte Anweisung zur Erstattung zukommen lassen. Nachdem die Anweisung geprüft worden ist, können wir die automatische Rückabwicklung einleiten.

Wir bedauern, dass die Erbringung dieser Anweisung per Gerichtsurteil beschlossen werden musste. Wir hatten nämlich die KKG bereits mehrfach schriftlich darauf hingewiesen, dass wir für die Rückerstattung der Beträge einen Auftrag benötigen.

Wir freuen uns, durch unser Handeln viele Kunden geschützt zu haben und freuen uns umso mehr, den Betroffenen bald die Gelder wieder zurückzahlen zu dürfen. Wir bitten jedoch um Ihr Verständnis, dass dieser Vorgang einige Tage in Anspruch nehmen kann.

Diese aktuelle Stellungnahme von heidelpay zu dem Fall finden Sie unter: https://www.heidelpay.de/unternehmen/presse/pm-stellungnahme-kkgregortechnik/

Update vom 20.11.2017

Inzwischen beschäftigt sich die Polizei offiziell mit KKG Technik, hier der Wortlaut der offiziellen Pressemitteilung des Polizeipräsidium Frankfurt am Main:

„…Seit Mitte September diesen Jahres wird die Kriminaldirektion der Frankfurter Polizei in zunehmendem Maße von Bestellern eines in Frankfurt ansässigen Web-Shops mit dem Verdacht des Warenbetruges konfrontiert.

Demnach wurden auf der Webseite www.kkgtechnik.de von diesen Personen die verschiedensten technischen Geräte bestellt und bezahlt. Eine Lieferung erfolgte nicht mehr, auch nicht nach mehrmaliger Anmahnung. Zurzeit liegen hier mehr als 400 solcher Fälle aus dem gesamten Bundesgebiet vor. Der so entstandene Schaden lässt sich noch nicht endgültig beziffern, dürfte aber mindestens im siebenstelligen Bereich liegen. Mittlerweile wurden in den Geschäfts- und Privaträumen des Shop-Betreibers Durchsuchungen durchgeführt. Die Auswertung der dort aufgefundenen Unterlagen ist arbeitsintensiv und dauert derzeit noch an. Der Shop-Betreiber selbst ist gegenwärtig nicht auffindbar und konnte dementsprechend zum Tatvorwurf noch nicht befragt werden.

Die Frankfurter Polizei bittet Personen, die in diesem Zusammenhang Anzeige erstatten wollen, sich mit ihren örtlichen Polizeidienststellen in Verbindung zu setzen. …“

Die Webseite von KKG Technik ist derzeit nicht mehr erreichbar.

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