Markenherstellern entgehen durch Plattformverbote Online-Umsätze in Millionenhöhe

Für deutsche kleine und mittelständische Unternehmen ist es ein enormer Verlust: Von Markenherstellern auferlegte Restriktionen in Form von sogenannten Plattformverboten verhindern, dass sie 165 Millionen Konsumenten – allein bei eBay – ansprechen können. Denn diese Verbote sorgen dafür, dass Markenprodukte nicht auf Online-Marktplätzen angeboten werden können. Mit einer Milliarde Angebote und 81 Prozent neuer Produkte bieten Online-Marktplätze wie eBay Marken echte Chancen, eine breitere und geografisch vielfältige Zielgruppe zu erreichen. Allerdings lassen viele Marken diese Möglichkeiten ungenutzt verstreichen, indem sie kleinen Unternehmen durch Plattformverbote untersagen, ihre Produkte auf Online-Marktplätzen zu verkaufen.

Laut einer neuen Studie von eBay* ist fast die Hälfte aller deutschen Kleinunternehmen, die online verkaufen (41%), von diesen Verkaufsverboten betroffen; 86 Prozent der deutschen Händler haben in den vergangenen drei Jahren einen Anstieg der Plattformverbote wahrgenommen. Von den Unternehmen, die von Plattformverboten betroffen sind, sagen 33 Prozent, dass die Beschränkungen ihre Umsätze gesenkt haben und 32 Prozent geben an, dass sie durch die Verbote auf Lagerbeständen sitzenbleiben. Genauso wie Plattformverbote Unternehmer und Marken betreffen, gefährden sie Arbeitsplätze. Fast ein Viertel (23%) der betroffenen Unternehmen wurden bisher gezwungen, Mitarbeiter aufgrund der Einschränkungen zu entlassen.

Die Zunahme von Plattformverboten wird für deutsche Kleinunternehmen weitreichende Konsequenzen haben, denn fast drei Viertel (73%) der Online-Verkäufer geben an, dass sie bis zu einer Hälfte ihres Umsatzes verlieren würden, wenn alle Marken Plattformverbote auferlegen würden.

Wenn Unternehmen dazu gezwungen werden, den Handel auf Online-Marktplätzen einzustellen, so können sie sich meist kaum von den Folgen erholen: Nur 6 Prozent der Online-Händler sind in der Lage, zwischen 81 und 100 Prozent der verlorenen Online-Marktplatz-Umsätze durch den stationären Einzelhandel oder ihren eigenen Webshop aufzufangen.

In der Tat zeigt eine weitere Analyse von Copenhagen Economics, dass Plattformverbote für alle Marken zu einem großen Umbruch im Einzelhandel führen würden: Online-Händler würden schätzungsweise 26 Milliarden ihrer Online-Umsätze einbüßen.**

Die europäischen Wettbewerbsbehörden prüfen derzeit die Praxis der Plattformverbote als Teil der E-Commerce-Sektoruntersuchung, die Anfang 2017 veröffentlicht werden soll.

Paul Todd, Senior Vice President EMEA bei eBay, sagt: „Europas kleine und mittelständische Unternehmen sind der Motor des Wirtschaftswachstums. Beschränkungen, die das Wachstum dieser Unternehmen hemmen, sollten beseitigt werden. Plattformverbote erlauben es Marken, die Preise künstlich hoch zu halten, die Wahlfreiheit der Verbraucher zu beschränken und sogar die EU-Wettbewerbsregeln zu verletzen. Wir glauben, dass E-Commerce für alle offen sein sollte und fordern die EU-Kommission auf, stärker gegen diese wettbewerbswidrigen Praktiken vorzugehen.“

In einem Videointerview äußert sich eBay-Verkäufer Andreas Müller, Geschäftsführer der Deltatecc GmbH, zum Thema Plattformverbote:

Über Plattformverbote

Was ist ein Plattformverbot?
Ein Plattformverbot ist eine von Marken auferlegte Einschränkung bezüglich des Verkaufs ihrer Produkte auf Online-Marktplätzen. Dieses können generelle Verbote sein, so dass manche Produkte überhaupt nicht auf Online-Marktplätzen verkauft werden dürfen. Es kann sich aber auch um selektive Verbote handeln – in diesen Fällen erlaubt es die Marke, dass ihre Produkte nur auf ausgewählten Online-Marktplätzen verkauft werden dürfen.

Sind Plattformverbote in einigen Branchen verbreiteter, als in anderen?
Von Plattformverboten sind fast alle Industriezweige betroffen, jedoch sind sie stärker verbreitet unter Sport-Marken.

Warum verhängen Marken diese Verbote?
Manche Marken glauben, sie könnten den Verbrauchern ein besseres Kundenerlebnis sowie einen besseren Kundenservice bieten, als die Verkäufer, die auf Online-Marktplätzen wie eBay aktiv sind.

Welche Auswirkungen haben sie auf die Verbraucher?
Durch die Einführung von Plattformverboten können Marken ihre Preise künstlich hochhalten, sodass Verbraucher mehr für die Marken, die sie lieben, bezahlen müssen als sie sollten. Indem sie es verbieten, ihre Produkte auf Online-Marktplätzen zu verkaufen, schränken sie den Verbraucher auch in seiner Wahl ein, wie und wo er shoppen möchte.

Kümmert sich jemand darum, diese Praxis zu stoppen?
Die Europäische Kommission hat eine E-Commerce Sektoruntersuchung eingeleitet, welche sich zum Teil mit der Praxis der Plattformverbote bzw. des selektiven Vertriebs beschäftigt. Der Abschlussbericht soll Anfang 2017 veröffentlicht werden.

Sind neue Produkte von Plattformverboten betroffen?
Marken können – wenn überhaupt – nur den Verkauf von neuen Produkten bei eBay und anderen Online-Marktplätzen verbieten. Da 81 Prozent der bei eBay verkauften Produkte neu sind, ist durch die Verbote die Produktauswahl für Online-Shopper, die den Marktplatz nutzen, deutlich eingeschränkt.

* Morar führte im Auftrag von eBay eine Befragung mit 517 Teilnehmern in ganz Deutschland durch. Alle Befragten verdienen mit dem Handel auf Online-Marktplätzen wie eBay über $10.000 pro Jahr. Neben Online-Marktplätzen verkaufen die Befragten auch über andere Handelskanäle wie ihre eigene Website oder stationäre Ladengeschäfte.
** Quelle: European Commission JRC (Duch-Brown and Martens, 2015), Eurobarometer (2016), Eurostat (2016), Morar (2016) online seller survey.

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Frank Weyermann
Betreiber der Seite onlinemarktplatz.de und und Inhaber von die-datenwerkstatt.de.

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