Hermes und Volkswagen Nutzfahrzeuge starten Pilotprojekt mit Münchener Start-up Viscopic

Die steigenden Sendungsmengen stellen deutsche Paketlogistikunternehmen vor immer größere Herausforderungen. Klassische Strategien in der Abfertigung und Zustellung müssen daher fortwährend überdacht, neu entwickelt und vor allem digitalisiert werden.

Online-Shopping wird immer beliebter – ein Trend, der seit mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 noch einmal beschleunigt wurde. Wie eine repräsentative Hermes-Studie zeigt, empfangen 39 Prozent der Befragten mehr Pakete als vor Corona (Stand: Juni 2020). Auch der Bundesverband Paket und Expresslogistik e. V. (BIEK) hat zwei Merkmale erkannt: Vor allem ältere Menschen haben das Thema Online-Shopping für sich neu entdeckt, zudem ist der Online-Kauf von Alltags- und Hygieneprodukten deutlich gestiegen.

Allein im Weihnachtsgeschäft 2020 (Oktober bis Dezember) hat Hermes in Deutschland die Rekordmenge von 126 Millionen Sendungen zugestellt – dies entspricht einem Plus von etwa 25 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Um das kontinuierlich steigende Paketvolumen zu kontrollieren, ist es zwingend notwendig, digitale und smarte Technik einzusetzen, um so Entlastung für die Zusteller*innen zu schaffen.

Rekordmengen: Logistikbranche braucht digitale Lösungen

„Wir spüren weiterhin, dass Verbraucher*innen, insbesondere während des Lockdowns, auf belastbare Strukturen des Online-Versandhandels setzen. Die Sendungsmengen sind nach wie vor auf einem hohen Niveau. Mit Blick auf die letzte Januar-Woche 2021 ist die Anzahl der Ausgangssendungen, also die Sendungen, die in die Letzte Meile eingespeist werden, knapp 30 Prozent höher als im Vorjahr. Um dem Trend der steigenden Sendungsmengen zu begegnen, sind wir kontinuierlich dabei, neuartige, fortschrittliche Lösungen rund um unser Ökosystem ‚Paket‘ zu testen und auf den Weg zu bringen“, erläutert Chief Operating Officer von Hermes Germany Marco Schlüter.

Um Innovation, Austausch und digitalisierte Prozesse zu fördern, kooperiert Hermes bereits seit 2018 unter anderem mit VW Nutzfahrzeuge. Bei dem gemeinsamen, europaweiten Start-up-Wettbewerb Future Logistics Challenge“ wurden 2019 gleich zwei Gewinner aus Deutschland gekürt: Neohelden und Viscopic. Letztere bringen ihr Konzept nun im Februar 2021 auf die Straßen Bayerns. Die Software-Lösung für die intelligente Beladung unterstützt Zusteller*innen dabei, die Auslieferung einfacher und effizienter zu gestalten, da Such- und Sortierzeiten reduziert werden.

Start-up Viscopic: Intelligente Beladereihenfolge für effizientere Zustellungen

„Wir unterteilen die große Frachtmenge zunächst in kleine Portionen, die jeweils in einer Packtasche Platz finden“, erklärt Geschäftsführer Felix Meißgeier von Viscopic. Diese quaderförmigen Taschen werden anschließend im Zustellfahrzeug verstaut. „Entscheidend ist dabei die Reihenfolge“, so Meißgeier. „Weil die Touren einem ähnlichen Ablauf folgen, können die Taschen auch entsprechend beladen werden.“

Dank einer digitalen Belade-Assistenz-App werden die Lieferungen vorab von den Zusteller*innen so sortiert, dass man sie schnell und unkompliziert im Frachtraum des Transporters wiederfindet. Auf einer dazugehörigen App sieht man abhängig von der GPS-Position des Zustellfahrzeugs, in welcher Tasche sich welches Paket für den*die jeweils nächste*n Kund*in befindet.

„Wir waren begeistert von dem vielfältigen Themenspektrum, mit dem die Start-ups sich im Rahmen der Challenge beworben haben. Jetzt startet einer der Gewinner mit dem Live-Test seines Konzepts – die nächste spannende Phase“, berichtet Marco Schlüter, der bei der Future Logistics Challenge als Jury-Mitglied dabei war. „Die Software-Lösung von Viscopic lernt zunächst die örtlichen Routen und ordnet dann die Pakete für die nächste Auslieferung in eine logische Reihenfolge für die Beladung, um den Zusteller*innen langes Suchen und Sortieren zu ersparen. Wir sind gespannt, welche Erkenntnisse uns dieser Pilottest liefern wird.“

Hermes
Beitrag teilen: