Arbeitskostenindex steigt im 2. Quartal um 1,9 % zum Vorquartal

In Deutschland lagen die Arbeitskosten je geleistete Arbeitsstunde im 2. Quartal 2020 saison- und kalenderbereinigt um 1,9 % über dem Wert des 1. Quartals. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stieg der Arbeitskostenindex im Vergleich zum 4. Quartal 2019, also dem Quartal vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, insgesamt um 4,3 %. Der Großteil dieses Anstiegs (+2,3 %) erfolgte bereits im 1. Quartal 2020, er setzte sich allerdings im 2. Quartal in ähnlicher Höhe fort. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stiegen die Arbeitskosten kalenderbereinigt um 5,1 %. Dies ist der höchste Anstieg gegenüber dem Vorjahr, der seit Beginn des Arbeitskostenindex 1996 jemals ausgewiesen wurde.

Geringere Arbeitszeit führt zu starkem Anstieg

Der Anstieg kommt vor allem deswegen zustande, weil der Arbeitskostenindex den Kosten der Arbeitgeber die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegenüberstellt. Diese können etwa durch Urlaub, Krankheit oder Überstundenabbau merklich niedriger ausfallen als die bezahlten Stunden. In einem solchen Fall steigen die Arbeitskosten je geleisteter Stunde an, ohne dass sich die Summe der Arbeitskosten erhöht. Seit dem 1. Quartal 2020 ist vor allem eine hohe Zahl an Urlaubstagen zu beobachten. Dies fällt zeitlich mit dem Beginn der Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Corona-Pandemie zusammen: Kitas und andere Betreuungseinrichtungen waren zeitweise geschlossen oder nur eingeschränkt geöffnet; viele Betriebe waren ebenfalls geschlossen. Auch im 2. Quartal 2020 blieb die Zahl der Urlaubstage weiterhin hoch.

Anstiege sowohl bei Bruttoverdiensten als auch bei Lohnnebenkosten

Die Arbeitskosten bestehen aus den Bruttoverdiensten und den Lohnnebenkosten. Die Kosten für Bruttoverdienste erhöhten sich im 2. Quartal 2020 im Vergleich zum 2. Quartal 2019 kalenderbereinigt um 4,9 %, die Lohnnebenkosten stiegen um 5,7 %.

Für den internationalen Vergleich mit den anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) liegen aktuell Daten zum 1. Quartal 2020 vor. Basis des Vergleichs ist der Bereich des Produzierenden Gewerbes und der wirtschaftlichen Dienstleistungen. Hierbei sind unter anderem der öffentliche Dienst und das Gesundheitswesen nicht enthalten.

Im 1. Quartal 2020 verteuerte sich in Deutschland eine Stunde Arbeit kalenderbereinigt um 3,4 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. In der gesamten EU betrug der durchschnittliche Anstieg der Arbeitskosten in diesem Zeitraum ebenfalls 3,4 %. Die höchsten Wachstumsraten innerhalb der EU wiesen Litauen (+11,2 %), Rumänien (+9,5 %) und Bulgarien (+9,1 %) auf. In Luxemburg (+0,1 %) war der Anstieg der Arbeitskosten am geringsten und in Kroatien gingen die Arbeitskosten sogar um 1,1 % zurück. Im Nachbarland Frankreich fiel der Anstieg der Arbeitskosten mit +0,7 % deutlich niedriger aus als in Deutschland.


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