Briefporto in Deutschland im Europavergleich unverändert günstig

Das Porto für den Standardbrief in Deutschland bleibt im europäischen Vergleich günstig. Bereits bei der Gegenüberstellung der rein nominalen Briefpreise in Europa zeigt sich, dass Deutschland mit 80 Cent für den nationalen Standardbrief ein Porto deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von 1,12 Euro anbietet. Bezieht man dann noch makroökonomische Faktoren wie Arbeitskosten und Kaufkraft mit ein, um einen aussagekräftigen Vergleich der europäischen Briefpreise zu erhalten, so liegt Deutschland sogar auf Platz 6 der günstigsten Staaten. Noch günstigere Briefpreise finden sich demnach lediglich in fünf, aber deutlich kleineren Staaten: Österreich, Schweiz, Slowenien, Zypern und Malta. Letzteres schneidet auch durchgängig als das Land mit dem niedrigsten Briefpreis ab, während Dänemark wie im Vorjahr das teuerste Land für den Briefversand ist. Das belegt der diesjährige Briefpreisvergleich der Deutschen Post, der die Briefpreise in den nunmehr 27 EU-Mitgliedstaaten plus dem zwischenzeitlich aus der EU ausgetretenen Großbritannien sowie den EFTA-Ländern Island, Norwegen und Schweiz gegenüberstellt.

Betrachtet man nur die nominalen Briefpreise, so liegt das deutsche Porto mit 0,80 Euro gemeinsam mit Luxemburg, Österreich und Slowakei bereits auf dem guten Platz 18 und damit im unteren Mittelfeld. 17 Länder haben seit dem letzten Jahr die Briefpreise angehoben – Finnland und Griechenland sogar um mehr als 100 Prozent –  so dass sich der durchschnittliche europäische Briefpreis um 15 Cent auf 1,12 Euro erhöht hat. Nominal am teuersten ist der Inlandsbrief in Dänemark mit umgerechnet 3,88 Euro, am günstigsten ist er nach wie vor auf Malta (0,30 Euro). Den größten Sprung bei der Verteuerung hat Griechenland von Platz 19 im Vorjahr auf Platz 4 gemacht.

Ein ähnliches Bild zeigt die Post-Studie beim grenzüberschreitenden Europabrief. Hier ist der Durchschnittspreis durch Preiserhöhungen in 13 Ländern auf 1,67 Euro gestiegen (+9 Cent). Der Preis für den Versand eines Standardbriefes innerhalb Europas beträgt in Deutschland hingegen nur 1,10 Euro. Damit belegt er Platz 26, d.h. lediglich in fünf anderen Ländern ist der Europabrief günstiger als hierzulande.

Wie günstig das deutsche Briefporto im europäischen Vergleich ist, wird auch durch eine Betrachtung der Preisentwicklungen im Fünf-Jahres-Zeitraum seit 2015 deutlich. In dieser Zeit ist der Standardbrief in Europa im Durchschnitt um 70 Prozent erhöht worden, in Italien sogar um 250 Prozent, gegenüber 29 Prozent in Deutschland. Insgesamt ist der Briefpreis in 19 europäischen Ländern in den letzten fünf Jahren stärker angehoben worden als hierzulande.

Betrachtet man darüber hinaus die zurückliegenden zehn Jahre, so hat sich inflationsbereinigt der Briefversand in den untersuchten Ländern seit 2010 um 73,39 Prozent verteuert. Im Vergleich dazu ist der deutsche Briefpreis im gleichen Zeitraum um 28,8 Prozent gestiegen. Damit liegt das Preisniveau für den Standardbrief in Deutschland auf Platz 22 im unteren Teil des europäischen Rankings, d.h. lediglich in neun Ländern ist der Briefpreis inflationsbereinigt günstiger als in Deutschland.

Die Briefpreisstudie der Deutschen Post untersucht in der 19. Auflage am Beispiel eines Industriearbeiters auch wieder, wie lange in den einzelnen Ländern gearbeitet werden muss, um das Porto für einen Standardbrief bezahlen zu können. Dies gibt Aufschluss darüber, wie erschwinglich das Porto ist. Die Erschwinglichkeit des postalischen Universaldienstes ist ein wesentliches Kriterium der EU-Postdiensterichtlinie. Demnach ist Deutschland nach Malta und der Schweiz das Land mit den erschwinglichsten Briefpreisen. Am längsten muss ein Arbeiter in Griechenland arbeiten, um sich das Geld für einen Standardbrief zu verdienen.


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