PayPal will Händlern künftig Produktverkäufe auf Rechnung ermöglichen

PayPal hat sich an dem Bezahldienstleister BillSAFE beteiligt, der auf die Zahlungsabwicklung per nachträglicher Rechnung spezialisiert ist. Das 2006 in Osnabrück gegründete Startup bietet seine Dienstleistung seit einem Jahr an und zählt mehr als 300 Shops zu seinen Kunden.

Studien  wie die von ibi research zeigen, allein im Jahr  2009 in Deutschland Umsätze in Höhe von 5,4 Milliarden Euro über Rechnung abgewickelt wurden, was einem Anteil von 18,1% am gesamten E-Commerce-Umsatz entspricht. Die Bezahlung per nachträglicher Rechnung ist demnach sehr beliebt und führt zu den wenigsten Abbruchquoten beim Bestellvorgang. Allerdings, so Alexander Ey von BillSAFE, sei die Umsetzung für kleinere Anbieter schwer zu stemmen, weil es technische Probleme, hohe Kosten und ein vergleichsweise großes Risiko des Zahlungsausfalls gebe.

BillSAFE versucht noch während des Bestellvorgangs den Käufer zu erkennen, seine Zahlungsfähigkeit mit Hilfe einschlägiger Datenbanken wie Schufa, Infoscore, Deutsche Post oder ähnlichem einzuschätzen und Betrugsversuche auszumachen. Erst wenn gewährleistet ist, dass alles in Ordnung ist, bietet der Händler die Bezahlung per Rechnung an. Der Händler erstellt die Rechnung, die Zahlung jedoch nimmt BillSAFE entgegen, die sich auch um das Inkasso kümmern. Eventuelle Zahlungsausfälle übernimmt Billsafe. Aus diesem Grund sind die Kosten, die  Alexander Ey branchenabhängig mit zirka 4 bis 7% des Umsatzes angab, für den Händler vergleichsweise hoch. Ey erklärte jedoch auch, dass die deutschen Kunden eine gute Zahlungsmoral hätten. BillSAFE operiert bislang nur in der Bundesrepublik, die Ausbreitung nach Österreich, in die Schweiz und die Niederlande ist geplant.

Bei PayPal sind bisher Kreditkarte oder Vorauszahlung möglich. Die Zahlung per Rechnung bietet PayPal bis jetzt noch nicht an. Die Gründe hierfür liegen zum einen darin, dass Zahlung per Rechnung in den meisten Nationen weniger üblich ist oder das Ausfallrisiko höher als in Deutschland und seinen Nachbarländern ist. Mit der Beteiligung an BillSAFE will PayPal Deutschland der Rechnungszahlung im E-Commerce zum Durchbruch verhelfen.

Beide Angebote sollen zunächst noch getrennt voneinander laufen. Die Einbindung der Rechnungszahlung in PayPal ist zwar geplant, aber konkrete Einzelheiten oder einen Zeitplan verrieten die beiden Unternehmen noch nicht. PayPal hätte einen Rechnungsservice sicher auch Solo aufziehen können, so Deutschland-Geschäftsführer Gregor Bieler. Motiv für die Zusammenarbeit mit BillSAFE sei der Zeitdruck gewesen: Bieler gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: „Derzeit drängen sehr viele Anbieter in den Markt. Wir gehen davon aus, dass sich das Fenster in 9 bis 12 Monaten schließen wird.“

Einkäufe vom Mobiltelefon aus sollen über kurz oder lang ebenfalls über Rechnung möglich sein. PayPal Deutschland wickelt etwa 230.000 Transaktionen täglich ab, ist in 40.000 Shops integriert und verwaltet 15 Millionen Kunden-Accounts.


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