Hohe Akzeptanz für künstliche Intelligenz und digitale Anwendungen im Gesundheitswesen

Mit seinem Entwurf für ein Digitalisierungsgesetz hält Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Druck auf das deutsche Gesundheitswesen hoch. Vorgesehen ist unter anderem, dass gesetzliche Krankenkassen die Kosten für digitale Anwendungen wie etwa App-Tagebücher für Bluthochdruck- oder Diabetespatienten übernehmen, die Ärzte ihren Patienten verschreiben. Hierfür soll die Zulassung so vereinfacht und verkürzt werden, dass solche Lösungen schneller in das Erstattungssystem gesetzlicher Krankenkassen aufgenommen werden können. Der BVDW lobt die Initiative – Vizepräsident Achim Himmelreich (Capgemini) sagt: „Dieser längst überfällige Ansatz kann eine Initialzündung für die Digitalisierung des Gesundheitswesens bedeuten. Vor allem der Leistungsumfang gesetzlicher Krankenkassen basiert bisher auf einem sehr starren und trägen System, das der Entwicklungsgeschwindigkeit der allermeisten digitalen Anwendungen einfach nicht gerecht wird.“ Auch Spahns Ansatz, gesetzlichen Krankenkassen zu ermöglichen, gezielt in entsprechende Start-ups zu investieren, bewertet Himmelreich positiv: „Das dürfte das nötige Kapital mobilisieren, um die Entwicklung digitaler Medizinanwendungen attraktiver zu machen.“

Dass die aktuelle Regulierung den Erwartungen der Patienten hinterherhinkt, zeigt eine aktuelle BVDW-Studie (durchgeführt von Kantar TNS; n=1012): Demnach würden 58 Prozent der Bundesbürger einen Arzt, eine Praxis, eine Klinik oder eine Krankenkasse bevorzugen, wenn diese mittels einer App mit ihnen enger kommunizieren, Ihnen Terminvorschläge und -erinnerungen senden oder ihnen über die App den Austausch von Röntgenbildern und Befunden vereinfachen würden. Während die Zustimmung bei 16- bis 24-jährigen Befragten bei 62 Prozent liegt, hält sie mit 54 Prozent auch bei 55- bis 64-jährigen ein hohes Niveau. BVDW-Experte Himmelreich: „Die Art, wie Menschen ihr alltägliches Leben organisieren, hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert und daraus resultiert auch eine gewisse Erwartungshaltung. Nun besteht die Herausforderung darin, Bereiche wie das Gesundheitswesen entsprechend weiterzuentwickeln, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden. Gerade für die ältere Zielgruppe, die im Schnitt häufiger medizinische Leistungen in Anspruch nimmt, wird von einer Erweiterung des bestehenden Angebotes um digitale Leistungen profitieren.“

Hohe Akzeptanz für künstliche Intelligenz in der Medizin

Künstliche Intelligenz soll besonders im medizinischen Bereich großes Potenzial haben. Dazu geben 57 Prozent der in der BVDW-Studie befragten Bürger an, dass Ärzte dazu verpflichtet werden sollen, KI als automatisierte Zweitmeinung in die Untersuchung miteinzubeziehen, wenn diese Krankheiten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit erkennen kann beziehungsweise Diagnosen treffender erstellen kann als Menschen. Himmelreich sagt: „Beispiele aus diesem Bereich, zum Beispiel aus der Hautkrebserkennung, geben uns einen Eindruck vom Potenzial künstlicher Intelligenz. Hier geht es mitnichten darum, die Mediziner zu ersetzen – Ziel ist es, ihnen mit technischen Hilfsmitteln zu noch präziseren Diagnosen zu verhelfen.“