eco Studie: Überbordende staatliche Restriktionen könnten Spielerschutz im Online-Glücksspiel entgegenwirken

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Der Glücksspielmarkt in Deutschland befindet sich im Umbruch. Insbesondere Online-Glücksspielangebote erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Aktuelle Erhebungen kommen zu dem Ergebnis, dass immerhin drei Viertel der deutschen Bevölkerung schonmal an gewerblichen Glücksspielangeboten (online und offline) teilgenommen haben. Es ist daher richtig, dass der Gesetzgeber hier rechtliche Rahmenbedingungen schafft. Aus dem gleichen Grund bedarf das Thema Regulierung des Online-Glücksspielwesens allerdings auch eines besonderen politischen Fingerspitzengefühls. Das Jahr 2021 markiert in diesem Hinblick eine Zäsur für den deutschen Glücksspielmarkt. Mit dem Anfang Juli in Kraft getretenen neuen Glücksspielstaatsvertrag können erstmals Online-Glücksspielanbieter Lizenzen für den gesamtdeutschen Markt erhalten. Dabei werden diese Angebote durch Lizenzierungsvorausset- zungen reguliert. Diese Restriktionen – wie ein 1.000-Euro-Limit für monatliche Einzahlungen auf das Spielkonto, eine Begrenzung der Einsätze pro Spielrunde auf einen Euro und eine Mindestspieldauer pro Runde von im Durchschnitt fünf Sekunden – sowie eine mit der Lizenzierung durch Besteuerung einhergehende Verschlechterung der Gewinnchance dürften Ausweichreaktionen bei den Spielerinnen und Spielern hervorrufen, die gerade im Online-Bereich – aufgrund niedrigerer Wechselbarrieren zu anderen Angeboten verglichen mit dem terrestrischen Bereich – einfach umzusetzen sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Handelsblatt Research Institute im Auftrag von eco – Verband der Internetwirtschaft e.V.

Erkenntnisse aus einer der Studie zugrundeliegenden aktuellen repräsentativen Bevölkerungsumfrage unter 2.000 Privatpersonen legen nahe, dass die geplanten neuen staatlichen Restriktionen dem eigentlich intendierten Spielerschutz entgegenwirken könnten, da Spielerinnen und Spieler dann teilweise zu nicht regulierten Angeboten mit besseren Spielbedingungen abwandern. eco empfiehlt dem Gesetzgeber, auch aus Datenschutzperspektive nachzujustieren und fordert eine Versachlichung der Debatte.

Professor Dr. Bert Rürup: „Spieler in Online-Casinos reagieren sehr sensibel auf Veränderungen der Spielbedingungen. Dies sollte die Politik bei Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen.“

„Unsere Daten zeigen, dass die Mehrheit der Spieler in Online-Casinos sehr sensibel auf Veränderungen der Spielbedingungen reagiert“, erläutert Professor Dr. Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institute. „Das bedeutet, falls sich auf einer Online-Casino-Seite, auf der sie bislang spielen, die Spielbedingungen verändern, beispielsweise in Form von schlechteren Gewinnchancen, geringerem Einsatzlimit oder geringerer Spielgeschwindigkeit, würden über 40 Prozent der Online-Casino-Spieler ein alternatives Angebot suchen, bei dem sich die Spielbedingungen nicht verschlechtert haben.“  Die von den Bundesländern geplante und im europäischen und internationalen Vergleich extrem hohe Spieleinsatzsteuer von 5,3 % auf die Einsätze, könnte legale und lizenzierte Angebote so unattraktiv machen, dass sie mittelfristig vom deutschen Markt verschwinden und Spieler lieber auf illegale, nicht-regulierte Angebote zurückgreifen, in denen kein angemessener Spielerschutz gewährleistet wird.

eco empfiehlt daher, hier nachzujustieren: „Der neue Glücksspielstaatsvertrag ist ein wichtiger Schritt hin zu einer zeitgemäßeren deutschen Glücksspielregulierung jedoch besteht auch Nachbesserungsbedarf. Liberalisierung und Kanalisierung sollte der Grundgedanke der Regulierung im Glücksspielstaatsvertrag und auch bei der Besteuerung sein. Der Gesetzgeber sollte seine Regulierung daher rechts- und vor allem marktkonform ausgestalten, um nicht seine ursprüngliche Zielsetzung einer Marktöffnung und Liberalisierung zu konterkarieren. Dies wird durch die Steuerpläne von Bund und Ländern gefährdet“, sagt eco Ehrenpräsident Professor Michael Rotert.

Dies sei insbesondere deshalb von Bedeutung, da sich im Austausch mit der Branche gezeigt habe, dass es sich um einen weitaus größeren Markt drehen könnte, als die der Gesetzgebung zugrundeliegende Zahlenbasis vermuten lasse, so Rotert weiter: „Die Bundesregierung sollte hier in einen konstruktiven Austausch mit der Branche gehen, um Kollateralschäden im Spielerschutz sowie eine Abwanderung in den Schwarzmarkt zu verhindern.“

Die komplette Studie steht online hier zum Download bereit.

eco - Verband der Internetwirtschaft e.V.
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