Nils Fischer, CEO von Liefery: Unser Ansatz ist, dass wir Zustellung auch noch einmal anders denken sollten

Die emissionsfreie Zustellung und Schnelligkeit schließen sich nicht aus – das beweist Liefery als Marktführer für taggleiche bzw. zeitlich definierte Zustellungen in Deutschland. Wir sprachen mit CEO und Co-founder Nils Fischer über Kundenorientierung, die Zukunft der Haustürzustellung sowie die nachhaltige Letzte Meile. Was ist die Idee von Liefery?

Nils Fischer: Wir stellen die Empfänger in den absoluten Mittelpunkt. Wir sind davon überzeugt, dass man 2020 im E-Commerce zu einem Zeitpunkt zustellen muss, wann es die Kunden erwarten. Wir wollen die Customer Journey bis an die Haustür verlängern, indem wir bereits im Markenauftritt des Händlers agieren, das heißt, die Kunden bekommen das Gefühl, dass der Händler ihnen das Paket gebracht hat und nicht ein Logistiker. Außerdem stellen wir in engen Zeitfenstern zu, die sich nach den Kunden richten und nicht andersherum. Niemand muss auf uns warten.

Entspricht das dem aktuellen Bedürfnis der Kunden?

Nils Fischer: Ja. Wir haben beobachtet, dass es im E-Commerce gar nicht primär um das Thema Geschwindigkeit und Same-Day-Delivery geht. Vielen Kunden ist es wichtiger, dass sie genau wissen, wann sie ihre Bestellung persönlich entgegennehmen können. Das schafft großes Vertrauen.

Ist das Thema Haustürzustellung denn noch zeitgemäß?

Nils Fischer: Studien haben uns gezeigt, dass die Haustürzustellung zu einem positiven Kauferlebnis beitragen kann. Kunden empfinden eine stärkere Identifikation mit dem Händler. In Zukunft wird es auf eine Kombination ankommen: Wir werden uns weiterhin als Premium-Anbieter positionieren, der die Pakete bis zur Haustür bringt. Man muss aber auch realistisch sein, denn wenn wir die steigenden Sendungsvolumina und die Wachstumsraten betrachten, dann muss man mehrere Zustelloptionen anbieten. Wichtig ist, dass Kunden die Auswahl haben. Hermes und Liefery sind daher eine perfekte Ergänzung.

Elektromobilität auf der Letzten Meile ist ein ebenso großes Thema. Sie haben kürzlich in Berlin eine Testphase für E-Fahrzeuge durchgeführt. Wie lauten die ersten Erkenntnisse?

Nils Fischer: Wir haben seit 2017 immer mal wieder Testphasen mit verschiedenen Fahrzeugen, ob Cargobikes oder E-Autos. Wir haben das feste Ziel, eine CO2-freie Zustellung auf der Letzten Meile zu gewährleisten, und dabei spreche ich nicht von ein paar hübschen Zertifikaten, sondern von einer klimafreundlichen Zustellung mit E-Transportern, Cargo Bikes und allem, was da noch so kommt. Der Markt dafür bewegt sich endlich ein bisschen. Unser Ansatz ist, dass wir Zustellung auch noch einmal anders denken sollten, also nicht nur einen Mercedes Vito, der mit Diesel fährt, durch einen Elektro-Vito zu ersetzen, sondern auch andere Optionen zu prüfen. Gibt es vielleicht kleinere Fahrzeuge, die vielleicht ganz anders funktionieren?

Welche Alternativen gibt es denn aktuell?

Nils Fischer: Wir kooperieren aktuell u.a. mit Tropos Motors, die kleinere E-Fahrzeuge herstellen und auf kürzeren Touren eingesetzt werden. Davon haben wir zwei Stück getestet, die etwa 35-50 Pakete transportieren können. Wir hoffen, dass wir in Zukunft einen heterogenen Mobilitätsmix bei Liefery anbieten, also unterschiedliche Fahrzeuge für unterschiedliche Bedürfnisse und Waren einsetzen. In der Innenstadt sollen dann primär Cargo Bikes zum Einsatz kommen und E-Transporter für Lebensmittel. Der kleine Tropos kommt etwa morgens von 9-12 Uhr bei einer kleinen Pakettour zum Einsatz.

Sind weitere Nachhaltigkeitsprojekte in Planung?

Nils Fischer: Im Herbst 2020 werden wir eine Cargo Bike-Flotte bei Liefery in Berlin integrieren. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg, dass wir in Zukunft eine umweltfreundliche und schadstofffreie Zustellung anbieten können – haben aber noch viel vor.


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