Versicherungen: Verbraucher entscheiden aus dem Bauch heraus

Das gängige Klischee ist, dass die Versicherungsbranche in Deutschland ein leichtes Spiel hat. Schließlich ist jeder Deutsche gut gegen jede Eventualität abgesichert. Stimmt’s? Eine aktuelle Studie zeigt: stimmt nicht. Denn viele Deutsche sind eher schlecht abgesichert. Und: Bei der Entscheidung für eine Versicherung entscheiden viele Deutsche nicht nach objektiven Kriterien. Was das für Versicherer bedeutet.

Viele Deutsche schlechter versichert als gedacht

Das Klischee heißt, dass sich die Deutschen gegen alles Versichern. Sie müssen sich Kranken- und Rentenversichern, sie versichern sich für Schäden, die sie verursachen, sie versichern sich gegen Schäden, die bei ihnen verursacht werden, sie versichern ihren Hausrat, ihre Haustiere und und und.

Das stimmt so allerdings gar nicht, wie neue Marktforschungen ergeben. Zwar sind in Deutschland alle (außer einem sehr kleinen Prozentsatz) Sozialversichert – aber hierbei handelt es sich um eine Pflichtversicherung, um die man nur schwer herumkommt. Viel dramatischer sieht die Situation bei Versicherungen aus, die man nicht von Gesetzes wegen her haben muss, aber haben sollte. Beispielsweise sind kaum mehr als zwei Drittel der Deutschen von einer Privathaftpflichtversicherung abgesichert. Dabei handelt es sich hier um eine elementare Versicherung, die verhindert, dass man als Schadenverursacher mit seinem gesamten Vermögen haften muss, wenn ein Unfall geschieht.

Häufiger bereits ist eine Hausratsversicherung abgeschlossen, hierfür entscheiden sich immerhin noch 58 Prozent der Deutschen. Aber nur 37 Prozent der Deutschen haben eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen und stehen im Zweifel vor dem Problem, wie sie im Streitfall Anwalts- oder sogar Gerichtskosten stemmen können.

Versicherungsnehmer entscheiden aus dem Bauch heraus

Für welche Versicherung sich Versicherungsnehmer entscheiden, ist in vielen Fällen nichts rational nachvollziehbar. So schließen viele Kunden eine Hausratsversicherung ab, weil sie Sorge haben, ein Brand könnte ihr Interieur vernichten – jeder Wahrscheinlichkeit, dass dies nicht eintreten wird, zum Trotz. Dagegen verzichten die meisten auf eine Rechtsschutzversicherung, die wesentlich öfter in Anspruch genommen wird. Schließlich kommt es schnell zu einem Streit, der vor Gericht enden kann. Eine Meinungsverschiedenheit im Straßenverkehr kann hier schon ausreichen.

Vor allem jüngere Versicherungsnehmer entscheiden auf Ratschlag ihrer Eltern, welche Versicherung sie brauchen. Noch öfter lassen sie sich von Vorstellungen leiten, welcher Schaden entstehen könnte und welche Folgen dieser Schaden haben könnte. Nur ältere Versicherungsnehmer informieren sich vor Abschluss einer Versicherung umfassend über die Versicherungspolice.

Vor allem bei Modellen wie einer Zahn- oder Berufsunfähigkeitsversicherung kann zu Problemen kommen, wenn sich Verbraucher nicht rechtzeitig über Versicherungen informieren. Denn mit zunehmendem Altem werden solche Versicherungen teurer – und schließen immer mehr Ursachen für Erkrankungen aus. Daher sollten sich gerade junge Erwachsene über ergänzende Versicherungen zu ihrer Krankenversicherung informieren, um langfristig viel Geld sparen zu können.

Die meisten Kunden zufrieden mit ihrer Versicherung

Obwohl Versicherungen nicht den besten Ruf haben, sind die meisten Verbraucher zufrieden mit ihren Versicherern. Der Studie zufolge äußern sich über 80 Prozent der Befragten zufrieden über die Abwicklung eines Schadenfalles durch ihre Versicherung.

Das Bild, dass die Deutschen Versicherungen grundsätzlich mit einer gewissen Skepsis gegenüberständen, bestätigt sich nicht. Denn die große Mehrheit der Befragten gab an, die eigene Versicherung bei Recherche, Abschluss und Schadensabwicklung als seriös und professionell zu empfinden.


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