Künstliche Intelligenz – wo stehen deutsche Startups?

Axel Menneking, Leiter Hubraum, Tech-Inkubator der Deutschen Telekom. ©Deutsche Telekom 2021

Künstliche Intelligenz (KI) ist eine der Schlüsseltechnologien für die digitale Zukunft. Sie fördert Innovationen im gesamten Ökosystem und kann einen enormen Wettbewerbsvorteil bei der Digitalisierung bieten. Es ist positiv, dass KI laut vorliegender Studie für bereits 40 Prozent der deutschen Startups einen deutlichen Einfluss auf ihr Geschäftsmodell hat.

Für eine KI-Erfolgsgeschichte in Deutschland braucht es aber mehr: zum einen intensive Kooperation zwischen Startups, Unternehmen, und Forschung. Zum anderen mehr Förderung des Ökosystems mit ausreichend Wachstumskapital.

Mit rund 74 Prozent suchen überdurchschnittlich viele KI-Startups gezielt die Zusammenarbeit mit etablieren Unternehmen. Doch Unternehmen sind immer noch zu zurückhaltend, wenn es um kommerzielle Partnerschaften mit jungen, innovativen Startups geht. Die Deutsche Telekom gründete hierfür bereits 2013 den Tech-Inkubator Hubraum in Berlin. Startups bekommen Zugang zu Netztechnologien und Produktplattformen, um gemeinsam Produkte für unsere Kunden zu entwickeln.

Zudem unterstützt der Hubraum Seed Investment Fund Startups in der ersten Wachstumsphase mit Kapital, Kontakten und Telekommunikations-Know-How. Doch es bedarf einer gemeinsamen Anstrengung aller im deutschen Ökosystem, um bei Wagniskapital international aufzuschließen. In Israel wird im Vergleich zu uns fast das 30-fache an Kapital pro Kopf in KI-Startups investiert.

Abschließend ist mir noch ein Thema bei KI sehr wichtig: Verantwortung. Je mehr KI unseren Alltag beeinflusst, desto mehr gewinnt Digitale Ethik an Bedeutung. Alle müssen den Einsatz dieser Technologie transparent, nachvollziehbar und ohne Vorurteile gestalten. Menschen müssen im Mittelpunkt der KI-Entwicklung stehen.

Geschäftsmodelle von Startups in Deutschland. ©Deutsche Telekom 2020

Eine Studie des Bundesverbands Deutsche Startups e.V. und hubraum und, dem Tech-Inkubator der Deutschen Telekom kommt zu folgenden Kernergebnissen:

  1. Künstliche Intelligenz und Startups – das passt: Die Technologie hat für gute 40 % der deutschen Startups einen klaren Einfluss auf ihr Geschäftsmodell. KI-Startups finden sich dabei vor allem in den starken Ökosystemen Berlin und München mit hervorragendem Zugang zu Talenten und Kapital.
  2. Enge Verbindung zur etablierten Wirtschaft: 73,9 % der KI-Startups in Deutschland gehen Kooperationen mit etablierten Unternehmen ein und damit deutlich mehr als im allgemeinen Durchschnitt (67,1 %). Die Relevanz innovativer KI-Technologien für Mittelstand und Konzerne macht sich zudem im ausgeprägten Fokus auf das Business-to-Business-Geschäft (B2B) bemerkbar.
  3. Aufholpotenzial gegenüber Top-KI-Ökosystemen: Im Vergleich zum Best Practice Israel hat die deutsche KI-Landschaft noch deutlichen Nachholbedarf. Das gilt sowohl für die Zahl an KI-Startups als auch für die Investitionen – pro Kopf wird in Israel die 30-fache Summe an Kapital in KI-Startups investiert.
  4. KI braucht Wissenschaft: Knapp 70 % der KI-Startups geben an, aktuell Kooperationsbeziehungen mit der Wissenschaft zu unterhalten – der Durchschnittswert für deutsche Startups liegt bei nur 54,6 %.
  5. F&E-Stärke wird nicht ausreichend ausgespielt: Deutschlands Stärke in der KI-Forschung ist ein echter Vorteil für das Startup-Ökosystem. Dieses Potenzial wird jedoch noch nicht ausreichend in die unternehmerische Praxis übersetzt, was auch die Forschungsaktivität gefährdet.
  6. Viele blinde Flecken: Deutsche KI-Startups decken im Gegensatz zu Israel noch nicht die ganze Bandbreite relevanter Branchen ab. So sind hierzulande in wichtigen Bereichen wie etwa im Bildungssektor noch kaum KI-Startups vertreten.
  7. Frauen stark unterrepräsentiert: Der Anteil an Gründerinnen im KI-Sektor liegt bei nur 10 % und ist damit noch einmal deutlich geringer als im deutschen Startup-Ökosystem insgesamt (15,7 %). Aufgrund dieses deutlichen Defizits wird nur ein Bruchteil des vorhandenen Talents genutzt.
  8. Ethik nicht ohne Praxis: Das Thema Ethik und die Grenzen des Einsatzes von KI spielen für das Startup-Ökosystem in Deutschland eine wichtige Rolle. Startups plädieren dabei vor allem für eine Versachlichung der Debatte und einen stärkeren Fokus auf konkrete Anwendungsfelder.

Die komplette Studie steht hier zum download (pdf, 1.5 MB) bereit.

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