Gibt es illegales Online Glücksspiel?

Es ist nicht von der Hand zu weisen, das Glücksspiel boomt – mit Sportwetten, Online Casinos und landbasierten Spielhallen. Doch vieles davon ist nicht erlaubt, was die Anbieter jedoch nicht stört.

Laut deutschem Glücksspielvertrag ist Glücksspiel illegal

Wenn die Spiele der Champions League angepfiffen werden, dann zücken viele Sportbegeisterte ihre Handys und geben über eine App ihren Tipp ab. Denn oft ist das Mitfiebern spannender, wenn nach Abpfiff die Wette erfolgreich ist und ein finanzieller Gewinn lockt. Doch was viele nicht wissen, ist die Tatsache, dass die Wetten in Deutschland meist nicht legal sind.

Zwar gibt es Werbeblöcke im Privatfernsehen, und in den Stadien werben die großen Sportwettenanbieter, doch laut dem Glücksspielvertrag der Bundesländer verfügen sie nicht über offizielle Lizenzen für ihr Geschäftsmodell.

pixabay.com ©PIRO4D (Creative Commons CC0)

Gleiches gilt für die Online Casinos. Sie bewegen sich in einer Grauzone in Deutschland und im Grunde existiert mit ihnen illegales Glücksspiel. Wenn da nicht das Wörtchen „aber“ wäre. Denn im Jahr 2016 hat der Europäische Gerichtshof den Bundesländern untersagt, gegen die Anbieter von Sportwetten vorzugehen, sofern diese aus der EU stammen. Das heißt, sie werden geduldet und befinden sich in einer „Grauzone“. Viele der Anbieter aus den oben genannten Kategorien verfügen über europäische Glücksspiellizenzen aus Malta und Gibraltar.

Die Bundesländer wollen ab dem 01. Januar 2020 mit einer Übergangsregelung die Sportwetten formal erlauben, und zwar zunächst bis zum Sommer 2021.

Wie sieht es mit den Online Casinos aus?

Bei den Online Casinos ergibt sich ein anderes Bild. Es existierten für die Anbieter keinerlei Lizenzen, mit einer Ausnahme: das Schlupfloch Schleswig-Holstein. Im Jahr 2012 vergab das Bundesland Lizenzen und zehn Anbieter dürfen ihre Dienste noch bis Sommer 2021 befristet fortführen. Allerdings gibt es hier ebenfalls ein „aber“, denn offiziell dürfen nur die Spieler in den dort lizenzierten Casinos spielen, die ihren Wohnsitz in diesem Bundesland haben.

Viele Online Casinos verfügen nicht über eine solche Lizenz und es heißt, dass jeder, der dort spielt, sich im illegalen Bereich befindet. Oder doch nicht? Denn Länder, die zu der EU gehören wie Malta, Gibraltar und Zypern bieten EU-Lizenzen an. Damit ist es Ihnen laut der EU-Kommission möglich, ihre Spiele innerhalb der Europäischen Union legal anzubieten – und das auch in Deutschland.

Beispielsweise verfügt vulkanvegas.com über eine EU-Lizenz der Glücksspielbehörde aus Zypern und jeder Spieler, der dort sein Glück versucht, bewegt sich in einem sicheren und seriösen Umfeld.

In Deutschland ist bisher keine Einigung in Sicht

Der Glücksspielstaatsvertrag läuft zum 30. Juni 2021 aus und bis dahin müssen die Bundesländer sich auf ein gemeinsames Konzept geeinigt haben. Der Präsident des Deutschen Online Casinoverbandes (DOCV) erklärte in einem Interview, dass er sehr zuversichtlich sei, dass es ab diesem Zeitpunkt keinerlei Verbote mehr für das Online Glücksspiel geben wird. Bereits jetzt macht der Online Glücksspielmarkt mit 22% den größten Anteil der 14,2 Milliarden Euro aus, die aus dem nicht-regulierten, also illegalen Bereich stammen. Das ist dem Jahresreport der Glücksspielaufsichtsbehörden zu entnehmen.

Doch bislang sind sich die 16 Bundesländer noch nicht einig, was die Legalisierung des Glücksspiels angeht. Nach wie vor wird nach einer einheitlichen Lösung gesucht, wie mit dem Trend des Online Gamblings umgegangen werden soll. Derzeit ist nur in Schleswig-Holstein das Online Glücksspiel legal, während alle anderen Bundesbürger sich in einer Grauzone bewegen.

Sogar der nahende Brexit, der Deutschland durchaus eine zweite Chance im Bereich des Glücksspiels gebracht hätte, bleibt hierzulande ungenutzt. Denn viele der namhaften Anbieter stammen aus Großbritannien und sie hätten sich nach dem Austritt aus der EU einen anderen Standort suchen müssen. Deutschland wäre für sie durchaus eine attraktive Alternative gewesen. Doch aufgrund der weiterhin fehlenden bundesweiten Einigung, die sicherlich noch lange auf sich warten lässt, ist auch diese Gelegenheit an der Bundesregierung vorbeigegangen.

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