Qualifikationen auffrischen

Der Jahreswechsel ist nicht nur eine Zeit erholsamer Besinnlichkeit, sondern auch eine Zeit, in der fĂŒr Unternehmer einige Fristen rund um die BuchfĂŒhrung, aber auch den Arbeitnehmerschutz fĂ€llig werden. Denn viele Qualifikationen und Zertifikate haben nur eine begrenzte Haltbarkeit und mĂŒssen regelmĂ€ĂŸig aufgefrischt werden, um weiterhin einen ordnungsgemĂ€ĂŸen Betrieb zu gewĂ€hrleisten.

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©Karolina Grabowska/Pexels

Verpflichtende Qualifikationsmaßnahmen

In vielen Unternehmen gibt es gesetzlich vorgeschriebene Schutz- und Qualifikationsmaßnahmen, die fĂŒr einen ordnungsgemĂ€ĂŸen Betrieb unerlĂ€sslich sind. Diese Pflichten können sich aus Gesetzen und Verordnungen wie denjenigen zum Arbeitsschutz oder Gesundheitsschutz ergeben oder von UnternehmensverbĂ€nden, BranchenverbĂ€nden oder Berufskammern in Eigenregie erlassen werden. Vergisst ein Unternehmer diese Maßnahmen durchzufĂŒhren, drohen Ordnungsgelder, zeitweiser oder vollstĂ€ndiger Verlust von Zulassungen bis zu Betriebsschließungen.

Zur jĂ€hrlichen Inventur sollte daher auch ein aktueller Überblick ĂŒber den derzeitigen Qualifikationsstand in der Belegschaft und die jeweiligen Ablaufdaten befristeter Zertifikate oder anderer Formen der Auffrischung oder Wiederholung von Weiterbildungskursen oder PrĂŒfungen gehören. Dabei sind lĂ€ngst nicht alle verpflichtenden Bildungs- und Qualifikationsprogramme einem breiten Publikum bekannt und gerade die FĂŒhrungsetagen von kleinen Unternehmen können sich neben ihren betrieblichen Aufgaben nur schwer mit verpflichtenden Schulungen auseinandersetzen.

Daher sind die ersten Ansprechpartner, um ĂŒberhaupt herauszufinden, welchen Bestimmungen man GenĂŒge tun muss, oftmals die Industrie- und Handelskammern (IHK), andere Berufskammern wie die Handwerkskammern oder BranchenverbĂ€nde und Innungen, die in der Regel alle nötigen Informationen rund um das Thema verpflichtende Weiterbildungen und Schulungen berufsspezifisch sammeln und weitergeben.

Im Verkehrsbereich

Im Bereich des Personen- und GĂŒterverkehrs sind sowohl eine regulĂ€re oder beschleunigte Ausbildung als auch der Erwerb bestimmter Fahrerlaubnis-Klassen verpflichtend. Ausgenommen sind gewerbliche Fahrer, fĂŒr deren BerufsausĂŒbung bereits der Personenbeförderungsschein ausreichend ist. FĂŒr gewerbliche Fahrer von Omnibussen oder Lkws gelten jedoch die Qualifikationspflichten des Berufskraftfahrerqualifikationsgesetzes (BKrFQG).

Seit dem 26.11.2020 sind dort auch Weiterbildungsmaßnahmen, die alle fĂŒnf Jahre wiederholt und durch eine PrĂŒfung bei der IHK abgeschlossen werden mĂŒssen, vorgeschrieben. Eine nicht geringe Anzahl an Berufskraftfahrern wird deshalb in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren Modul 95 Schulungen bei anerkannten WeiterbildungsstĂ€tten belegen und einen Nachweis von der zertifizierten WeiterbildungsstĂ€tte ĂŒber die Teilnahme an der Weiterbildung vorlegen mĂŒssen.

Kurse mit regelmĂ€ĂŸiger Auffrischung

Mit einer Auffrischung in einem fĂŒnfjĂ€hrigen Zeitraum gehören die Verkehrsschulungen zu den lange haltbaren. Viele Kurse und Zertifikate sind aber auch jĂ€hrlich oder alle zwei Jahre zu erneuern. DafĂŒr sind die Kursinhalte und die LĂ€nge der Kurse dementsprechend reduziert – gegenĂŒber umfangreichen Schulungen und Weiterbildungskursen.

Erste Hilfe

Zu den bekanntesten und am weitesten verbreiteten Qualifikationen, die regelmĂ€ĂŸig aufgefrischt werden mĂŒssen, gehört der Lehrgang „Ersthelfer im Betrieb“, der alle zwei Jahre wiederholt werden muss. Diese Pflicht ergibt sich aus den Regelungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV). Zuwiderhandlungen können mit Ordnungsgeldern belegt werden und bei BetriebsunfĂ€llen kann der Versicherungsschutz des Arbeitgebers erlöschen, was zu erheblichen Kosten bis zu strafrechtlicher Verfolgung fĂŒhren kann.

Diese Pflicht trifft Betriebe bereits ab zwei BeschĂ€ftigten. Bei bis zu 20 BeschĂ€ftigten reicht ein Ersthelfer, bei mehr als 20 BeschĂ€ftigten mĂŒssen im Verwaltungsbereich fĂŒnf Prozent der BeschĂ€ftigten zum Ersthelfer ausgebildet werden, in anderen Bereichen sogar zehn Prozent. Die Ausbildung dauert in der Regel einen Tag und ist fĂŒr BeschĂ€ftigte wie auch fĂŒr Arbeitgeber kostenfrei.

Brandschutz

In den meisten Unternehmen sind außerdem jĂ€hrliche Unterweisungen zum Thema Brandschutz Vorschrift. Hier mĂŒssen alle BeschĂ€ftigten ĂŒber die derzeitigen BrandschutzplĂ€ne, zum Beispiel Fluchtwege und Sammelpunkte, aber auch wo der nĂ€chste Feuerlöscher ist, unterrichtet werden. DarĂŒber hinaus sollten mindestens fĂŒnf Prozent der BeschĂ€ftigten zu Brandschutzhelfern, die besonders im Umgang mit Feuerlöschern geschult werden, ausgebildet werden. Brandschutzschulungen können im Haus stattfinden.

Hygiene

Vielleicht das grĂ¶ĂŸte Feld der vorgeschriebenen Weiterbildungen und Zertifikationen stellt die Hygiene mit den entsprechenden Verordnungen dar. So mĂŒssen etwa alle BeschĂ€ftigten, die in einer Gemeinschaftseinrichtung (Schulen, Kitas, Heime usw.) mit leicht verderblichen Lebensmitteln in BerĂŒhrung kommen, alle zwei Jahre Schulungen nach § 34 und § 35 des Infektionsschutzgesetzes absolvieren.

Betriebe und BeschĂ€ftigte, die mit der Zubereitung von Lebensmitteln befasst sind, mĂŒssen zudem Lebensmittelhygieneschulungen nach EU-Verordnung (852/2004) sowie § 42 und § 43 des Infektionsschutzgesetzes durchlaufen und jĂ€hrlich auffrischen. Hygieneschulungen können zusĂ€tzlich auch vom Arbeitgeber vorgeschrieben werden, was besonders in der Pflege hĂ€ufig der Fall ist. Hygienezertifikate spielen außerdem in besonders sensiblen medizinischen Bereichen wie Laboren, Fertigungsstellen von Medizinprodukten oder KrankenhĂ€usern eine Rolle.

Insbesondere als Arbeitgeber sollte man sich daher immer wieder informieren, welche Regelungen fĂŒr den eigenen Betrieb derzeit gelten und sich bemĂŒhen, diesen immer wieder nachzukommen. Mitarbeiter sollten sich vor allem darĂŒber informieren, welche Weiterbildungen der Arbeitgeber erwartet oder fördert, so unterhalten große Unternehmen teilweise eigene Weiterbildungsprogramme oder Kooperationen mit BildungstrĂ€gern.