Gespaltenes Verhältnis zu Bitcoin & Co.: Von „Geld der Zukunft“ bis unseriös und undurchsichtig

Die Meinungen zu virtuellen Währungen wie Bitcoin & Co. als Alternativen zu gängigen Zahlungsmitteln sind gespalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung von Internetnutzern der Teams des Marktwächters Finanzen aus den Verbraucherzentralen Hessen und Sachsen. Jeder Zehnte, dem Kryptowährung ein Begriff war, konnte sich vorstellen, zu investieren. Die Mehrheit sieht die digitalen Währungen jedoch kritisch.

Gespaltenes Verhältnis zu Bitcoin & Co.: Von „Geld der Zukunft“ bis unseriös und undurchsichtig

Gespaltenes Verhältnis zu Bitcoin & Co.: Von „Geld der Zukunft“ bis unseriös und undurchsichtig – pixabay.com ©vjkombajn (Creative Commons CC0)

Bitcoin, Ripple oder Ethereum sind digitale Zahlungsmittel, die sich unabhängig von Zentralbanken entwickeln und unter dem Begriff „Kryptowährungen“ zusammengefasst werden. Mittlerweile existiert eine Vielzahl dieser Angebote. Sie sind keine gesetzlichen Zahlungsmittel, werden aber wegen der Chancen auf Kursgewinne auch als Geldanlage und Spekulationsobjekt genutzt.

Nur wenige würde Kyptowährungen kaufen

Mehr als die Hälfte (55 Prozent) der befragten Internetnutzer kennt den Begriff Kryptowährung; doch nur jeder Dritte kann Kryptowährungen laut eigener Aussage auch erklären. Unter denjenigen, die Kryptowährungen kennen, wurde die Investitionsbereitschaft abgefragt: Für etwa jeden Zehnten ist ein Kauf eine Option (elf Prozent); weitere elf Prozent sind unentschlossen. 77 Prozent können sich nicht vor-stellen, Kryptowährungen zu kaufen. Unter den Jüngeren (18 bis 29 Jahre) ist die Investitionsbereitschaft am ausgeprägtesten: Hier ist der Kauf für drei von zehn Befragten (28 Prozent) denkbar. „Anleger müssen jedoch wissen: Kryptowährungen als Geldanlage sind Grauer Kapitalmarkt. Regulierung und Anlegerschutz gibt es nicht“, sagt Wolf Brandes, Teamleiter Marktwächter Finanzen mit dem Schwerpunkt Grauer Kapitalmarkt bei der Verbraucherzentrale Hessen.

Diejenigen Befragten, die sich den Kauf von Kryptowährungen vorstellen können, nennen als wichtiges Argument die Chance, spekulieren und hohe Gewinne erzielen zu können (26 Prozent). Die Einschätzung, Bitcoin & Co. seien das „Geld der Zukunft“ teilen 17 Prozent der Befragten.

Befragte Verbraucher sehen hohe Risiken bei Bitcoin & Co.

Befragt nach dem Risiko, beurteilten 70 Prozent derjenigen, die den Begriff Kryptowährung kennen, eine Investition in virtuelle Währungen als eher riskant oder sehr riskant. Auch hier unterscheiden sich die Einschätzungen in den Altersgruppen stark: So werteten in der Gruppe der 30- bis 39-jährigen nur 54 Prozent die Anlage als eher riskant oder sehr riskant. „Leichtfertig sollten aber auch jüngere Anleger nicht investieren“, sagt Brandes. „Die damit einhergehenden Risiken reichen bis zum Totalverlust des angelegten Geldes. Zudem beobachten wir schon seit längerem, dass zwielichtige Anbieter besonders in Sozialen Medien aktiv sind. Sie locken offenbar gezielt jüngere Verbraucher, zum Beispiel mit einem vielversprechenden Investment rund um die neuen Kryptowährungen. Dahinter stecken aber oft mehrstufige Vergütungspläne, die vermutlich Schneeballsysteme sind – oder das investierte Geld ist am Ende einfach weg und der Anbieter nicht mehr erreichbar. Wir haben vor diesen Maschen schon mehrfach gewarnt.“

Bei Kryptowährungen als Zahlungsmittel überwiegt Skepsis

Wie schon eine Marktwächter-Umfrage zur Bargeldnutzung gezeigt hat, verhält sich die Mehrheit der Verbraucher gegenüber technischen Entwicklungen im Finanzbereich eher zögerlich: Der Hang zum Bargeld ist nach wie vor groß und die Akzeptanz und breite Verwendung von Mobile Payment eher gering. „Auch bei Kryptowährungen überwiegt insgesamt die Skepsis gegenüber dem Vertrauen. Daneben akzeptieren momentan wenige Anbieter Kryptowährungen als Zahlungsmittel. Ob diese von einer Randerscheinung zu einer echten Zahlungsalternative für Verbraucher werden, ist derzeit noch völlig offen“, sagt Kerstin Schultz, Teamleiterin Marktwächter Finanzen mit dem Schwerpunkt Bankdienstleistungen und Konsumentenkredite bei der Verbraucherzentrale Sachsen.

Die Möglichkeit, mit Kryptowährungen einfach und schnell zu bezahlen, wissen immerhin elf Prozent der potenziellen Käufer schon jetzt zu schätzen. Weitere zehn Prozent nennen die Zahlungssicherheit und fünf Prozent die Anonymität als Positivmerkmale von Kryptowährungen. Gegen den Kauf von Kryptowährungen spricht aus Sicht der skeptischen Befragten die Unsicherheit. Insbesondere aufgrund unseriöser Angebote und angesichts fehlender Regulierung führt dies bei 21 Prozent der Befragten eher zur Ablehnung des virtuellen Geldes.

Umfrage zu Kryptowährungen  – Methode: Online-Panel (omninet), Stichprobengröße: n = 1016, Stichprobenbeschreibung: repräsentative Abbildung deutschsprachiger Internetnutzer ab 18 Jahren, Zeitraum der Durchführung: 16. bis 18.07.2018, durchführendes Institut: forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH. Statistische Fehlertoleranz: max. +/- 3 Prozentpunkte.

Mit den  Marktwächtern beobachten und analysieren der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und alle 16 Verbraucherzentralen den Markt in Deutschland, um Missstände früh zu erkennen und auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen. In erster Linie nutzen sie dafür Erkenntnisse aus Beratungsgesprächen in den Verbraucherzentralen und erweitern damit die Marktbeobachtung in Deutschland um die bislang fehlende Verbraucherperspektive.



Kategorien: Recht & Sicherheit

Schlagworte: