Tradition ist kein Geschäftsmodell!

Roboter melken Kühe, Handwerker arbeiten mit VR-Brille statt mit Zollstock, in Büros gibt es dank einer besseren Vernetzung ein effizienteres Arbeiten und Kommunizieren, Händler liefern die Lebensmittel an die Haustür und eine App berichtet über freie Parkplätze in der City: Die Digitalisierung findet überall statt, im Handel, in der Logistik, in wirtschaftlichen Produktionsketten, im Haushalt oder im privaten Bereich mit dem Smartphone.

Digitale Lösungen bedeuten einen enormen Fortschritt. Doch viele Unternehmen und Shopbetreiber gehen die Digitalisierung nicht entschlossen an. „Digital ist nicht egal“, lautet das Kredo von Michael Schäfer, dem Geschäftsführer der justSelling aus Rheinberg. „Unternehmen, die den Anschluss nicht verlieren und wettbewerbsfähig bleiben möchten, müssen sich mit dem digitalen Wandel auseinandersetzen, ihn verstehen lernen und sich verändern. Wer jetzt nicht dranbleibt, ist in fünf Jahren nicht fünf Jahre zurück, sondern im Vergleich zu den Konkurrenten, die drangeblieben sind, 10 Jahre hinterher.“

Die justSelling unterstützt Unternehmen aus dem Handel bei der erfolgreichen Umsetzung und Platzierung von Shop- und E-Commerce-Lösungen. „Unserer Ansicht nach schöpfen viele Betriebe die Potenziale der Digitalisierung nicht aus. Wir sehen Bedarf und Markt, Mut und Verunsicherung, Initiative und Zurückhaltung“, sagt Schäfer aus seiner Erfahrung.

Tradition ist kein Geschäftsmodell!

Tradition ist kein Geschäftsmodell!
pixabay.com ©TeroVesalainen (Creative Commons CC0)

Frage: Warum stecken viele Untenehmen noch in einer Komfortzone?

Schäfer: „Unsere Gesprächspartner wissen oft nicht, welche Aspekte sie in den Fokus rücken sollen, wie eine sinnvolle Planung für ihr Unternehmen aussieht und welche Chancen sich in den nächsten 5 Jahren ergeben? Der Weg wirkt beschwerlich und komplex. Es fehlt oft auch an Fantasie und Wissen. Viele Unternehmen kennen leider die Relevanz für das Online-Geschäft im Vergleich zum Wettbewerb und zur Branche nicht. Das sind absolut wichtige Kennzahlen.

Stattdessen eifern sie Amazon nach. Amazon ist ein Umsatzkanal. Man kann vom Kundenzugang profitieren – mehr nicht. Eine Amazonisierung macht für Händler die Akquise von neuen Kunden nahezu unmöglich, zumal schon knapp jeder zweite Euro Umsatz im deutschen Online-Handel an Amazon fließt. Außerdem ist Amazon nicht nur beim Online-Einkauf omnipräsent. Auch die Bedeutung als Produktsuchmaschine ist seit 2013 signifikant gestiegen. Im gleichen Maße nimmt die Frequenz zur Recherche bei anderen Anbietern dramatisch ab.“

Frage: Was hält diese Händler ab, mit den veränderten Kundenerwartungen Schritt zu halten?

Schäfer: „Das Wort Digitalisierung ist mit vielen Ängsten verbunden. Warum? Die Kombination aus einem smarten Store und einer E-Commerce-Präsenz bedeutet für Kunden ein vernetztes Einkaufserlebnis. Sie werden personalisiert über intelligente Services angesprochen. Das ist ein erster Schritt in eine richtige Ausrichtung. Wir stellen bei Store- aber auch Webshop-Betreibern fest, dass viele Unternehmer eine inhaltliche Befasstheit zum Thema Digitalisierung haben. Wer jetzt nicht umdenkt und sein Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellt, der wird verlieren. Ich habe den Eindruck, dass es diesen Personen an Gründergeist fehlt.“

Frage: Für viele sind Amazon & Co Vorbilder. Muss man diese Marktplätze verfolgen?

Schäfer: „Das Tempo von Veränderungen in Märkten, Technologien sowie Prozess- und Wertschöpfungsketten sorgt für eine Verbesserung der Effizienz und Produktivität, aber auch für einen intensiveren Kontakt mit Verbraucher. Vernetzte Technologien bieten für ein zukünftiges Marketing enorme Chancen. Eine ausschließliche Nachahmung von Amazon & Co hilft nicht, weil sich Amazon schon nachhaltig und umfassend bei den Konsumenten verankert hat. Wenn ein Kunde ein Produkt benötigt, liefert es ihnen Amazon – meist sogar portofrei. Der Prime-Kosmos erweitert sich ständig, aber nicht einmal eBay schafft es, ihn nachzubauen.“

Frage: Es ist also höchste Zeit für innovatives Denken, Interaktion und Vernetzung.

Schäfer: „Definitiv. Es gibt Optionen, trotz der mächtigen Stellung von Amazon. Vor dem Hintergrund des digitalen Wandels entsteht neues und verschwindet altes, entwickeln sich neue Denk- und Verfahrensweisen. Das gilt besonders für den E-Commerce, das Marketing, die Personalisierung und viele Prozesse in Unternehmen. Für Händler wird das Alltagsgeschäft vereinfacht – sei es die Kommunikation mit den Kunden, die Bestellmöglichkeiten beim Lieferanten oder die Absprachen mit Geschäftspartnern.“

Frage: Jetzt sind Ideen gefragt, die nicht aus der Schablone sind. Können das Unternehmen und der Onlinehandel so leisten?

Schäfer: „Die technische Digitalisierung alleine rettet nicht den Handel. Meiner Ansicht nach ist die digitale Zukunft des Handels menschlich. Die Verbraucher benötigen einen Mehrwert, denn ein Kauf wird meist besser durch Amazon abgewickelt. Im Mittelpunkt stehen Begegnungen. So macht Technologie im menschlichen Austausch Sinn. Es geht nicht um den Umsatz pro Quadratmeter, sondern um das Erlebnis pro Quadratmeter.

Der Webshop und die technologische Infrastruktur von Smartphone, Laptop oder Tablet sind dabei eine gelebte Ergänzung für eine wirklich kanalübergreifende Kundenkommunikation. Es wird gebloggt, gepostet, gechattet, gestreamt, die soziale Welt rundum eingebunden, also WhatsApp bespielt, Facebook sowieso, aber auch Twitter, Instagram, Pinterest, Tumblr und Youtube. Der Umsatz findet später im angeschlossenen Webshop statt. Das alles funktioniert, wenn man offen ist zum Ausprobieren und die Mitarbeiter einbindet.“

Frage: Dabei darf man durchaus auch digital und vernetzt denken.

Schäfer: „Ein Träumchen! Wenn der Kunde mit einem Blechotto reden will, dann kann er das auch von der Couch aus tun. In Shops können beispielsweise neue Märkte und Zielgruppen mit Instagram-Momenten erobert werden! Wie? Im Laden werden dekorative Elemente für Instragram-taugliche Objekte geschaffen und so auf Umsatzfläche verzichtet. Das ist dann in Verbindung mit der Beratung ein Mehrwert. Wenn E-Commerce, Technik und Content eine Einheit bilden, hat der Verbraucher auch richtig Lust und Laune zum Einkaufen und begleitet uns lange auf einer digitalen Reise. Der Händler hat die Erwartungshaltung und Wünsche des Kunden verstanden und umgesetzt. So ist eine individualisierte Kommunikation für ein kanalübergreifendes Kaufverhalten in Zukunft möglich.“

Frage: Was ist Ihr Wunsch?

Schäfer: Die digitale Herausforderung ist für den stationären Handel und für Webshops keine große Hürde. Einfach mal etwas ausprobieren. Innovation wird dann zu einem Firmenleitbild und ist somit ein Geschäftsprinzip. Es muss nur klar sein, dass Tradition kein Geschäftsmodell ist.“

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Michael Schäfer ist Geschäftsführer von justSelling. Michael hält ein Diplom in Informatik, welches er im Jahr 1996 an der Technischen Universität in Clausthal erhielt.
Nach seinem Informatikstudium war er in verschiedenen leitenden IT Positionen im Bereich der Telekommunikations­industrie tätig. Im Jahr 2002 wechselte Michael als neuer technischer Leiter zur conVISUAL AG nach Oberhausen.

Seit dem Jahr 2005 arbeitet er im Bereich von E-Commerce Projekten. Zuerst verstärkt auf Basis der Shopsoftware Systeme xt-commerce und os-commerce sowie dem Fokus auf der Vermarktung über die Ebay Plattform. Im Jahr 2008 gründete er justSelling, die sich nunmehr ausschließlich mit der Implementierung von E-Commerce Projekten auf Basis von Magento und Shopware beschäftigt. Durch seine langjährige Erfahrung im Bereich Mobile bringt er ideale Startvoraussetzungen für den Einstieg in den Bereich M-Commerce mit. Mit nunmehr fast 10 Jahren Erfahrung ist er einer der führenden E-Commerce Experten in Deutschland.

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Kategorien: Praxistipps

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