So steht es um deutsche Familienunternehmen

Familienunternehmen stehen für Traditionen, Wertigkeit und Vertrauen. Doch immer öfter verstören die Nachrichten von sich auflösenden Familienunternehmen dieses Idealbild. Was ist dran an der sogenannten Nachfolgelücke? Wir fassen zusammen.

Familienunternehmen gelten als sichere Bank im Wirtschaftssektor. Von den rund 3,2 Millionen deutschen Unternehmen sind derzeit rund 87 Prozent eigentümergeführte Familienunternehmen, die gut die Hälfte aller Erwerbstätigen beschäftigen. Selbst während der Wirtschaftskrise konnten Familienunternehmen ihre Mitarbeiterzahl weiter erhöhen, während der Rest Stellen abbauen musste. Sie erweisen sich also selbst in rezessiven Phasen als stabil und sind deshalb auch als Arbeitgeber beliebt.

Doch das idealisierte Bild des harmonischen Familienunternehmens gerät in letzter Zeit immer häufiger ins Wanken und hinterlässt zwiespältige Gefühle. So gibt es zwar auf der einen Seite Familienunternehmen wie den Hemden- und Männermodespezialist Walbusch, die seit vielen Jahrzehnten erfolgreich agieren. Doch auf der anderen Seite stehen Unternehmen wie C&A, die mit dem bevorstehenden Unternehmensverkauf nach China Schlagzeilen gemacht haben und bei Kunden das Gefühl hinterlassen, dass die wirtschaftliche Stabilität von Familienunternehmen nachlässt.

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Unternehmer erfinden sich neu

Denn C&A ist kein Einzelfall. Immer wieder kommt es in der letzten Zeit dazu, dass sich Familien von ihren Unternehmen trennen oder wesentliche Teile verkaufen. Einer der Gründe dafür ist, dass Familien häufig keinen Nachfolger in den eigenen Reihen finden. In jedem dritten Fall wollen sich die Kinder in anderen Bereichen verselbstständigen. In jedem fünften Fall wiederum haben die Inhaber keine Kinder. Doch wegen eines fehlenden Erben in der Familie schließt kaum ein Unternehmen – mehr als 90 Prozent der Familienunternehmen greifen stattdessen auf außerfamiliäre Nachfolger zurück. Bei dessen Auswahl hat der Erhalt der Firma für die meisten Familienunternehmen oberste Priorität.

Im Beispiel C&A hat der Verkauf beispielsweise gute Gründe; So haben die Inhaber jahrelang versucht, ihre Kaufhäuser zu modernisieren, doch e-Commerce Unternehmen wie Zalando waren schneller und haben das Familienunternehmen in puncto Preis und Komfort geschlagen. Das eine Familie dann einen neuen Investor sucht, um die Firma weiter erfolgsversprechend zu führen, scheint verständlich. Auch erfolgreiche Firmen wie Hexal haben ihr Familienerbe aufgeben, um den Erlös in neue Biotech-Firmen zu stecken.

Die Gründe für einen Verkauf sind folglich vielseitig – doch sie werden getätigt, um den Erfolg und das Ansehen eines Familienunternehmens auch in Zukunft beizubehalten.

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Frank Weyermann
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