GfK-Konsumklimastudie April 2018: Verunsicherung lässt Konsumklima leicht sinken

Die zunehmend unsichere geopolitische Lage scheint nun auch die Stimmung der Verbraucher zu beeinflussen. Die Konjunkturerwartung verliert spürbar im April, während die Einkommenserwartung nur vergleichsweise geringe Einbußen hinnehmen muss. Dagegen behauptet sich die Anschaffungsneigung auf sehr hohem Niveau. GfK prognostiziert für Mai einen Rückgang des Konsumklimas gegenüber dem Vormonat um 0,1 Zähler auf 10,8 Punkte.

Die Konfrontation des Westens mit Russland im Syrienkonflikt verschärft sich und sorgt bei den Verbrauchern offenbar für zunehmende Verunsicherung im Hinblick auf die weiteren konjunkturellen Aussichten Deutschlands. Die Konjunkturerwartung muss im April einen spürbaren Dämpfer hinnehmen. In deren Schlepptau verliert auch die Einkommenserwartung, jedoch in weitaus geringerem Umfang. Dagegen behauptet die Anschaffungsneigung ihr ohnehin sehr hohes Niveau.

GfK-Konsumklimastudie April 2018: Verunsicherung lässt Konsumklima leicht sinken

GfK-Konsumklimastudie April 2018: Verunsicherung lässt Konsumklima leicht sinken
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Verunsicherung lässt Konjunkturoptimismus schwinden

Nach der stabilen Entwicklung im Vormonat erleidet der Konjunkturoptimismus im April einen Rückschlag. Der Indikator Konjunkturerwartung verliert 8,5 Zähler und sinkt auf 37,4 Punkte. Damit liegt er nur noch knapp sieben Zähler über seinem entsprechenden Vorjahresniveau.

Die Zuspitzung der Syrienkrise sowie die protektionistische Handelspolitik der USA beunruhigen die Verbraucher und könnten nun doch auch die bislang exzellenten wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands beeinträchtigen. Verschärft wird die Entwicklung zudem durch die starken Schwankungen an den Aktienmärkten, die ebenfalls auf eine aufkommende Verunsicherung der Marktteilnehmer und turbulentere Zeiten hindeuten.

Mit dem sinkenden Optimismus stehen die Konsumenten jedoch nicht alleine. Auch die Unternehmen sowie die Finanzanalysten zeigen sich beunruhigt, wie die Entwicklung des ifo-Geschäftsklimas bzw. der ZEW-Konjunkturerwartungen belegen.

Dabei sind die Rahmenbedingungen im Inland nach wie vor überaus günstig. Die Beschäftigung verzeichnet Monat für Monat neue Rekordstände und die Arbeitslosigkeit sinkt. Folglich haben die Experten ihre Wachstumsprognosen für dieses Jahr zuletzt sogar noch angehoben und gehen in der Mehrzahl davon aus, dass das letztjährige Wachstum von 2,2 Prozent in 2018 sogar noch übertroffen werden kann.

Einkommenserwartung im Sog der Konjunkturaussichten

Die Einkommenserwartung kann sich im April dem Abwärtstrend der Konjunkturaussichten nicht ganz entziehen. Jedoch sind die Verluste vergleichsweise gering. Der Einkommensindikator sinkt um 1,4 Zähler und weist immer noch stolze 53,5 Punkte auf. Allerdings steht nun im Vergleich zum Vorjahr erstmals seit Januar wieder ein Minus zu Buche (-4 Punkte).

Im Sog sinkender Konjunkturerwartungen büßen damit auch die Einkommensaussichten etwas ein. Trotz der leichten Verluste bleibt aber der generelle Einkommensoptimismus nach wie vor erhalten. Stabile Beschäftigungsaussichten sorgen für gute Einkommenszuwächse bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Dank der anhaltend moderaten Inflation verbleibt den Beschäftigten auch real mehr in ihren Geldbeuteln. Von der positiven Lohnentwicklung werden auch die Rentner profitieren können, deren Bezüge ab Juli dieses Jahres um gut drei Prozent steigen werden.

Anschaffungsneigung kann sich behaupten

Von sinkenden Konjunktur- und Einkommenserwartungen unbeirrt, behauptet die Konsumlaune der Bundesbürger ihr überaus gutes Niveau. Nach einem kleinen Plus von 0,9 Zählern steigt die Anschaffungsneigung auf 60 Punkte. Der Index hat damit fast exakt sein Vorjahresniveau erreicht. Im April 2017 wurden 60,2 Punkte gemessen.

Die Konsumlaune ist weiterhin überaus hoch. Die Konsumenten sind nach wie vor bereit, ihre Geldbeutel für Konsumausgaben zu öffnen. Zum einen herrscht aufgrund der exzellenten Beschäftigungslage nur geringe Angst, den Job zu verlieren. Dies sorgt für Planungssicherheit, was in erster Linie größeren Ausgaben zugutekommen dürfte. Da außerdem die Niedrigzinsphase im Euroraum noch anhalten wird, ist das Sparen keine attraktive Alternative. Eine moderate Preisentwicklung wird die Konsumlaune zudem stützen.

Verunsicherung dämpft Konsumklima

Nach 10,9 Zählern im April prognostiziert GfK für Mai 2018 einen Wert von 10,8 Punkten. Damit sind die Gewinne des Vormonats wieder verschwunden. Das Konsumklima weist momentan eine auf gutem Niveau stagnierende Entwicklung auf. GfK bestätigt seine zu Beginn dieses Jahres vorgenommene Prognose, wonach der reale private Konsum 2018 um etwa zwei Prozent zulegen wird, und damit etwa so stark wie im vergangenen Jahr.

Dies setzt allerdings voraus, dass die aufgekommene Verunsicherung der Verbraucher nicht weiter gefördert wird. Wird der Handelskonflikt mit den USA schnell beigelegt sowie eine politische Lösung des Syrienkonflikts gefunden, steigen auch die Chancen, dass die Verunsicherung an den Finanzmärkten wieder schwindet und damit auch deren Volatilität.

Eine weitere Verschärfung dieser Konflikte würde auch das Konsumklima nachhaltig beeinträchtigen. Vor allem zunehmender Protektionismus im internationalen Handel würde die Exportnation Deutschland treffen, die Angst vor Jobverlust der Beschäftigten und damit die Kaufzurückhaltung wieder steigen lassen. In diesem Falle wäre die Konsumprognose sicherlich nicht zu halten.

Zur Studie

Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie „GfK-Konsumklima MAXX“ und basieren auf monatlich rund 2.000 Verbraucherinterviews, die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. In diesem Report werden die Indikatoren grafisch aufbereitet, prognostiziert und ausführlich kommentiert. Darüber hinaus finden sich darin auch Informationen über die Ausgabevorhaben der Verbraucher für 20 Bereiche der Gebrauchsgüter-, Verbrauchsgüter- und Dienstleistungsmärkte. Die GfK-Konsumklimastudie wird seit 1980 durchgeführt.

Das Konsumklima bezieht sich explizit auf die gesamten privaten Konsumausgaben. Der Einzelhandel macht jedoch – je nach Abgrenzung – lediglich etwa 30 Prozent der privaten Konsumausgaben aus. Der Rest sind Dienstleistungen, Reisen, Miete, Gesundheitsdienstleistungen sowie der gesamte Wellness-Bereich.

GfK prognostizierte für das vergangene Jahr 2017 einen Anstieg des privaten Konsums von mindestens 1,5 Prozent. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Konsumausgaben im Jahr 2017 real um etwa 2,2 Prozent. Auch hierbei geht es nicht um die Einzelhandelsumsätze, sondern um die gesamten Konsumausgaben der Verbraucher.

Die Anschaffungsneigung ist – wie alle anderen Indikatoren auch – ein Stimmungsindikator. Sie fragt, ob die Verbraucher es derzeit für ratsam halten, größere Anschaffungen zu tätigen. Selbst wenn sie dies mit „Ja“ beantworten, müssen noch zwei weitere Voraussetzungen für einen Kauf vorhanden sein: Der Verbraucher muss das nötige Geld für eine solche größere Anschaffung besitzen und auch eine Notwendigkeit für diese Anschaffung sehen. Zudem handelt es sich hier tatsächlich ausschließlich um langlebige Gebrauchsgüter, die auch ein größeres Budget erfordern.

Die Ergebnisse der Stimmungsbefragung stammen aus monatlich durchgeführten persönlichen Interviews bei etwa 2.000 Personen, die repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland sind. Dieses Befragungsinstrument unterliegt ständigen Qualitätskontrollen, vor allem auch im Hinblick auf seine Repräsentativität. Die ausgesprochen hohe Qualität dieser Erhebung zeigt sich auch daran, dass sie für Umfragen im Bereich der empirischen Rechtsforschung (z.B. Verwechslungsgefahr von Produkten) verwendet und anerkannt ist. Das heißt, die Ergebnisse haben Gutachterqualität und müssen jeweils vor Gericht standhalten.

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Die GfK mit Sitz in Nürnberg ist das größte deutsche Marktforschungsinstitut, derzeit weltweit die Nummer fünf der Branche. Die GfK ist seit März 2017 im mehrheitlichen Besitz (96,7 %) des Investmentfonds Acceleratio Capital N.V., einer Holdinggesellschaft des amerikanischen Private Equity-Konzerns Kohlberg Kravis Roberts & Co..

Das Unternehmen erhebt die Einschaltquoten für das Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Gemeinde Haßloch dient als durchschnittlicher Ort als Testmarkt für das Instrument GfK BehaviorScan, mit dem vor allem die Wirkung von Fernsehwerbung untersucht und die Neueinführung von Produkten simuliert wird. Vom Unternehmen wird unter anderem auch der GfK-Konsumklimaindex errechnet.

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Kategorien: Marktentwicklung

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