Marktwächter finden Verstöße bei der Online-Kennzeichnung von Bioprodukten

822 Lebensmittel-Online-Händler hatte das Marktwächter-Team der Verbraucherzentrale Brandenburg im Jahr 2016 identifiziert. Wie hat sich der Markt ein Jahr später entwickelt? Das untersuchten die Marktwächterexperten und fanden insgesamt 989 Lebensmittel-Online-Händler: „Der Markt hat sich innerhalb eines Jahres stark verändert. Einige Händler sind nicht mehr am Markt, während neue hinzugekommen sind. Insgesamt beobachten wir ein Wachstum von E-Food“, sagt Dr. Kirsti Dautzenberg, Teamleiterin des Marktwächters Digitale Welt in der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Hohe Dynamik im Markt für frische Produkte

„Aber auch die Anzahl der Lebensmittel-Online-Händler, die frische Produkte versenden, stieg seit dem Jahr 2016 von 179 auf 313 in 2017*. Es kamen nicht nur neue Händler hinzu, auch bestehende erweiterten ihr Sortiment und nahmen frische Produkte auf“, so Dautzenberg weiter.

Bei den Frische-Händlern dominieren nach wie vor die Verkäufer von Feinkost und Spezialitäten – Lebensmittel die in den gewöhnlichen Auslagen der Supermärkte nicht zu finden sind. Doch auch vegane Lebensmittel liegen im Trend. So haben sich mehrere Händler etabliert, die ausschließlich vegane Ersatzprodukte vertreiben. Von den identifizierten Lebensmittel-Online-Händlern bieten bereits 20 Prozent frische vegane Produkte an**.

Marktwächter finden Verstöße bei der Online-Kennzeichnung von Bioprodukten

Marktwächter finden Verstöße bei der Online-Kennzeichnung von Bioprodukten
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Verbraucher besuchen bevorzugt Online-Supermärkte

Die Marktwächter untersuchten auch die Besucherzahlen der Webseiten aller Online-Lebensmittel-Händler für die Monate Oktober bis Dezember 2017***. Gefragt bei den Nutzern waren insbesondere Online-Supermärkte, die ein umfangreiches Sortiment frischer Lebensmittel anbieten. Aber auch Feinkost-Händler und Anbieter von veganer oder sogenannter „Frei von“-Produkte (z.B. ohne Gluten oder Laktose) wurden in dem untersuchten Zeitraum häufig von Verbrauchern besucht.

Mängel bei der Kennzeichung von Bioprodukten

Sowohl bei 120 Online-Händlern, die vereinzelt Bioprodukte im Angebot haben, als auch 25 Biohändlern, mit ausschließlich oder überwiegend Bioprodukten im Sortiment, kommen nicht alle ihrer Kennzeichnungspflicht nach: „Nicht an allen Produkten wurde die notwendige Codenummer ausgewiesen. Sie weist auf die maßgebliche Kontrollstelle für die Bio-Zertifizierung hin“, so Dautzenberg. Hier liegt ein Verstoß gegen geltendes Recht vor. Sophie Herr, Leiterin des Teams Lebensmittel beim Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. stellt klar: „Alle Online-Händler, die Bioprodukte vertreiben, haben ihrer Zertifizierungspflicht nachzukommen. Sie müssen dem Verbraucher am Produkt die Codenummer zur Verfügung stellen, damit er die maßgebliche Kontrollstelle für die Bio-Zertifizierung erkennen kann. Nur so entspricht die Kennzeichnung der im stationären Handel.“ Das Team der Marktwächter der Verbraucherzentrale Brandenburg wird den Verstößen rechtlich nachgehen.

Methodik

* Die Websuche nach Lebensmittel-Online-Händlern erfolgte über die Ermittlung von  relevanten Keywords und einer systematischen Google-Suche. Weitere Details zur methodischen Vorgehensweise der Online-Recherche finden sich im Ergebnisbericht.

** Die Kennzeichnung der veganen Produkte war nicht Gegenstand der Untersuchung. Bei der Erhebung wurden erstmalig sehr häufig frische vegane Ersatzprodukte vorgefunden. Sie wurden deshalb als gesonderte Warengruppe in die Untersuchung aufgenommen.

*** Die Ermittlung der Zugriffszahlen auf die Webseiten der Frischehändler erfolgte über similarweb.com (Free Pro Version). SimilarWeb ist eine Plattform, die Big Data Technologien nutzt, um Statistiken über die Nutzung von Webseiten zu messen und zu analysieren. Methodisch basieren die angegeben Werte auf statistischen Schätzwerten.

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Marktwaechter

Mit den  Marktwächtern beobachten und analysieren der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und alle 16 Verbraucherzentralen den Markt in Deutschland, um Missstände früh zu erkennen und auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen. In erster Linie nutzen sie dafür Erkenntnisse aus Beratungsgesprächen in den Verbraucherzentralen und erweitern damit die Marktbeobachtung in Deutschland um die bislang fehlende Verbraucherperspektive.

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Kategorien: E-Food, Gesetz, Sicherheit

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