GfK-Konsumklimastudie für März 2018: Konsumklima legt wieder zu

Die Verbraucherstimmung in Deutschland stabilisiert sich im März nach dem kleinen Rückschlag des Vormonats. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung als auch die Anschaffungsneigung legen wieder zu. GfK prognostiziert für April einen Anstieg des Konsumklimas gegenüber dem Vormonat um 0,1 Zähler auf 10,9 Punkte.

Offenbar handelte es sich bei der Stimmungsabschwächung im Februar nur um eine kleine Delle, wenn auch die Verluste des Vormonats nur zum Teil kompensiert werden können. Die Entscheidung der SPD-Mitglieder in eine große Koalition einzutreten, hat zudem die Stimmung nicht signifikant beeinflusst. Das zeigt eine getrennte Auswertung der Daten für den Zeitraum vor und nach der Bekanntgabe des Ergebnisses. Insgesamt ist der Optimismus der Konsumenten nach wie vor sehr ausgeprägt. Auch die Kauflaune ist weiterhin hoch.

Konjunkturerwartung stabilisiert sich mit kleinen Zugewinnen 

Der deutliche Rückgang der Konjunkturerwartung im Februar hat sich aktuell nicht fortgesetzt. Mit einem kleinen Zuwachs von 0,3 Zählern stabilisiert sich der Indikator zum Ende des ersten Quartals bei 45,9 Punkten. Neben dem hohen Niveau belegt zudem ein Plus von knapp 28 Punkten gegenüber dem Vorjahresmonat den anhaltend großen Konjunkturoptimismus der Bundesbürger.

GfK-Konsumklimastudie für März 2018: Konsumklima legt wieder zu

GfK-Konsumklimastudie für März 2018: Konsumklima legt wieder zu
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Der deutsche Konjunkturmotor läuft derzeit rund und mit sehr hoher Drehzahl. Das sehen auch die Verbraucher so. Sie gehen davon aus, dass dies auch in den kommenden Monaten der Fall sein wird. Vor allem die exzellente Verfassung des Arbeitsmarktes liefert das entscheidende Argument für ihren Optimismus. Nach den Prognosen soll in diesem Jahr die Zahl der Erwerbstätigen noch einmal um etwa eine halbe Million steigen sowie die Zahl der registrierten Arbeitslosen noch einmal leicht sinken.

Folglich erwarten die Experten für dieses Jahr beim Bruttoinlandsprodukt eine ähnlich gute Entwicklung wie im vergangenen Jahr. 2017 wuchs die deutsche Wirtschaft nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 2,2 Prozent. Das ifo Institut geht in seiner jüngsten Konjunkturprognose sogar davon aus, dass das Wachstum in diesem Jahr 2,6 Prozent betragen wird.

Einkommenserwartung mit leichtem Anstieg

Auch bei der Einkommenserwartung ist ein möglicher Abwärtstrend zumindest vorerst gestoppt. Der Indikator gewinnt 1,1 Zähler hinzu und weist nun 54,9 Punkte auf. Seine überaus gute Verfassung verdeutlicht zudem ein Plus von 11,5 Punkten gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres.

Aufgrund eines sehr stabilen Arbeitsmarktes erwarten die Verbraucher auch weiterhin eine überaus solide Einkommensentwicklung. Eine auch in den kommenden Monaten moderate Inflation stützt diese Einschätzung. Die in weiten Teilen der Wirtschaft lebhafte Nachfrage nach Arbeitskräften gibt zudem Raum für Lohn- und Gehaltssteigerungen. Und von der guten Lohnentwicklung profitieren auch die gesetzlichen Renten. So sollen ab Juli dieses Jahres die gesetzlichen Altersbezüge um gut drei Prozent steigen. So werden neben den Beschäftigten auch die Rentner real spürbar mehr in ihren Geldbeuteln haben.

Anschaffungsneigung kompensiert Großteil der Vormonatsverluste

Die größten Zugewinne von den drei Stimmungsindikatoren verzeichnet in diesem Monat die Anschaffungsneigung. Mit einem Plus von 2,8 Zählern kann der Indikator einen wesentlichen Teil seiner Verluste aus dem Februar wieder wettmachen. Damals betrug das Minus 4,1 Punkte. Aktuell weist er 59,1 Punkte auf, knapp vier Punkte mehr als vor Jahresfrist. Damit setzt die Konsumstimmung ihren leichten Aufwärtstrend wieder fort.

Stabile Konjunktur- und Einkommensaussichten auf hohem Niveau stützen die Konsumneigung. Die exzellente Beschäftigungslage lässt derzeit wenig Angst vor Jobverlust aufkommen. Dies erhöht die Planungssicherheit der Verbraucher, die vor allem bei größeren Anschaffungen bzw. Ausgaben wichtig ist.

Konsumklima steigt wieder

Nach 10,8 Zählern im März prognostiziert GfK für April 2018 einen Wert von 10,9 Punkten. Damit nimmt das Konsumklima seinen Aufwärtstrend wieder auf. Die weiteren Aussichten für die Inlandsnachfrage in diesem Jahr bleiben somit sehr günstig. GfK bekräftigt seine zu Beginn dieses Jahres veröffentlichte Prognose, wonach die realen privaten Konsumausgaben 2018 mit etwa zwei Prozent in etwa so stark zunehmen werden wie im vergangenen Jahr, als nach Angaben des Statistischen Bundesamtes knapp zwei Prozent gemessen wurden.

In dieser Prognose wird unterstellt, dass die Bundesbürger von der Eskalation möglicher Risiken weitestgehend verschont bleiben. Dabei gilt die US-Handelspolitik derzeit als die größte Bedrohung. Sollten zum Beispiel die protektionistischen Tendenzen in den USA in einen Handelskrieg münden, bei dem Deutschland als Exportnation überaus stark betroffen wäre, würde dies auch das Konsumklima spürbar beeinflussen und das prognostizierte Konsumwachstum wäre sicherlich nicht zu halten.

Zur Studie

Die Ergebnisse sind ein Auszug aus der Studie „GfK-Konsumklima MAXX“ und basieren auf monatlich rund 2.000 Verbraucherinterviews, die im Auftrag der EU-Kommission durchgeführt werden. In diesem Report werden die Indikatoren grafisch aufbereitet, prognostiziert und ausführlich kommentiert. Darüber hinaus finden sich darin auch Informationen über die Ausgabevorhaben der Verbraucher für 20 Bereiche der Gebrauchsgüter-, Verbrauchsgüter- und Dienstleistungsmärkte. Die GfK-Konsumklimastudie wird seit 1980 durchgeführt.

Das Konsumklima bezieht sich explizit auf die gesamten privaten Konsumausgaben. Der Einzelhandel macht jedoch – je nach Abgrenzung – lediglich etwa 30 Prozent der privaten Konsumausgaben aus. Der Rest sind Dienstleistungen, Reisen, Miete, Gesundheitsdienstleistungen sowie der gesamte Wellness-Bereich.

GfK prognostizierte für das vergangene Jahr 2017 einen Anstieg des privaten Konsums von mindestens 1,5 Prozent. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes stiegen die Konsumausgaben im Jahr 2017 real um etwa 2,2 Prozent. Auch hierbei geht es nicht um die Einzelhandelsumsätze, sondern um die gesamten Konsumausgaben der Verbraucher.

Die Anschaffungsneigung ist – wie alle anderen Indikatoren auch – ein Stimmungsindikator. Sie fragt, ob die Verbraucher es derzeit für ratsam halten, größere Anschaffungen zu tätigen. Selbst wenn sie dies mit „Ja“ beantworten, müssen noch zwei weitere Voraussetzungen für einen Kauf vorhanden sein: Der Verbraucher muss das nötige Geld für eine solche größere Anschaffung besitzen und auch eine Notwendigkeit für diese Anschaffung sehen. Zudem handelt es sich hier tatsächlich ausschließlich um langlebige Gebrauchsgüter, die auch ein größeres Budget erfordern.

Die Ergebnisse der Stimmungsbefragung stammen aus monatlich durchgeführten persönlichen Interviews bei etwa 2.000 Personen, die repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland sind. Dieses Befragungsinstrument unterliegt ständigen Qualitätskontrollen, vor allem auch im Hinblick auf seine Repräsentativität. Die ausgesprochen hohe Qualität dieser Erhebung zeigt sich auch daran, dass sie für Umfragen im Bereich der empirischen Rechtsforschung (z.B. Verwechslungsgefahr von Produkten) verwendet und anerkannt ist. Das heißt, die Ergebnisse haben Gutachterqualität und müssen jeweils vor Gericht standhalten.

Die GfK mit Sitz in Nürnberg ist das größte deutsche Marktforschungsinstitut, derzeit weltweit die Nummer fünf der Branche. Die GfK ist seit März 2017 im mehrheitlichen Besitz (96,7 %) des Investmentfonds Acceleratio Capital N.V., einer Holdinggesellschaft des amerikanischen Private Equity-Konzerns Kohlberg Kravis Roberts & Co..

Das Unternehmen erhebt die Einschaltquoten für das Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland. Die Gemeinde Haßloch dient als durchschnittlicher Ort als Testmarkt für das Instrument GfK BehaviorScan, mit dem vor allem die Wirkung von Fernsehwerbung untersucht und die Neueinführung von Produkten simuliert wird. Vom Unternehmen wird unter anderem auch der GfK-Konsumklimaindex errechnet.



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