Amazon Fresh verliert etwa ein Drittel der lokalen Händler als Partner

Als Amazon Fresh vor knapp einem Jahr in Berlin startete, waren die Erwartungen groß. Der Lieferdienst setzte dabei vor allem auf die lokalen Händler, die er als «Lieblingsläden» bezeichnet. Doch diese scheinen an der Zusammenarbeit nicht mehr sonderlich interessiert zu sein. Das hat gleich mehrere Gründe.

Der Lebensmittel-Lieferdienst «Amazon Fresh» hat derzeit in Deutschland einen schweren Stand. Vor fast einem Jahr war die Zuversicht noch sehr groß, vor allem was die sogenannten «Lieblingsläden» betrifft. Als solche bezeichnet Amazon lokale Händler, deren Produkte sich durch eine gewisse Qualität auszeichnen. Dazu gehören Bäckereien, Kaffeeröster oder schlicht Feinkostgeschäfte. Als der Dienst in der Hauptstadt startete, hieß es: „Kunden profitieren mit Amazon Fresh zudem von einem großen Angebot aus mehreren Hundert Produkten von über 25 Berliner Lieblingsläden.“ Und Deutschland-Direktor Florian Baumgartner gab sich sehr selbstbewusst: „Wir glauben, dass unsere Kunden den Service schätzen werden, lokale Spezialitäten direkt an die Tür geliefert zu bekommen. Deshalb werden wir das Programm weiter ausbauen und neue Lieblingsläden aufnehmen: sowohl solche Läden, die von unseren Kunden vorgeschlagen wurden, als auch solche, von denen wir glauben, dass sie Qualitätsprodukte für unsere Kunden anbieten.“ Mittlerweile schlagen die Verantwortlichen leise Töne an, so leise, dass nur wenige mitbekommen haben, wie sich ein Lieblingsladen nach dem anderen aus der Partnerschaft löste.

Amazon Fresh verliert lokale Händler als Partner

Amazon Fresh verliert lokale Händler als Partner
pixabay.com ©3dman_eu (Creative Commons CC0)

Zu großer Aufwand für die lokalen Händler

Waren es anfangs noch 28 lokale Händler, mit denen Amazon Fresh kooperierte, sind es mittlerweile nur noch zwei Drittel. Verabschiedet haben sich hingegen Anbieter wie der Schokoladenhersteller Rausch, die Feinkostläden Maître Philippe et filles und Raamson, der Kaffeeröster Bonanza sowie der Smoothie- und Suppen-Lieferant dean & david. Für viele von ihnen scheint die Kooperation nicht lukrativ zu sein, weil sie enormen Aufwand mit sich bringt, der sich nur selten lohnt. Einige Händler berichten, dass sie ihre Fresh-Bestellungen an einen zentralen Ort bringen müssen, wo sie abgeholt werden. Somit sind die Lieblingsläden zum Teil in die Zustellung eingebunden. Trotzt dieser Bedingungen zeigen sich noch viele Partner bereit, die Entwicklung von Amazon Fresh noch eine Weile zu beobachten, bevor sie über einen Ausstieg nachdenken.

Das Kunden-Interesse ist gar nicht so groß

Neben diesen Schwierigkeiten muss Amazon Fresh verkraften, dass gar nicht so viele Kunden an Produkten lokaler Händler interessiert sind, wie der Internetriese vorher annahm. Die Bestellmengen bleiben jedenfalls unter den Erwartungen. Das könnte an der Auswahl der kooperierenden Lieblingsläden liegen. Nicht wenige Branchenbeobachter sehen den Grund aber in der Gestaltung der Fresh-Sartseite, auf der sich Amazon kaum zu bemühen scheine, für das Sortiment der jeweiligen Partner zu werben. Anders verhält es sich mit dem Angebot großer Industriehersteller, die zu den besser zahlenden Partnern gehören dürften. Diese Praktiken wirken auf die kleinen lokalen Händler nicht gerade attraktiv. Und so ist auch in München, wo Amazon Fresh erst im November startete, ein weiterer namhafter Partner vom Bord gegangen: die Bio-Supermarktkette Basic.

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Eugen Zentner ist als Redakteur für onlinemarktplatz.de und als freier Redakteur für die dpa-infocom GmbH tätig.

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Kategorien: Amazon, Onlinehandel allgemein

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