Studie zu Online-Versandverpackungen: Käufer erwarten ein angemessenes Verhältnis zum Inhalt und mögen kein voluminöses Füllmaterial

Aus wirtschaftlicher Sicht ist es natürlich erfreulich, dass der Online-Handel gedeiht. Für die Umwelt stellt das Wachstum jedoch ein Problem dar, weil sich dadurch auch der Verpackungsbedarf erhöht. Wie diesem Problem die deutschen Online-Käufer gegenüberstehen, erforschte vor Kurzem die STI Group. Das Ergebnis könnte die Händler zum Umdenken bewegen.

Mit dem steigenden Online-Handel wächst auch das Volumen an Paketen, die Logistik-Dienstleister täglich vom Verkäufer zum Kunden transportieren. Begünstigt wird diese Situation durch immer großzügigere Retouren-Angebote, sodass nicht wenige Verbraucher insbesondere beim Mode-Shopping ein und dasselbe Produkt gleich in mehreren Größen bestellen, um zu Hause die passende zu ermitteln. Die restlichen senden sie anschließend wieder zurück an den Händler. Verpackungen spielen beim Online-Handel daher eine immer größere Rolle, weshalb die STI Group herausfinden wollte, wie sich die Internet-Konsumenten zu ihnen verhalten. Für die Studie befragte sie insgesamt 1000 Online-Käufer und stellte dabei fest, dass 99 Prozent der Probanden E-Commerce-Verpackungen große Bedeutung beimessen. Ihrer Meinung nach sollten sie die Produkte schützen, in einem angemessenen Größenverhältnis zum Inhalt stehen und sich für einen möglichen Rückversand eignen. Laut Studie lassen sich die Online-Käufer von diesen Eigenschaften mehr beeindrucken als vom Design der Verpackung oder einer individuellen Ansprache des jeweiligen Händlers.

Überdimensionierte Verpackungen sorgen bei Kunden für Unmut

Aus der Befragung geht zudem hervor, dass die meisten Online-Konsumenten an übergroßen Verpackungen Anstoß nehmen. Sie mögen es auch nicht, wenn diese überflüssiges Füllmaterial enthalten. Ihren Aussagen zufolge könnten die Händler daran sparen und dadurch das Verpackungsvolumen reduzieren. Dass die Online-Verkäufer beim Versand verschwenderisch vorgehen, liegt aber auch an den Bestimmungen, nach denen sich die Paket-Gebühren berechnen. Anders als in den Vereinigten Staaten ist hierbei vor allem das Gewicht entscheidend. Zusätzlich dazu existieren einige wenige Standardgrößen, die die Kosten ebenfalls bestimmen. Das Volumen spielt hingegen überhaupt keine Rolle, sodass Händler gar keine Anreize haben, ihr Verhalten zu ändern. In den USA verhält es sich umgekehrt. Dort müssen Versender nach der Größe bezahlen, weshalb sie sich darum bemühen, das Volumen der Verpackungen zu optimieren und diese so gut es geht an den Inhalt anzupassen. Auf diese Weise können sie nicht nur Kosten sparen, sondern leisten auch einen großen Beitrag zum Umweltschutz.

Studie zu Online-Versandverpackungen: Käufer erwarten ein angemessenes Verhältnis zum Inhalt und mögen kein voluminöses Füllmaterial

Studie zu Online-Versandverpackungen

Intelligente Verpackungen der Zukunft

Die STI-Befragung veranschaulicht, wie groß die Unterschiede zwischen den Ansprüchen der Online-Käufer und der Versandpraxis der digitalen Händler sind. Deswegen bemühte sich der Initiator der Studie um eine Lösung des Problems und entwickelte mehrere Verpackungskonzepte, um sowohl den wirtschaftlichen als auch den Umweltherausforderungen zeitgemäß zu begegnen. Erwähnenswert ist vor allem der Entwurf „Dual-Pack“, eine zweiteilige Verpackung, dessen Deckel sich für den Rückversand eignet. Dafür müssen die Online-Käufer ihn lediglich in der Mitte falten und mit nur wenigen Handgriffen zu einer kleineren Box formen. Eine solche Verpackung eignet sich insbesondere für Modehändler, weil sie zum Beispiel zwei Paar Schuhe in unterschiedlicher Größe dem Empfänger in einem voluminösen „Dual-Pack“ zukommen lassen können und eines von ihnen in der kleineren „Deckel-Box“ zurückerhalten. Als weiteres intelligentes und zeitgemäßes Verpackungskonzept gilt die „Multifill-Box“, für die die STI Group den IF Design Award erhielt. Diese zeichnet sich durch einen Wellpapp-Zuschnitt aus, mit dem sich die Produkte fixieren lassen. Da dieser mit einer reißfesten, aber flexiblen Spannfolie versehen ist, kann der Versender sie an die bestellte Ware anpassen und dadurch auf Füllmaterial verzichten.

Vorteile intelligenter Verpackungen für Online-Händler

Von intelligenten Lösungen wie „Dual-Pack“ und „Multifill-Box“ profitieren auch die Händler. So können diese zum Beispiel die zweiteilige Verpackung unabhängig vom Rückversand für mehrere Standardgrößen verwenden. Je nach Umfang des Produkts haben sie dadurch die Möglichkeit, die ganze Verpackung zu gebrauchen oder sie um die Hälfte zu verkleinern. Darüber hinaus eignen sich zeitgemäße Verpackungen als Instrumente der Imagebildung, wie die STI-Studie verdeutlicht. Für viele Online-Käufer spiegelt sich in der Verpackung das Umweltbewusstsein des Händlers wider, sodass sich dieser Aspekt auf die Kundentreue auswirkt. Wer als E-Commerce-Anbieter am Füllmaterial genauso spart wie am Volumen, gewinnt die Sympathien seiner Shopping-Gäste. Laut Studie seien zwei Drittel der Befragten sogar bereit, 50 Cent mehr für den Versand zu bezahlen, solange es dabei zu einer CO2-Kompensation komme.

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Eugen Zentner ist als Redakteur für onlinemarktplatz.de und als freier Redakteur für die dpa-infocom GmbH tätig.

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Kategorien: Logistik, Versender, Onlinehandel allgemein

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