Amazons Stationärgeschäft: In den USA sollen bald mehrere Mini-Supermärkte und Drive-In-Stationen eröffnen

Bislang galt Amazon ausschließlich als Online-Händler. Doch der Konzern aus Seattle will nun auch in dem stationären Bereich Umsätze generieren. Nach einem Buchladen in der Heimatstadt plant der Internetgigant, mehrere „Convenience Stores“ zu eröffnen, die sich an Discounter wie Aldi und Lidl anlehnen. Zusätzlich dazu sollen „Amazon-Fresh“-Kunden Drive-In-Stationen für Produktabholungen nutzen können.

In den letzten 20 Jahren veränderte Amazon mit seinem Online-Geschäft den Einzelhandel und trug maßgeblich dazu bei, dass viele Läden und Filialen von der Bildfläche verschwanden. An ihre Stelle tritt nun der Gigant aus Seattle selbst, der mehr und mehr auch physisch Präsenz zeigt. Als erstes eröffnete er vor einem Jahr einen Amazon-Buchladen in der Heimatstadt. Da dieser bei den Verbrauchern auf Zustimmung stößt, überlegt der Internetriese, das stationäre Geschäft auszuweiten. Nach derzeitigen Informationen sollen 2017 über 100 Popup-Stores den Betrieb aufnehmen. Außerdem baut das Unternehmen schon jetzt einen ersten stationären Supermarkt in Seattle, auch wenn es dieses Projekt noch verschweigt und darüber in der Öffentlichkeit keine Auskunft geben will. Damit Informationen nicht nach Außen dringen, spricht Amazon lediglich von einem „Project X“.

Amazons Stationärgeschäft: In den USA sollen bald mehrere Mini-Supermärkte und Drive-In-Stationen eröffnen
Amazons Stationärgeschäft: In den USA sollen bald mehrere Mini-Supermärkte und Drive-In-Stationen eröffnen

Mehrere „Convenience Stores“ nach Vorbild von Aldi und Lidl

Experten und Branchenbeobachter lassen sich jedoch von der verschlüsselten Bezeichnung nicht täuschen und wissen bereits, dass der Supermarkt in Seattle nur den Anfang eines größeren Plans darstellt. Ihnen zufolge würden in den nächsten Jahren gleich mehrere kleine Lebensmittel-Läden entstehen. Diese „Convenience Stores“ sollen Innenstadt-Discountern nachempfunden sein, wie sie Aldi oder Lidl betreiben. In ihnen will Amazon in erster Linie verderbliche Produkte wie Fisch, Fleisch oder Milch verkaufen. Sekundär sollen Kunden mit den Convenience Stores die Möglichkeit bekommen, dort eine Warenbestellung für eine Lieferung nach Hause abzugeben. Dieses Angebot weitet Amazon auf alle Produkte aus, unabhängig davon, ob sie über eine kurze oder lange Haltbarkeit verfügen. Wer sich für diesen Service entscheidet, erhält die bestellte Ware noch am selben Tag.

Drive-In-Stationen für „Amazon Fresh“-Kunden

Zusätzlich zu den Lebensmittel-Läden will der Online-Händler aus Seattle mehrere Drive-In-Stationen errichten und dadurch seinen „Amazon Fresh“-Service anschieben. Deswegen werden hier nur Kunden einkaufen dürfen, die auch den E-Food-Dienst nutzen. Dabei sollen die Drive-In-Stationen vor allem als Anlaufstelle dienen, an denen die User ihre zuvor bestellte Ware abholen können. Damit es an den entsprechenden Punkten keine großen Schlangen entstehen, will Amazon den Prozess mithilfe einer Erkennungstechnik beschleunigen. Eine entscheidende Rolle spielen dabei Namensschilder, die die Mitarbeiter an den Drive-In-Stationen an die Waren-Pakete heften.

Konkurrenzkampf mit Walmart

Amazons Ausbau des stationären Handels beruht vor allem auf der Erkenntnis, dass das Frischwaren-Geschäft einen Anschub benötigt. Mit dem bisherigen Modell lassen sich die hohen Investitionen kaum wieder reinholen. Deshalb hat sich das Unternehmen aus Seattle zu dem Schritt entschieden, ein ganzes Filial-Netz zu aufzubauen. Als Orientierungspunkt dient dabei der Konkurrent Walmart, der im letzten Jahr zum Beispiel einen „Click-and-Collect“-Service startete. Wie der US-amerikanische Einzelhandelskonzern zunehmend sein Online-Geschäft ausbaut, so expandiert auch Amazon im stationären Bereich. In den USA steht Amazon Fresh Kunden in mehreren Städten zur Verfügung, wobei Kalifornien das Zentrum des Services darstellt. Hier werden höchstwahrscheinlich auch die ersten Drive-In-Stationen öffnen. Europaweit ist Amazon Fresh lediglich in London verfügbar. In Deutschland soll der Dienst noch in diesem Jahr starten.