Logistik-Technologie: Mercedes-Benz entwickelt für Paketzustellungen Vans mit Platz für mehrere Roboter

Google und Amazon setzen bei der Paketzustellung auf Drohnen. Die Schweizer Post, Hermes, Media Markt oder die Metro Group halten hingegen Roboter des Herstellers „Starship Technologies“ für eine bessere Lösung. Dieser hat nun zusammen mit Mercedes-Benz einen Van entwickelt, der mehreren solcher selbstfahrenden Boten Platz bietet. Bei der Zustellung soll er lange Distanzen überbrücken und die kleinen Roboter dann an einem zentralen Ort hinauslassen, damit sie den Prozess auf der letzten Meile abschließen.

starship

Vor wenigen Wochen kündigte die Schweizer Post an, in diesem Monat in mehreren Gemeinden für die Paketzustellung kleine Roboter des Herstellers „Starship Technologies“ testen zu wollen. Mit diesem Gedanken spielen in Deutschland auch Hermes und Media Markt, die in den selbstfahrenden Boten ein effiziente Alternative zu Drohnen sehen. Dass solche Zustellungsroboter schon bald in Europa täglich zum Einsatz kommen werden, wird zunehmend wahrscheinlicher. Erst letzte Woche präsentierte Mercedes-Benz einen Prototyp-Van, in dem acht solcher Starship-Modelle Platz finden. In Zukunft soll ein solches Fahrzeug die Paketzustellung erleichtern, indem es in das Zentrum eines städtischen Gebiets vordringt und dort die kleinen Roboter auslädt, damit diese die Lieferung abschließen. Weil die kleinen Boten den Stadtverkehr leichter umgehen können als Sprinter und auf kürzestem Wege zum Adressaten vordringen, erfolgt die Zustellung dadurch schneller. Dennoch ist ein solches Fahrzeug wie der Van notwendig, weil die kleinen Roboter nur über einen geringen Bewegungsradius von ca. 5 Kilometer verfügen. Während sie für die Lieferung auf der letzten Meile zuständig sind, überbrückt der Van längere Distanzen am Anfang einer Zustellung. Mit dieser Arbeitsteilung wollen Mercedes-Benz und Starship Technologies dazu verhelfen, dass in Zukunft während einer Neun-Stunden-Schicht insgesamt 400 Pakete den Weg zu den Adressaten finden.

In England wollen mehrere Unternehmen die Vans für Zustellungen einsetzen

Roboter des Herstellers „Starship Technologies“

Roboter des Herstellers „Starship Technologies“

Für die Beschleunigung von Zustellungen eignen sich laut Starship die Roboter besser als Drohnen. Diese Meinung scheinen zumindest in England mehrere Unternehmen zu teilen. Zu ihnen gehören beispielsweise die Metro Group, Hermes, Just Eat sowie Pronto.co.uk. Sie alle unterzeichneten mit Starship einen Vertrag und werden die Vans einsetzen, sobald sie auf den Markt kommen. Momentan existiert jedoch nur ein Prototyp, den der Technologiehersteller zusammen mit Mercedes-Benz bereits ausprobiert hat. Weitere Tests sollen bald folgen. Wann die Vans auch für die kommerzielle Nutzung bereit stehen, steht jedoch noch nicht fest. Zunächst wollen beide Unternehmen ihr gemeinsames Produkt vorstellen und die Funktionsweise des Fahrzeugs erläutern. Mercedes-Benz zufolge enthält der Van ein Förderregalsystem, das 54 Ladungsträger für die Roboter aufnehmen kann. Darüber hinaus verfügt er über eine Rampe und ermöglicht dadurch den kleinen Robotern, problemlos aus- und auszusteigen.

Moderne Software ermöglicht zentrale Kontrolle der Roboter

Neben dieser Ausstattung enthält der Van eine moderne Software, mit der sich der Zustellungsprozess koordinieren lässt. Dabei ermitteln spezielle Algorithmen zunächst die beste Route für die Roboter und suchen den günstigsten Ort aus, von dem aus sie sich auf den Weg bewegen sollen. Das gilt auch für die Abholung, sodass der Van zum Beispiel an einen Parkplatz fährt und dort wartet, bis die kleinen Boten nach getaner Arbeit zurückkommen. Starship und Mercedes-Benz teilten des Weiteren mit, dass die selbstfahrenden Zusteller mit einer Kamera ausgestattet sein werden. Diese soll eine zentrale Kontrolle auf den Prozess garantieren und es Mitarbeitern ermöglichen, schnell einzugreifen, wenn während der Lieferung Probleme entstehen.

Eugen Zentner ist als Redakteur für onlinemarktplatz.de und als freier Redakteur für die dpa-infocom GmbH tätig.



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