Alibaba erwirbt den chinesischen Android-App-Store Wandoujia

Da in China der Google Play Store blockiert ist, erleben unabhängige Anbieter einen Boom. Dazu gehört unter anderem Wandoujia, der momentan als der fünftgrößte im Land gilt. Für den Online-Händler Alibaba war das Grund genug, um ihn für eine riesige Summe in den eigenen Unternehmensverbund zu integrieren. Dabei soll der Android-App-Store dem E-Commerce-Riesen zu einer größeren Reichweite verhelfen.

Der chinesische Online-Riese Alibaba baut seinen Einfluss im E-Commerce weiter aus. Nach mehreren Firmen-Übernahmen in der Vergangenheit erwirbt er nun den Android-App-Store Wandoujia, der in China zu einem der bekanntesten zählt. Die Investition hat einen strategischen Grund: Alibaba will auch in dem mobilen Handel seinen Wirkungsbereich vergrößern. Um dieses Ziel zu erreichen, scheut der Gigant aus Hangzhou keine Kosten. Rund 200 Millionen US-Dollar soll er für Wandoujia bezahlt haben, wobei die Mitteilung des Deals bislang nur in chinesischer Sprache vorliegt. Wenn die Übernahme tatsächlich zu diesem Preis erfolgte, so machte Alibaba ein Schnäppchen. Zwar ist die Kaufsumme durchaus beachtlich, stellt aber immer noch einen geringen Teil dessen dar, was Baidu vor drei Jahren für Chinas bekanntesten App-Store „91 Wireless“ ausgab. Mit 1,9 Milliarden war dieser fast zehn Mal so teurer wie Wandoujia.

Alibaba erwirbt den chinesischen Android-App-Store Wandoujia

Alibaba erwirbt den chinesischen Android-App-Store Wandoujia

Wandoujias rasanter Wertverlust seit 2014

Bei dem Geschäft profitiert Alibaba von Wandoujias finanziellen Problemen, die sich in den letzten beiden Jahren häuften. Seit der Gründung im Jahr 2009 wuchs der App-Store stetig und war 2014 sogar eine Milliarde US-Dollar wert, weil es kurz zuvor eine Finanzierungsrunde über 120 Millionen US-Dollar abgeschlossen hatte. Danach verzeichnete das Start-up aber nur noch Verluste, für die unter anderem der Wettbewerb mit Konkurrenten wie 91 Wireless oder Qihoo 360 verantwortlich ist. Seinen aktuellen Marktanteil schätzt das Forschungsunternehmen Analysys International auf sechs Prozent, die Wandoujia den fünften Platz der größten App-Stores in China bescheren.

Eine ideale Ergänzung zu Alibabas Services

Mit der Übernahme des Android-App-Stores baut Alibaba seinen Unternehmen-Verbund aus und verbessert dadurch die Bedingungen für ein gut funktionierendes E-Commerce. Seine Marktplätze Tmall und Taobao sowie der Paymentdienst Alipay sorgen schon lange dafür, dass der Online-Handel blüht und dem Giganten kontinuierlich Geld in die Kasse spült. Einen weiteren Beitrag dazu leisten der Video-Service Youku Tudou, UC Web und der Analyse-Dienstleister Umeng. Wandoujia könnte sich hingegen als eine ideale Distributionsplattform erweisen, mit deren Hilfe Alibaba Chinas User besser erreicht. Unabhängige App-Stores spielen in dem Land ohnehin eine wichtige Rolle für Unternehmen und Entwickler. Das liegt an der Politik der Regierung, die Googles Dienste konsequent blockiert. Das gilt auch für dessen Play Store, weshalb E-Commerce-Unternehmen auf Alternativen wie Wandoujia angewiesen sind, um auf dem Markt die eigene Reichweite zu vergrößern.

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Eugen Zentner ist als Redakteur für onlinemarktplatz.de und als freier Redakteur für die dpa-infocom GmbH tätig.

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