Alibaba: Deutschland-Chef macht Spezialmode-Anbietern den chinesischen Markt schmackhaft

Alibaba wirbt fleißig deutsche Online-Händler an und verspricht ihnen große Renditen auf dem chinesischen Markt. Aussichtsreich sollen die Bedingungen vor allem für Anbieter von Sport- und Outdoor-Kleidung sein, weil dieses Segment dortzulande eine Lücke aufweise. Die kürzlich veröffentlichten Unternehmenszahlen zeigen jedoch, dass die öffentlichkeitswirksamen Versprchen des Online-Riesen derzeit mit Vorsicht zu genießen sind.

Alibaba: Deutschland-Chef macht Spezialmode-Anbietern den chinesischen Markt schmackhaft

Alibaba: Deutschland-Chef macht Spezialmode-Anbietern den chinesischen Markt schmackhaft

Seit Herbst letzten Jahres agiert Alibabas Deutschland-Chef Terry von Bibra als Vermittler zwischen dem chinesischen Online-Markt und den deutschen Marken. Um diese als Handeslpartner zu gewinnen, stellt er ihnen hohe Absatzzahlen in Aussicht. Erst kürzlich trat er mit dem Versprechen an die Öffentlichkeit, dass in China die Nachfrage nach Produkten aus der Bundesrepublik stark steigen werde. Letzte Woche machte er schlißelich konkrete Vorschläge und wandte sich dabei an Spezialmode-Anbieter. Eine Markt-Lücke sieht der Alibaba-Manager vor allem in dem Bereich Funktionskleidung für Sport- und Outdoor-Aktivitäen. „Dort wollen die Chinesen eine Qualität, mit der die eigene Leistung gesteigert wird“, so von Bibra. Deshalb hätten deutsche Marken in diesem Segment besonders hohe Renditeschancen: „Wenn man Schuhe für eine Wanderung in den Bergen braucht, dann ist Qualität nötig und ein hoher Preis auch gerechtfertigt“.

Qualität aus Deutschland rechtfertigt höhere Preise

Die größten Vorteile sieht Alibabas Deutschland-Chef für Marken, die Chinas Konsumenten bereits kennen und schätzen. Ihnen rät er zu mehr Selbstbewusstsein und empfiehlt, dortzulande mit einer ambitionierteren Preisstrategie als auf dem Heimatmarkt aufzutreten: „Es ist nicht immer sinnvoll, die Marke genauso wie in Deutschland zu führen. Zum Beispiel, wenn das Segment schon gut besetzt ist.“ Für eine höhere Positionierung sprächen die deutschen Produkte selbst, mit der die chinesische Bevölkerung hervorragende Qualität verbinde. Deshalb ließe sich dieses Gütesiegel problemlos als Verkaufsargument anführen, so von Bibra weiter.

Zweifel an Alibabas Glaubwürdigkeit

Ob diese Versprechen mit der Realität übereinstimmen, ist schwer zu sagen. An der Glaubwürdigkeit des Online-Riesen sind in jüngster Vergangenheit erhebliche Zweifel aufgekommen. Skeptisch zeigt sich zum Beispiel die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC, die derzeit gegen den chinesischen Konzern ermittelt. Mit dem Online-Marktplatz Tmall, der C2C-Plattform Taobao und dem Payment-Anbieter Alipay dominiert dieser alle Bereiche des E-Commerce und steht nun unter Verdacht, diese Machtkonzentration auszunutzen. Im Fokus steht vor allem die Buchhaltungspraktik, bei der Alibaba nicht nach Standards verfahren und dadurch die Betriebsdaten manipulieren soll, um den Unternehmenswert an der Börse zu steigern. Unglaubwürdig wirkten zudem die Zahlen, die der Online-Riese kürzlich in der Öffentlichkeit verkündete. So soll er zum Beispiel 2015 insgesamt 407 Millionen aktive Käufer verbucht haben, obwohl es laut der chenesischen Behörde CNNIC derzeit nur 413 Millionen Online-Shopper gebe. Demnach müssten 99 Prozent aller Kunden zumindest einmal bei Alibaba eingekauft haben. Für viele E-Commerce-Experten ist das genauso unwahrscheinlich wie die durchschnittliche Kaufsumme pro Kunde, die der Online-Konzern auf 1049 Dollar bezifferte. Dass diese Zahl viel zu hoch ausfällt, beweisen die Ausgaben der schweizer Konsumtenten, die über eine weitaus größere Kaufkraft verfügen und bei Online-Einkäufen umgerechnet 1299 Euro pro Kopf ausgeben.

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Eugen (Redakteur)

Eugen Zentner ist freier Redakteur, dpa-infocom.



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