Amazons Beutezug in die Logistik könnte fehlschlagen

Alles begann im Januar 2016, als es hieß, dass Amazon einen französischen Paketdienst übernehmen wolle. Dann im März die Nachricht, dass Amazon 20 Frachtflugzeuge von Boeing chartern werde, um sein Liefernetzwerk auszubauen. Zuvor arbeitete Amazon mit verschiedenen Unternehmen wie UPS und FedEx zusammen. Der neuesten Deal wurde nun von seekingalpha unter die Lupe genommen.

Amazons Beutezug in die Logistik könnte fehlschlagen

Amazons Beutezug in die Logistik könnte fehlschlagen

Als Amazon seine Partnerschaft mit Boeing ankündigte, hätte man annehmen können, dass es vielleicht nur ein weiteres von Jeff Bezos „neuen Projekten“ sei. Doch jetzt scheint es ernst zu sein, und das Unternehmen geht mit Volldampf voraus einem eigenen Logistikgeschäft entgegen. Vergangene Woche wurde eine Zusammenarbeit Amazons mit Atlas Air Worldwide Holdings (AAW) bekanntgegeben. Amazon hat langfristige Leasing-Verträge von 7 bis 10 Jahren unterschrieben. Darüber hinaus wurden Amazon auch 20%ige Optionsscheine, um AAW Stammaktien zu erwerben, gewährt.

Warum aber geht Amazon diesen Schritt?

Es ist nichts falsch an dem Versuch, verschiedene Dinge (Fire Phone erinnern Sie sich?) anzugehen und Neuland zu betreten. In der Tat ist es das, was Tech-Unternehmen tun sollten. Ohne Innovationen haben Technologie-Unternehmen wenig Chancen. Doch was Amazon hier versucht ist ein ganz anderes Spiel. Mit diesem neuen Weg das Logistik-Geschäft zu erweitern, verstärkt sich Amazon außerhalb seiner Komfortzone. Die Liefergeschäfte sind weit vom Technikuniversum entfernt, einem Bereich, in dem Amazon derzeit sicher ist. Amazon hat eine gut funktionierende E-Commerce-Plattform und das revolutionäre AWS aufgebaut.

Das Logistik-Business (vor allem der Luftverkehr) erfordert unerbittliche Effizienz und, was noch wichtiger ist, die Verwaltung von realen Vermögenswerten. Während Amazon damit vertraut ist, Waren zu beziehen und zu sortieren, hat das Unternehmen keine Erfahrung im Umgang mit realen Vermögenswerten. Es wäre natürlich sinnvoll, dass das Unternehmen eine vertikale Integration, mit dem Ziel, die Wertschöpfungs- und Lieferketten seines Unternehmens zu optimieren, anstrebt, denn Amazon zahlt eine Menge Geld für die Lieferung. Allerdings ist hier das Bedeutsame, dass Amazon derzeit von keinem der realen Vermögenswerte und den damit verbundenen Verbindlichkeiten abhängig ist. Durch den Abschluss von langfristigen Partnerschaften (s.o), bei denen Amazon für den realen Vermögenswert verantwortlich ist, verliert der Konzern jedoch seine Flexibilität. Aus variablen Kosten werden nun Fixkosten.

Wenn das Management sich die Zeit genommen haben sollte die Finanzen von AAW kurz zu überprüfen, hätte ein kurzer Blick gezeigt, dass das Unternehmen auf dünnen Margen läuft.

Während Amazon mit dünnen Margen vertraut sein sollte, besteht der wesentliche Unterschied darin, dass die AAW-Marge aufgrund des enormen Wettbewerbs auf dem Markt so gering ist. Amazon unterscheidet sich hiervon dadurch, dass der Konzern Geld verdienen kann, wenn er will, das aber gilt nicht für das Flugzeug-Leasing-Business. Natürlich hat Amazon eigentlich keine Vermögenswerte gekauft, also warum sich Sorgen machen?  Vielleicht, weil Amazon langfristige Verträge mit AAW für alle Absichten und Zwecke unterzeichnet hat? Amazon ist damit in der Kontrolle über den Vermögenswert und übernimmt die damit verbundenen Verbindlichkeiten des Flugzeugs über die Laufzeit des Vertrags. Im Wesentlichen entsteht Amazon ein Kapitalaufwand durch die Partnerschaft und der finanzielle Rückfluss wird wahrscheinlich miserabel sein, eben die Profitabilität von AAW widerspiegelnd.

Neben der wenigen Erfahrung außerhalb des Technikuniversums wird Amazon die Flexibilität, die es bisher genossen hat, verlieren. Aus finanzieller Sicht ist das Flugzeug-Leasing-Geschäft gar nicht lukrativ. Die Rentabilität und die Kapitalrendite waren in diesem Sektor schon immer niedrig, und Amazon wird das nicht ändern können. Geht Amazon in diesem Fall in die falsche Richtung? Amazon sollte besser den Technikraum weiter erobern und vielleicht das nächste AWS aufbauen, anstatt Geld in eine in hohem Maße wettbewerbsintensive Industrie zu investieren, in der Amazon Null Vorteil hat.

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Ellen (Redakteur)

Ellen Schmitt-Fleckenstein, Holzkirchen



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